17:53 18 Februar 2019
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    Zentralbank Russlands (Archivbild)

    Russland gibt den Kurs vor: Zentralbanken tauschen Dollar gegen Gold

    © Sputnik / Natalia Seliwerstowa
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    Natalja Dembinskaja
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    Im vergangen Jahr haben alle Notenbanken weltweit für insgesamt 27 Milliarden US-Dollar Gold gekauft – ein Rekord seit fast 50 Jahren.

    Der größte Goldkäufer war dabei die russische Zentralbank mit 274 Tonnen. Unter anderem wurde das Edelmetall für Dollar aus dem Verkauf der US-Staatsanleihen erworben. Warum der Verzicht auf US-Aktiva zum globalen Trend wird, analysiert Sputnik in diesem Beitrag.

    Russland kauft Rekordmengen

    Nach Einschätzung des World Gold Council (WGC)  ist der Goldanteil bei den Aktiva der Zentralbanken verschiedener Länder um 651 Tonnen gewachsen. Das ist der höchste Wert seit 1971, als die USA auf den „Goldstandard“ verzichteten.

    Fast die Hälfte davon (274 Tonnen) hat Russland erworben. Jetzt verfügt seine Zentralbank über 2112 Tonnen Gold und damit über das Maximum in der jüngsten Geschichte.

    1991 hatte das Land nach dem Zerfall der Sowjetunion „nur“ 290 Tonnen Edelmetall geerbt. Als die schweren 1990er-Jahre vorbei waren, begann das allmähliche Wachstum der Goldvorräte. Vor zehn Jahren entfielen auf Gold 3,5 Prozent der Gold- und Devisenreserven (519 Tonnen).

    Aktuell werden die internationalen Reserven Russlands auf 462 Milliarden Dollar geschätzt, wovon 18,6 Prozent (86,9 Milliarden Dollar) auf Gold entfallen. Gleichzeitig werden die Anlagen in US-Dollar immer geringer: Seit April 2018 ist Moskau US-Staatsanleihen für mehr als 80 Milliarden Dollar losgeworden. Nach Angaben des US-Finanzministeriums sind Russlands Dollar-Reserven im November des vergangenen Jahres wieder um zwei Milliarden geschrumpft. Derzeit belaufen sie sich auf nur 12,814 Milliarden.

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    Das ist ein beispielloser „Ausverkauf“, wenn man bedenkt, dass Russlands Devisenreserven sich 2010 auf 180 Milliarden Dollar belaufen hatten.

    Wie Professor Oleg Wjugin von der Moskauer Higher School of Economics erläuterte, sind die antirussischen Sanktionen Washingtons der Hauptgrund für den „Ausverkauf“.

    Durch die „Umstellung“ von Dollar auf Gold überwindet die russische Notenbank ihre Abhängigkeit von den USA. Mehr noch: Die Bank Russlands kauft Gold Großteils auf dem Binnenmarkt – und braucht dafür überhaupt keine Dollar.

    „Russland verfügt über eine vollwertige Produktionsinfrastruktur – von der Goldförderung bis zur Goldverarbeitung, und deshalb ist der Ausbau seiner Goldvorräte durchaus logisch“, findet Philip Newman, der Direktor der Beratungsfirma Metals Focus.

    Andere orientieren sich an Russland

    Der zweitgrößte Goldkäufer wurde 2018 die Türkei, die ihre Goldreserven um 51,5 Tonnen ausgebaut hat. Gleichzeitig wird Ankara, das unter dem Wirtschaftsdruck seitens Washingtons leidet, seine US-Staatsanleihen los. Seit Ende 2017 hat die türkische Notenbank mehr als 50 Prozent ihrer Dollarreserven wieder verkauft.

    „Zentralbanken vieler Schwellenländer hängen stark vom Dollar ab. Um die damit verbundenen Risiken in den Griff zu bekommen, müssen sie den Goldanteil an ihren Reserven aufstocken“, sagte dazu der WGC-Analyst Alistair Hewitt.

    Experten erläutern: Gold ist quasi „eine Währung ohne Staatsbürgerschaft“ und kann jederzeit gegen jede Währung der Welt „ausgetauscht“ werden. Deshalb kaufen viele Länder gerne das Edelmetall, um von den unberechenbaren Handlungen Washingtons weniger abzuhängen.

    „Regierungen und Märkte in aller Welt sind über die protektionistische Handelspolitik Trumps beunruhigt, die den Dollar schwächen könnte“, stellte der WGC-Experte in Japan, Itsuo Toshima, fest.

    Das Vorgehen Japans, übrigens der zweitgrößte Kreditgebers der Amerikaner, ist kennzeichnend: Im Herbst 2018 hatte die Bank of Japan einen beträchtlichen Teil ihrer US-Staatsanleihen verkauft, deren Anteil jetzt bei 1,028 Billionen Dollar liegt – ein Rekordtief seit sieben Jahren. Allerdings sind die Japaner keine aktiven Goldkäufer: Ihre Goldreserven liegen seit 2011 konstant bei 765,2 Tonnen.

    Ganz anders verhalten sich aber viele andere asiatische Länder. Die Philippinen beispielsweise haben ihre Goldvorräte seit 2010 um 20 Prozent (auf 200 Tonnen) aufgestockt, Indonesien um zehn Prozent auf 80,6 Tonnen. 

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    Und China, der größte Kreditgeber Washingtons, ist offenbar am wenigsten daran interessiert, die US-Wirtschaft weiter zu kreditieren. Peking verkauft schon seit fünf Monaten in Folge US- Staatsanleihen. Allerdings sind die Goldreserven der Volksrepublik nur die sechstgrößten weltweit: 1842,6 Tonnen, was aber nur 2,4 Prozent ihrer ganzen Gold- und Devisenreserven ausmacht.

    Aktuell verfügt das Reich der Mitte über US-Staatsanleihen für 1,138 Billionen Dollar: Das ist fast ein Fünftel der gesamten US-Auslandsschulden, die Ausländern gehören. Falls die Chinesen auf den von Präsident Trump ausgelösten Handelskrieg mit dem Verkauf der US-Staatsanleihen reagieren, würde das unvermeidlich eine wesentliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Übersee bedeuten.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Goldreserven, Devisenreserven, Finanzkrise, Staatsanleihen, Gold, Unabhängigkeit, Dollar, US-Notenbank FED, US-Finanzministerium, Russlands Zentralbank, Donald Trump, Türkei, USA, Russland, China