00:27 22 April 2019
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    Fahrzeug eines Drehteams der Nachrichtenagentur Ruptly (Archivbild)

    Neues aus dem Bild-Kindergarten – Klein Julian in der Trotzphase

    © Foto: Ruptly
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    Andreas Peter
    202327

    Eine Live-Übertragung des ZDF aus Anlass des 100. Jahrestages des Dessauer Bauhauses wurde auch mit Hilfe von Technik der russischen Video-Nachrichtenagentur Ruptly produziert. Zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Nur das Propaganda-Blatt des Springer-Konzerns konstruiert aus dieser Normalität mal wieder eine Art nationalen Notstand.

    Viele Leserinnen und Leser werden das kennen. So gut wie jedes Kind macht eine so genannte Trotzphase durch. Wenn der kleine Sonnenschein nicht seinen Willen bekommt, dann kann es schnell unangenehm werden. Für die Ohren und für die mitleidende Umwelt. Leider sind häufig die Erziehungsberechtigten Teil des Problems. Denn, schlechtes Vorbild färbt nun einmal ab. Das ist an der Supermarktkasse nicht anders als in der Medienlandschaft. Aber der Reihe nach.

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    Zunächst zu den nüchternen Fakten. Das ZDF hatte einer renommierten, weil sehr erfahrenen Berliner Produktionsgesellschaft den Auftrag zur Übertragung des Konzertes anlässlich des 100. Jahrestages der Bauhaus-Gründung in Dessau erteilt. Diese Gesellschaft wiederum nutzte dafür auch Technik der russischen Video-Nachrichtenagentur Ruptly, vorwiegend Kameras. Für diese Nutzung erhielt Ruptly ein marktübliches Entgelt. Ein Vorgang, wie er tagtäglich in Deutschland stattfindet. Entsprechend äußerten sich Auftraggeber und Auftragnehmer.

    Bild konstruiert eine Staatsaffäre wegen russischer Kameras

    Die Propaganda-Abteilung im Haus Axel Springer schäumte dennoch vor Wut. Weshalb sie ihr bewährtes Sturmgewehr „Bild“ in Stellung brachte und Jungkanonier Julian Röpcke am 20. Januar unter der martialischen Überschrift „Kreml-Propaganda-Abteilung überträgt fürs ZDF“ das Feuer eröffnen ließ. In dem für den Autor gewohnt wirr formulierten Artikel kracht es nur so von Propagandaschwulst. Röpcke blies, wie für ihn und seinen Geldgeber typisch, einen komplett normalen und branchenüblichen Vorgang wie die Ausleihe von Kamera-Equipment zu einem Staatsdrama auf. Selbst Bildunterschriften  klingen dann, als handele es sich um eine Nahaufnahme vom Kennedy-Attentat, beispielsweise: „Ein Ruptly-Mitarbeiter justiert eine ARRI-Kamera vor dem Konzert“.

    Weil Julian Röpcke wahrscheinlich krank war, als Logik an der Universität gelehrt wurde, merkt er natürlich auch nicht, wie albern die Überschrift „Warum ist der Einsatz der Kreml-Firma so gefährlich?“ wirkt. Offenbart er doch damit, wie wenig überzeugt er von der Substanz seiner Geschichte ist, wenn er seinem Publikum noch einhämmern muss, was doch eigentlich offenkundig sein müsste, wenn denn wirklich Nachrichtenwert bestünde.

    Bild wärmt alte Propaganda-Parolen auf

    Dass Röpcke aus einer „Studie“ der Politologin Susanne Spahn zitiert, die diese im vergangenen Jahr im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung verfasste, gehört ebenfalls in die Rubrik „Logik? Kann man das essen?“.  Spahn entblödete sich unter anderem nicht, als Beweis für die angebliche Gefährlichkeit russischer Medien in Deutschland wie beispielsweise RT Deutsch zu behaupten, die Abkürzung RT wäre der Versuch, zu verschleiern, dass der Sender vom russischen Staat finanziert wird. Die in der „Studie“ veröffentlichte und von Sputnik bereits widerlegte dreiste Lüge Spahns, wonach RT-Deutsch-Chefredakteur Ivan Rodionov in deutschen Fernsehsendungen „regelmäßig“ auftrete, ohne darauf hinzuweisen, wo er herkommt, hat Susanne Spahn bis heute nicht richtig gestellt. Wahrscheinlich wird sie damit auch weiterhin ohne rot zu werden in ihren Vorträgen hausieren gehen, die sie regelmäßig auf der Basis ihrer „Studie“ hält, demnächst beispielsweise in Kiel. Dass  ausgerechnet Röpcke ausgerechnet sie als Zeugin in eigener Sache zitiert, wen wundert es?

    Aber Trotzköpfe wie Julian Röpcke hassen es, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die sie mit ihrem Herumtrollen erlangen wollen. Vielleicht war die Bild-Bezahlschranke zu hinderlich, um den Propaganda-Auftrag zu erfüllen. Wahrscheinlicher ist indes, dass die Republik nicht in ihren Grundfesten wegen des Verleihs von russischen Kameras an einen Auftragnehmer des ZDF erzitterte, weil sich die Allermeisten fragten:  Wo liegt eigentlich das Problem? Wirklich ärgerlich für einen trotzköpfigen Propagandisten.

    ​Also reanimierte Röpcke am 21. Januar seine Propaganda-Leiche, diesmal im frei zugänglichen Angebot von „Bild“. „TV-Gebühren für Russland-Propaganda“ war da zu lesen. Wir erinnern uns. Es geht um  Kameras von Ruptly, die für eine Übertragung des ZDF ausgeliehen wurden. Daraus macht Herr Röpcke „Russland-Propaganda“. Wie schon erwähnt, mit Logik hat es unser Qualitätsjournalist nicht so. Vielleicht hat er aber auch einen Auftrag. Denn der Springer-Konzern will ab 8. Februar sein Magazin „Bild-Politik“ lancieren, als Gegengewicht zu „Spiegel“ und „Focus“. Da muss natürlich ein bisschen das Scheinwerferlicht gesucht werden. Und sei es mit erfundenen Gruselgeschichten über den heimtückischen Russen.

    Bild verzweifelt wegen Nichtbeachtung ihrer Propaganda

    Auch diesmal wollte aber offenbar niemand in Ohnmacht fallen. Entsprechend fassungslos und empört schreit Bild-Propagandist Julian Röpcke am 22. Januar im dritten Anlauf in die Republik: „Beitragsgelder für einen Kreml-Kanal – und keiner findet was dabei!“. Damit diese verstockten Deutschen endlich begreifen, warum eine Handvoll Kameras einer vom russischen Staat finanzierten Video-Agentur die Bundesrepublik und die Demokratie und den Qualitätsjournalismus in ihren Existenzen bedrohen, titelt Röpcke gleich zu Beginn des dritten Aufgusses seiner Propaganda-Geschichte: „Warum ist Russia Today so gefährlich?“.

    Gute Frage, lieber Kollege Röpcke. Nicht nur wir warten bis heute auf eine wirklich überzeugende Antwort, ohne den üblichen Propagandaschwulst. Übrigens müssen Sie jetzt ganz stark sein. Auch Ihr Geldgeber wird von russischem Staatsgeld finanziert. Glauben Sie nicht? Dann rufen Sie einfach die Jobbörse Stepstone im Internet auf und geben dort Ruptly ein. Und vielleicht wissen sogar Sie, wer 100-prozentiger Eigentümer von Stepstone ist. Richtig. Und nun, Marsch, Marsch, es gibt noch viele Räuberpistolen, die Sie der Welt verkünden müssen. Vielleicht diese: „Hilfe! Russisches Staatsgeld unterwandert das Kronjuwel des deutschen Qualitätsjournalismus!“.

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    Tags:
    öffentlich-rechtliche Sender, Hetze, Russophobie, Propaganda, Videoagentur Ruptly, Axel-Springer-Verlag, Bild-Zeitung, ZDF, Russia Today, Julian Reichelt, Julian Röpcke, Frank-Walter Steinmeier, Deutschland, Russland