23:54 23 April 2019
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    Wrackteile eines sowjetischen Panzers auf der Insel Schikotan

    Wenn die Russen gehen, kommen die Amerikaner: Pläne Japans mit den Kurilen

    © Sputnik / Andrej Schapran
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    Xenia Melnikowa
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    Moskau erwartet von Japan die Anerkennung der russischen Souveränität über die Südkurilen. Um die Verhandlungen über den bilateralen Friedensvertrag zu intensivieren, sollte Tokio den ersten Schritt tun, sagte dieser Tage der russische Außenminister Sergej Lawrow.

    Japanische Medien schreiben inzwischen unverhohlen, dass auf den umstrittenen Inseln US-Militärstützpunkte eingerichtet werden sollten.

    Militärischer Wert der Inseln

    „Für Russland ist das Ochotskische Meer die heilige Heimstatt seiner strategischen U-Boote, und deshalb wird diese Region von vielen Schiffen patrouilliert, und auf den ‚nördlichen Territorien‘ wurden Anti-Schiffs-Raketen aufgestellt.“ So beginnt ein Artikel in der Online-Zeitung „Japan Business Press”. „Aber wenn auf den Inseln nach ihrer Rückgabe japanische und amerikanische Kräfte erscheinen, würde in der russischen Abwehrlinie, die die U-Boote schützt, eine Bresche entstehen.“

    Der Autor dieses Beitrags hat den militärischen Wert der Kurilen-Inseln analysiert, den nach seiner Auffassung „nur wenige begreifen“, und festgestellt, dass die Inseln ein nahezu idealer Ort für die Aufstellung von US-Raketen wären.

    In letzter Zeit ist nach seinen Worten zudem ein neuer militärischer Faktor entstanden, den man keineswegs unterschätzen dürfe: Nordkorea habe inzwischen ballistische Raketen. „Nordkorea hat nur so getan, als hätte es die Verhandlungen mit den USA akzeptiert. Es entwickelt weiterhin Atomwaffen und ballistische Raketen“, zeigte sich der Reporter überzeugt.

    Darüber hinaus schrieb er, dass das US-amerikanische Luftabwehrsystem Aegis Ashore in den Präfekturen Yamaguchi (im Norden der Insel Honshu) und Akita (im Norden des Landes) entfaltet werden sollte, allerdings wären von dort aus Interkontinentalraketen nur schwer abzuschießen, die in Richtung USA abgefeuert werden könnten. Dafür würde sich am besten die Insel Iturup eignen.

    Außerdem könnten die USA durch die Aufstellung ihrer Raketenabwehrsysteme auf den von Japan beanspruchten russischen Inseln den russischen Marinestützpunkt Wladiwostok blockieren und russische Raketenstarts vom Ochotskischen Meer kontrollieren. „Russlands Pazifikflotte ist die zweitstärkste nach der Nordflotte“, stellte der Autor fest.

    Die Stützpunkte der Pazifikflotte liegen zwischen Japan, der Halbinsel Kamtschatka und den Kurilen, und deshalb gibt es neben der Tsugaru- und der Tsushima-Straße nur einen sicheren Weg dorthin, der nie zufriert: die Jekaterina-Straße zwischen Kunaschir und Iturup.

    „Falls Russland alle vier Inseln – oder auch nur drei (außer Iturup) zurückgeben würde, wäre es ziemlich wahrscheinlich, dass Japan und die USA die Jekaterina-Straße blockieren“, heißt in dem Artikel.

    Dabei räumte der Autor ein, dass Moskau die Inseln nicht zurückgeben wolle, weil die Kurilen für Russland viel zu wertvoll gerade unter dem militärischen Aspekt seien. Wenn es die Inseln Kunaschir und Iturup verlieren würde, könnte es den Zugang zum Ochotskischen Meer nicht mehr kontrollieren.

    Skandalöse Publikation, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen

    Dass russische Militärs an den Kurilen-Inseln sehr interessiert sind, steht außer Frage. Kein Wunder also, dass man in Moskau auf den Artikel empört reagierte. Russische Parlamentarier halten ihn für „eine Provokation“ und „ein Signal an Washington, Moskau unter Druck zu setzen, damit Tokio die Kurilen bekommt“. Dadurch könnten nur neue Probleme bei den Verhandlungen zwischen Tokio und Moskau entstehen.

    Manche Experten finden aber, dass der Autor in diesem Artikel lediglich seine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht habe, ohne dass es sich dabei um die offizielle Position der japanischen Führung handele. Und diese Version ist durchaus glaubwürdig.

    Die Online-Zeitung „Japan Business Press” existiert seit 2008 und ist für ihre konservativen Ansichten bekannt. Ihre Beiträge sind oft richtig aufsehenerregend und provokant. So wurden während der Fußball-WM 2018 in Russland Artikel wie „Nach einer Russland-Reise denkst du plötzlich an den Tod“, „Wunder der Gastfreundlichkeit: Sehen die Russen in allen nur Spione?“ usw. veröffentlicht. Später folgten Beiträge wie „Russlands nukleare Hegemonie lässt sich ins Wanken bringen“, „Russland wird den Raub der Krim noch büßen“, „Ein Japaner hat die Rückgabe der Inseln im Traum gesehen – das wäre ein Anlass, sie zurückzuholen“ usw.

    Höfliche Versprechen

    Die Behörden in Tokio bemühen sich um den immer noch ausbleibenden Friedensvertrag mit Russland und betonen immer wieder, dass auf den Kurilen-Inseln im Falle ihrer Rückgabe an Japan US-Militärstützpunkte „nur im Falle der Zustimmung Tokios“ eingerichtet werden könnten.

    Die angesehene japanische Zeitung „Asahi Simbun“ schrieb unter Berufung auf eigene Quellen, dass Premier Abe Kreml-Chef Putin im Herbst 2018 versprochen hätte, keine US-Basen auf den Inseln einrichten zu lassen. In den 1960er-Jahren, als Moskau und Tokio dem Abschluss des Friedensabkommens sehr nahe gewesen waren, hatten gerade diese Befürchtungen der Russen die entscheidende Rolle gespielt – und das Dokument wurde doch nicht unterzeichnet.

    Es wäre so, als ob Washington laut dem Vertrag über Zusammenwirken und Sicherheitsgarantien aus dem Jahr 1960 berechtigt ist, „auf dem gesamten Territorium Japans Stützpunkte einzurichten und zu nutzen und dort eine beliebige Zahl von Waffen zu stationieren“. Allerdings präzisieren japanische Militärs, dass ein Ausbau der US-Kräfte nur mit besonderer Zustimmung Tokios möglich wäre.

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    „Deshalb muss im Friedensabkommen klar und deutlich verankert werden, dass der Vertrag zwischen den USA und Japan nicht gegen die Interessen Russlands eingesetzt werden darf“, sagte der frühere russische Botschafter in Tokio Alexander Panow gegenüber Sputnik. „Die US-Stützpunkte in Japan bleiben nur dort, wo ihre Einrichtung von den Japanern erlaubt wurde. Und falls sich Tokio gegenüber Moskau dazu verpflichtet, muss im Vertrag festgeschrieben werden, dass es auf den Inseln überhaupt keine Truppen geben wird – sie werden zu einer demilitarisierten Zone“, so der hochrangige Diplomat.

    Aber selbst wenn die Amerikaner das tun wollen, würde ihnen das schwer fallen: Für die Administration Donald Trumps spielen die Kosten verschiedener Projekte eine wichtige Rolle. Und auf den Kurilen wären die Kosten immens – es wäre günstiger, die Militärinfrastruktur auf der benachbarten Insel Hokkaido zu unterbringen.

    Allerdings wäre es nur eine Frage der Zeit, wann auf den Kurilen-Inseln im Falle ihrer Überlassung an Japan US-Basen entstehen würden, warnte der Erste Vizepräsident der russischen Akademie für geopolitische Probleme, Konstantin Siwkow. „Das würde definitiv passieren. Die USA könnten dort jederzeit einen Stützpunkt errichten. Aus finanzieller Sicht würden keine Probleme entstehen, denn wenn es um Geopolitik geht, agiert Washington sehr gewissenhaft, weil es ihre Bedeutung versteht. Die Amerikaner haben die Möglichkeiten, dort einen Stützpunkt zu bauen, und zwar ziemlich schnell. Notfalls würde ihnen ein Monat reichen“, so der Experte.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    territorialer Streit, US-Stützpunkt, Hetze, Militärstützpunkte, Abkommen, Territorialstreit, Übergabe, Stationierung, Fußball-WM 2018, Pentagon, Kim Jong-un, Shinzō Abe, Donald Trump, Shinzo Abe, Wladimir Putin, Sowjetunion, Iturup, Fernost, Ochotskisches Meer, Tokio, Kurilen, Japan, UdSSR, Nordkorea, USA, Russland