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18:39 20 Oktober 2019
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    Ölförderung in Kalifornien (Archivbild)

    Ölpreise im Dauertief: US-Fracking-Industrie befürchtet Pleitewelle

    © REUTERS / Lucy Nicholson
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    Die US-amerikanischen Schieferölhersteller verfluchen die aktuellen Ölpreise. Die Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) müsse stabil rund 60 Dollar pro Barrel kosten, andernfalls würden die Investitionen in diesem Bereich laut dem Chef von Hess Corp., einem der führenden US-Schieferölunternehmen, zurückgehen.

    Analysten und Marktteilnehmer sind sich sicher – billiges Öl könnte eine neue Krise wie 2015 und eine neue Pleitewelle auslösen.

    Absturz der Ölpreise

    Die Ölrally verzeichnete ihren Höhepunkt Ende September bzw. Anfang Oktober des vergangenen Jahres – dem Markt wurde ein Preis von 100 Dollar pro Barrel und mehr versprochen, doch nach weniger als einem Monat ist von dem Optimismus nichts mehr übrig geblieben. Die Preise sind um ein Viertel eingebrochen. Die Ölsorte Brent fiel von 85 auf 60 Dollar.

    Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist das Überangebot. Zum Jahresende war die Förderungsmenge um täglich 0,4 Mio. Barrel höher als die Nachfrage. Nun sind die Preise erneut gestürzt. Das ist mit der Senkung der IWF-Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft auf den minimalen Stand seit drei Jahren verbunden. Die Ölsorte Brent kostet etwa 61 Dollar, die Sorte WTI knapp 52 Dollar (im November und Dezember war der Preis sogar auf 42 Dollar gesunken).

    Niedriger geht es nicht

    Der aktuelle Rückgang versetzt die Schieferölhersteller in große Sorge. Ihre meisten Projekte sind bei diesen Preisen unrentabel. Ende November begrüßte Trump den Rückgang der Ölpreise und bedankte sich dafür bei Saudi-Arabien. „Die Ölpreise gehen nach unten. Super! Welch ein Steuerrückgang für Amerika und die Welt! Genießen sie es! 54 Dollar, davor waren es 82 Dollar“, schrieb Trump auf Twitter.

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    Bereits damals war klar, dass die US-Schieferölhersteller keinen Grund zur Freude haben. Niedrige Ölpreise können die Entwicklung des Schieferölgeschäfts untergraben. Ihre Kapitaleinlagen und Investitionen in die Infrastruktur könnten abgebaut werden.

    Budgets gekürzt

    Im Dezember verkleinerten die Schieferölhersteller ihre Etats für das Jahr 2019 – erstmals seit drei Jahren. Größere Unternehmen wie Centennial Resource Development, Diamondback Energy und Parsley Energy verringerten ihre Jahresausgaben um etwa 15 Prozent. „Für den Start von neuen Projekten muss der WTI-Preis stabil um 60 Dollar liegen“, sagte John Hess beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

    Diesen Preis brauchen die Schieferölhersteller, um neue Projekte zu starten. Bei niedrigeren Preisen werden die Investitionen unzweckmäßig. Allerdings ist das Potenzial der Schieferölförderung selbst bei günstiger Preiskonjunktur beschränkt. Laut Prognose von Hess könnte der Anteil am globalen Angebot in den kommenden Jahren auf zehn Prozent erhöht werden, doch danach würde das Wachstum stoppen.

    Wie allerdings eine Studie von „The Wall Street Journal“ zeigte, ist auch jetzt ihre Produktivität nicht besonders groß. Nach der Analyse von rund 16.000 Bohrlöchern in Texas und North Dakota kam die Zeitung zu dem Schluss, dass die größten US-Firmen deutlich weniger Schieferöl und —gas fördern, als den Investoren versprochen wurde. Somit ist die Rentabilität der Erschließung von Kohlenwasserstoffvorräten via Fracking fragwürdig.

    Bohrlöcher gehen schnell zur Neige

    Einer der größten globalen Akteure auf dem globalen Fracking-Markt — die Firma Schlumberger — ist ebenfalls pessimistisch. Unternehmenschef Paal Kibsgaard warnte, dass der jetzige Abbau der Investitionen zum Rückgang der Bohrarbeiten führen wird.

    Zudem ist diese Branche durch eine schnelle Ausschöpfung der Bohrlöcher gekennzeichnet. Kurz nach den Bohrarbeiten sinken die Fördermengen auf den Schiefervorkommen rapide.

    Anschließend müssten die Unternehmen die Zahl der neuen Bohrlöcher erhöhen, was ohne zusätzliche Ausgaben unmöglich sei, so Kibsgaard.

    Investoren veräußern die Wertpapiere der Unternehmen, die ihre Budgets für Bohrarbeiten erhöhen. Die Aktien verlieren an Wert und die Branchen müssen deshalb ihre Investitionen reduzieren. Analysten zufolge droht den Schieferölherstellern eine Insolvenzwelle wie 2015-2017,  wenn der WTI-Preis nicht auf mehr als 60 Dollar steigt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölförderung, Sturz, Ölpreis, Schieferöl, Fracking, OPEC, IWF, Donald Trump, Saudi-Arabien, USA