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08:17 22 September 2019
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    Joseph Goebbels (Archiv)

    Goebbels wäre begeistert – Springerpresse hetzt mit Nazijargon gegen russische Medien

    © AFP 2019 /
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    Die Bild-Zeitung benutzt wieder Nazi-Sprache, um gegen russische Medien zu hetzen. In einem Artikel wird vom Fernsehsender RT Deutsch als „Feindsender“ geschrieben. Auch andere deutsche Medien haben in dieser Woche gegen aus Deutschland berichtende russische Medien gewettert. Eine abgestimmte Propaganda-Kampagne steht natürlich nicht dahinter.

    Im Prinzip ist über den Sudeljournalismus, der neuerdings unter der Ägide von Chefredakteur Julian Reichelt bei der Bild-Zeitung wieder hoffähig geworden ist, schon seit geraumer Zeit alles Wesentliche gesagt und geschrieben worden. Das Gleiche gilt für Reichelts albernen Kettenhund Julian Röpcke, der auf seinem Twitter-Account jeden Tag schmerzbefreit vorführt, wo und wie man endet, wenn man jeden Tag sein Spiegelbild anbrüllt und anspuckt, weil man panische Angst hat, sich der realen Welt und damit anderen Meinungen zu stellen. Eigentlich ist die Bild-Zeitung schon eine Weile nicht satisfaktionsfähig.

    Eigentlich. Aber gerade ein russisches Medium kann und darf nicht schweigen, wenn immer wieder aus dem Hause Axel Springer eine Sprache gepflegt wird, die zum Holocaust geführt hat. Und zu mehr als 20 Millionen ehemaliger sowjetischer Bürger, die entweder durch die Kriegshandlungen nach dem Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion ihr Leben verloren oder in Vernichtungslagern der Nazis umkamen. Die Grauen des Zweiten Weltkrieges, insbesondere auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion begannen mit eben jener Sprache, die der Bild-Zeitung des Axel-Springer-Konzerns in letzter Zeit so leicht über die virtuellen und echten Lippen zu kommen scheint.

    Für die Springer-Presse sind russische Medien wieder „Feindsender“

    Die Bild-Zeitung war am Donnerstag, dem 10. Januar 2019 offenbar wieder mal in der Stimmung für Nazi-Jargon. In einem Artikel, der sich mit den Bemühungen des russischen Fernsehkanals RT Deutsch beschäftigte, in der Bundesrepublik eine Sendelizenz zu erlangen, konnte die Kundschaft des Bezahlangebotes von Springers Revolverblatt den Satz lesen:

    „Doch der Druck wächst, den Feindsender zu sperren.“ („BILDplus“, 10.01.2019)

    „Feinsender“ ist Nazi-Sprache per excellence. Wer im Dritten Reich „Feindsender“ hörte (denn damals war das Radio noch das elektronische Medium Nummer 1) und wer dabei erwischt oder deswegen verraten wurde, dem drohte die Todesstrafe. Das Bundesarchiv bewahrt Schilder und Plakate jener dunklen Tage in Deutschland auf, die unmissverständlich verkünden, was Deutschen drohte, sollten sie es wagen, „Feindsender“ zu hören:

    „Du bist ein Verräter!

    Wenn Du Feindsender hörst

    Wenn Du Feindparolen glaubst

    Wenn Du Feindnachrichten verbreitest

    Wenn Du Anweisungen des Feindes befolgst

    Wenn Du mit dem Feind paktierst

    Trägst Du auch die Maske des Biedermannes, des Menschenfreundes, Du entgehst uns nicht. Wir packen zu, schnell und sicher und …?

    Verräter gehören an den Galgen!“ (Plakat, Oktober 1944, Bundesarchiv)

    Nazis im Hause Springer haben offenbar langlebige Spuren hinterlassen

    Dass gerade die Springer-Presse mittlerweile immer zügelloser ihren Russland-Hass mit einer Sprache auslebt, deren menschenverachtende Aggressivität auch Gegenstand der Plädoyers vor dem Alliierten Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg gewesen ist, überrascht nicht wirklich. Vor diesem Internationalen Gerichtshof stand auch Paul Karl Schmidt. Der Pressechef des Nazi-Außenministers Joachim von Ribbentrop war ein glühender Antisemit und talentierter Propagandist.

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    Als die Nazis 1944 auch die Budapester Juden zur Vergasung in die Vernichtungslager abtransportieren wollten, gab Schmidt Ratschläge wie man mit geschickten Ablenkungen in Wort und Tat die Außenwelt über Absichten, Motive und die Tatsache an sich täuschen kann. Es ist gespenstisch wie sich Geist, Sprache und Methoden von damals und der Geist, die Sprache und die Propaganda-Methoden von heute ähneln:

    „Die geplante Aktion wird in ihrem Ausmaß im Auslande große Aufmerksamkeit erregen und sicher Anlaß zu einer heftigen Reaktion bilden. Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd usw. sprechen und unter Verwendung von Greuelberichten die eigene Stimmung und auch die Stimmung bei den Neutralen aufzuputschen versuchen. Ich möchte deshalb anregen, ob man diesen Dingen nicht vorbeugen sollte dadurch, daß man äußere Anlässe und Begründungen für die Aktion schafft, z. B. Sprengstoffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen, Sabotageorganisationen, Umsturzpläne, Überfälle auf Polizisten, Devisenschiebungen großen Stils mit dem Ziele der Untergrabung des ungarischen Währungsgefüges. Der Schlußstein unter eine solche Aktion müßte ein besonders krasser Fall sein, an dem man dann die Großrazzia aufhängt.“ (Staatsarchiv Nürnberg, KV-Anklage, Dokument NG-2424, Bl.1, zit. nach Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Marburg 2009, S. 165)

    Paul Karl Schmidt nutzte sein propagandistisches Talent zum falschen Spiel in Nürnberg in eigener Sache. Statt als Mittäter konnte er dort durch belastende Aussagen gegen ehemalige Gesinnungsgenossen sich selbst reinwaschen und einer Bestrafung entgehen. Der Wendehals kannte keine Skrupel sich vor dem Tribunal als Verfechter einer „demokratischen Pressefreiheit“ darzustellen.

    Kein Wunder, dass ein derart verlogener Zeitgenosse unter dem Pseudonym Paul Carell bis 1979 beziehungsweise 1991 für die Springer-Zeitungen „Welt“ und „Bild“ schreiben durfte. Als „sicherheitspolitischer Berater“ und Intimus von Konzernchef Axel Cäsar Springer hatte dieser unverbesserliche Alt-Nazi bedeutenden Einfluss auf die Politik, die Sitten, die Sprache im Hause Springer. Offenbar mit sehr langlebigem Erfolg.

    Antirussische Hetze hat bei Springer Tradition und gehört zur DNA des Konzerns

    Dass sich im Hause Springer eine solche Liebe für Nazi-Sprache und ein so unbändiger Hass auf Russland bis heute erhalten haben und offenbar auch niemanden in der Belegschaft wirklich zu stören scheinen, könnte auch an einem anderen strammen Nationalsozialisten liegen, der im Springer-Konzern Karriere machen durfte. War für Konzernchef Axel Springer doch immer wichtiger, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem stramme Antikommunisten waren und die Sowjetunion genauso abgrundtief hassten wie er selbst. Ob sie dort grausamste Verbrechen begangen hatten, interessierte Springer nicht im Geringsten.

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    Diesen Mindestanforderungen entsprach auch Horst Mahnke, SS-Hauptsturmführer im Reichssicherheitshauptamt (RSHA). In der Sowjetunion nahm er aktiv an der Verfolgung und Ermordung von Juden und Kommunisten teil. Seine eigentliche Eignung für eine Mitarbeit im Springer-Konzern bewies Mahnke durch die Tatsache, dass er im RSHA für die Bekämpfung des Marxismus zuständig war. Mahnke war ebenfalls langjähriger Berater von Konzernchef Springer und dort für die Durchsetzung der Unternehmensgrundsätze in allen Zeitungen und Zeitschriften des Verlages zuständig.

    Es sei noch erwähnt, dass sowohl Mahnke als auch Schmidt sich als IM des Bundesnachrichtendienstes (BND) anwerben ließen und ihren Chef dort verrieten, sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht. Soviel zu den menschlichen Qualitäten dieser Kämpfer für demokratische Pressefreiheit. Paul Karl Schmidt, alias Paul Carell war überdies jahrelang Chef des Verbandes Deutscher Zeitungsverleger (VDZ). Ein Nazi mit gespielter Reue, ein Wendehals und schäbiger Denunziant hatte also über Jahre ganz wesentlichen Anteil an der Ausrichtung des Springer-Konzerns und der westdeutschen Presselandschaft.

    Mehrzahl deutscher Medien offenbar stillschweigend einig in ihrer Russland-Phobie

    Bei so viel brauner Kontinuität wundert einen Beobachter nur noch bedingt, dass Nazi-Jargon und die Propagandatricks von Josef Goebbels immer wieder im Hause Springer fröhliche Wiederauferstehung in übler „Stürmer“-Manier feiern. Aber mal abgesehen davon zeigen sich in der deutschen Medienlandschaft dieser Tage bemerkenswerte Allianzen, von Springer bis TAZ, von ARD bis ZDF. Sie alle eint ein gebetsmühlenartig wiederholtes Narrativ: der Russe ist schuld, dem Russen kann man nicht trauen, dem Russen ist alles zuzutrauen, der Russe betreibt Propaganda, der Russe muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Der Russe ist ein Feind.

    Wenn Springer von Werten und Moral redet…

    Die ungebrochenen Traditionslinien aggressiver und feindseliger Propaganda-Sprache, des Denkens und des Welt- und Menschenbildes, das dahinter steht, zeigen sich auch an anderer Stelle im Springer-Konzern. Denn es ist natürlich kein Zufall, dass sich die Blätter dieses Verlages über Personalien echauffieren, die sie gelinde gesagt nichts angehen, dabei aber mit moralischen Maßstäben hausieren gehen, die plötzlich nichts mehr gelten, wenn man selbst einem Zeitgenossen wie Amazon-Chef Jeff Bezos einen Preis für „visionäres Unternehmertum“ verleiht. In einem Moment, in dem dieser Mann nicht visionär, sondern ganz real seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit in einem Maße ausbeutet und drangsaliert, das selbst konservativste Politiker und Journalisten in den USA erschüttert und empört.

    Oder wenn das Haus Springer ohne mit der Wimper zu zucken einen Mann wie Alex Karp in den Aufsichtsrat beruft. Jener Unternehmer, der als Chef des Unternehmens Palantir mitverantwortlich dafür ist, dass Millionen unschuldiger Menschen auf der ganzen Welt vom USA-Geheimdienst NSA bis in die privatesten Bereiche ausspioniert und die „demokratische Pressefreiheit“ mit Füßen getreten werden, indem mit klandestinen Methoden die Deutungshoheit des Westens in Medien verteidigt werden soll.

    Und dass mit Karp ein Mitglied des Lenkungsausschusses der so genannten Bilderberg-Konferenzen im Springer-Aufsichtsrat sitzt und wir dies hier erwähnen, wird uns natürlich umgehend den Standardvorwurf der Verschwörungstheorie einhandeln, aber das sind wir gewohnt. Und wir schreiben es hier trotzdem, weil wir wissen, dass es die selbsternannten Gralshüter von Freiheit und Demokratie am meisten ärgert, wenn man eben nicht zu Kreuze kriecht, sondern ihnen den Spiegel ihrer Verlogenheit vorhält.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Nazis, Medien, Axel-Springer-Verlag, Bild-Zeitung, Joseph Goebbels, Julian Röpcke, UdSSR, Deutschland