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07:05 19 Oktober 2019
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    US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell (Archiv)

    US-Botschafter in Deutschland bei BILD: Verteidigt Grenell iranischen Vergewaltiger?

    © AFP 2019 / Bernd von Jutrczenka / dpa
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    Im Iran ist Homosexualität gesetzlich verboten. Schwule werden verfolgt, weswegen das Land zu Recht von Menschenrechtsgruppen verurteilt wird. Das hat auch den US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, dazu veranlasst, den Iran wegen dessen Umgang mit Schwulen mit dem IS gleichzusetzen. Doch ein Detail macht seine Kritik fragwürdig.

    In einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung (englischsprachige Version) verurteilte Grenell die öffentliche Hinrichtung eines 31-jährigen Mannes im Iran aufs Schärfste. Dies sei ein „Weckruf für jeden, der die grundlegenden Menschenrechte“ unterstütze.

    „Politiker, die Uno, demokratische Regierungen, Diplomaten und gute Menschen überall müssen sich laut zu Wort melden“, so der US-Botschafter.

    Das Heikle daran: In diesem konkreten Fall geht es offenbar nicht schlicht um einen Homosexuellen. Denn dann wäre Grenells Kritik durchaus berechtigt.

    Dem 31-Jährigen, der in der islamischen Republik am 10. Januar hingerichtet wurde, wurde laut iranischen und israelischen Medien jedoch zur Last gelegt, zwei 15-jährige Jungen entführt und vergewaltigt zu haben.

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    In dem Gastbeitrag Grenells wird diese Tatsache jedoch heruntergespielt: Die Anklage gegen den Mann wird schlicht als „empörende“ Vorwürfe der Entführung und Pädophilie bezeichnet, die der iranische Staat gegen Schwule erhebe.

    Hier muss man sich aber die Frage stellen: Weiß seine Exzellenz mit Sicherheit, dass der Hingerichtete kein Pädophiler ist, der Minderjährige entführt und vergewaltigt hat? Hat er irgendwelche Fakten zur Verfügung, die die Unschuld des Iraners belegen? In seinem Beitrag bleibt Grenell diese Belege jedoch schuldig.

    Andernfalls läuft der US-Botschafter in Berlin in Gefahr, sich in der meistverkauften deutschen Zeitung bloßzustellen, indem er sich für einen Kinderschänder einsetzt. Denn sogar in westlichen Ländern ist Homosexualität keine Rechtfertigung für Pädophilie und Vergewaltiger.

    In diesem Sinne kommt die Frage auf, was das eigentliche Ziel dieses Beitrags war. Und warum Grenell in seinem Artikel Saudi-Arabien mit keinem Wort erwähnt, wo Homosexuelle ebenfalls hingerichtet werden. Handelt es sich hier also um eine Kampagne gegen den Iran – ein Land, das den USA schon seit Langem ein Dorn im Auge ist? Oder ist der US-Botschafter in der Tat um das Wohl der Schwulen im Iran besorgt? Es sei dem Leser überlassen, darüber zu entscheiden.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Im Widerspruch zu den Pflichten“: Sacharowa zu Drohbriefen Grenells<<<

    Grenell setzte zu dem Thema auch etliche Tweets ab. Doch einige Nutzer wiesen ihn darauf hin, dass es sich bei dem Mann nicht bloß um einen Schwulen handelte.

    ​Richard Grenell doubling down on his fake news. 

    „Richard Grenell legt mit seinen Fake-News nach. Dem Mann wurde die Entführung und Vergewaltigung von zwei 15-jährigen Jungen zur Last gelegt, und nicht Homosexualität. Es ist wahr, dass die Situation mit LGBT-Vertretern im Iran weit nicht akzeptabel ist. Doch diese Art von Propaganda kann ihnen nur schaden“, schrieb der Nutzer R. Javaheri.

    „Sie erhängen Männer in Saudi-Arabien auch. Wieso kritisieren Sie niemals Saudi-Arabien? Liegt es daran, dass sie Verbündete Israels sind?“, fragt der Nutzer Ho Hum.

    Der Iran gehört zu den 76 Ländern der Welt, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar sind, und ist eines der sieben Länder neben Jemen, Saudi-Arabien, Mauretanien, Nigeria, Sudan und Somali, in denen Schwule hingerichtet werden können.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Schwule, Kritik, Vergewaltigung, Hinrichtung, Gericht, Menschenrechte, Bild, Richard Grenell, Iran, USA