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    Warum Russland so viel Gold kauft

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    Russlands Zentralbank hat im vergangenen Jahr eine Rekordmenge Gold erworben – 8,8 Mio. Unzen (rund 274 Tonnen), was um 22 Prozent mehr als 2017 ist. Warum Russland so viel Gold braucht, und warum die Zentralbank Dollar gegen Barren tauscht – das lesen sie in diesem Artikel.

    Wie in besten Zeiten

    Russlands Zentralbank verfügt derzeit über 2112 Tonnen Gold – das ist ein Rekordwert in der Geschichte des heutigen Russlands. Der historische Höchstwert wurde 1941 erreicht – 2800 Tonnen, nach dem Zweiten Weltkrieg, gegen 1953, sank diese Kennzahl auf 2500 Tonnen.

    Danach ging der Rückgang weiter, 1991 verfügte Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion nur noch über 290 Tonnen Gold.

    Nach den schweren 1990er-Jahren stiegen die Goldvorräte allmählich wieder an. Vor zehn Jahren entfielen auf Gold 3,5 Prozent der Gold- und Währungsreserven des Landes (519 Tonnen). Momentan verfügt Russland über Gold- und Währungsreserven im Wert von 462 Mrd. Dollar, wobei 18,6 Prozent (86,9 Mrd. Dollar) auf das Edelmetall entfallen. Parallel reduzierte die Zentralbank die Einlagen in US-Staatsanleihen und Dollar auf ein Minimum.

    Dollar gegen Barren tauschen

    Warum hat sich die Struktur der Reserven derart verändert? Aus der Sicht der Entwicklung des Finanzsystems gibt es keine Alternative zum Gold – der Ausbau der Bestände ist ein Schutz vor Währungsrisiken.

    Das Weltfinanzsystem ist so aufgebaut, dass 70 Prozent des gesamten Zahlungsverkehrs auf die US-Währung entfallen. Doch jede Währung, ob Dollar oder Euro, ist stark von Schulden belastet, und jede großen Schulden können einmal zur Schuldenentlastung führen.

    Laut Wirtschaftsexperten haben sich in der Weltwirtschaft alle Voraussetzungen für eine Apokalypse – eine unkontrollierte Geldemission, Handelskriege, Anstieg der Zinssätze, herausgebildet.

    Vor solchen Risiken schützt gerade Gold – im Falle des Zusammenbruchs des Dollar-Systems wird Gold nicht an Wert verlieren. Bei der Beibehaltung der Funktion als Zahlungsmittel im Welthandel, reduziert Gold die Abhängigkeit von jeder Währung.

    Laut dem CEO von First Mining Gold Corp, Keith Neumeyer, besteht das Hauptproblem darin, dass zu viel ungedecktes Geld gedruckt wird. Deswegen häufen die Großbanken und Regierungen vor der Krise „reales Geld“ an.

    „Ob wir in eine Inflations- bzw. Deinflationsära eintreten – das ist dem Gold egal. Investitionen in Gold zahlen sich bei jedem Szenario aus“, sagte er.

    Über die größten Goldreserven verfügen die USA mit 8000 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3000 Tonnen, Italien und Frankreich mit jeweils 2500 Tonnen. Rund 30 Prozent der Gold- und Währungsreserven der Industrieländer werden in Gold aufbewahrt.

    >>>Mehr zum Thema: Weiß Moskau etwas? Welt rätselt, wozu Russland so viel Gold kauft<<<

    Russland rangiert auf Platz fünf, und verdrängte damit China aus den Top fünf. Peking verfügt über 59,6 Mio. Unzen gegenüber 67,9 Mio. Unzen bei Russland.

    „Russlands Zentralbank setzt auf Barren als Zufluchtsort und einziges Schutzmittel gegen den Dollar“, so Reuters.

    Schutz vor Sanktionen

    Für Russland bieten die Goldvorräte zudem Schutz vor dem Sanktionsdruck, den Washington nicht lockern will. Die US-Behörden können Einschränkungen bezüglich der Staatsschulden, Finanzinstitutionen und des Energiesektors einführen. Laut Moody’s können sich neue Sanktionen als „am destruktivsten“ erweisen.

    Unter diesen Bedingungen wolle Russland seine Wirtschaft möglichst unabhängig vom US-Dollar machen, so Stratfor-Analysten. Die Zentralbank begann bereits 2014, ihre Dollar-Vorräte loszuwerden, als Washington Sanktionen gegen russische Unternehmen verhängte, 2018 kam es zu einem massiven Ausverkauf.

    Im Ergebnis sanken die Einlagen in US-Staatsschulden von 176 Mrd. Dollar im Jahr 2010 auf minimale 14,9 Mrd. Dollar.

    >>>Mehr zum Thema: Immer mehr Länder kehren US-Währung den Rücken<<<

    Stattdessen vergrößert die Zentralbank nun ihre Goldreserven. Das ist das perfekte Schutzmittel gegen Sanktionen, weil Washington Gold-Transaktionen nicht einfrieren lassen kann. Das zeigt das Beispiel Iran. Selbst bei schärfsten Strafmaßnahmen handelte Teheran weiter mit Öl, das unter anderem mit Gold bezahlt wurde.

    Zudem wird Gold ständig teurer. Die größten Investmentbanken warnen – das pausenlose Gelddrucken wird die Preise auch für reale Aktiva nach oben treiben.

    Auf der anderen Seite werde die Gold-Fördermenge in den nächsten Jahren sinken, so die Prognose von Goldman Sachs. Nach Angaben des Goldförderers Goldcorp — eines der größten in der Branche — wird die Goldproduktion zum Jahr 2022 auf das Niveau von Anfang des 21. Jahrhunderts sinken. Nach Einschätzung des United States Geological Survey (USGS) sind die Goldvorräte beim jetzigen Fördertempo bereits zum Jahr 2034 ausgeschöpft.

    Falls das Tempo des Goldankaufes auf dem jetzigen Niveau bleibt – die Zentralbank tauscht den Dollar gegen Goldbarren mit dem schnellsten Tempo seit zwölf Jahren —  würden die Goldvorräte Russlands in vier Jahren den sowjetischen Rekord brechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Sanktionsdruck, US-Sanktionen, Währungsgold, Staatsschulden, Staatsanleihen, Gold, Sanktionen, Dollar, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Deutschland, USA, Russland, China