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21:10 22 Juli 2019
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    NATO-Soldaten in einer Stadt in Kosovo, die während des Bombenangriffs gegen Jugoslawien zerstört wurde (Archiv)

    Erfolgloseste Kosovo-Friedenskonferenz, nach der „humanitäre“ Bombenangriffe begannen

    © AP Photo / Visar Kryeziu
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    Nikola Joksimovic
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    Laut einer offiziellen Version war die Friedenskonferenz 1999 in Rambouillet die letzte Chance für eine friedliche Lösung der verschärften kosovarischen Krise. Allerdings behaupten Augenzeugen und serbische Experten, dass die westlichen Schutzherren des kosovarischen Unabhängigkeits-Projektes von Anfang an ganz andere Pläne hatten.

    Vor 20 Jahren, am 6. Februar 1999, wurden im französischen Schloss Rambouillet unter Schutzherrschaft der internationalen Gemeinschaft Verhandlungen zur Regelung des Kosovo-Konfliktes aufgenommen,  bei denen die Bundesrepublik Jugoslawien und kosovarische Albaner Wege einer friedlichen Konfliktlösung finden sollten. Als Vermittler traten Vertreter der USA, der damalige US-Botschafter in Mazedonien und Sondergesandte im Kosovo, Christopher Robert Hill, der russische Sonderbotschafter Boris Majorski und der österreichische Diplomat Wolfgang Petritsch, der die EU vertrat und 1999 als Botschafter in Belgrad tätig war, auf.

    Die Verhandlungen dauerten 17 Tage, kurz nach ihrem Abschluss – am 24. März 1999 — begann die „humanitäre Intervention“ der Nato in der Bundesrepublik Jugoslawien, mehr bekannt als Bombardierung Jugoslawiens.

    Der Experte für internationale Beziehungen Ex-Diplomat Zoran Milivojevic schilderte gegenüber Sputnik, was bei den Verhandlungen in Rambouillet schief lief, zu denen die Serben mit der großen Hoffnung angereist waren, dass eine Vereinbarung erreichen werden könnte, die eine Nato-Intervention verhindern würde.

    „Allgemein bekannt ist, dass die Verhandlungen in Rambouillet unter Druck der westlichen Kräfte organisiert wurden, die schon damals Projekte aufbauten – eine Art Staatlichkeit für Kosovo, also gewaltsame Trennung des Kosovo von Serbien“, so der Experte.

    Laut dem Experten wurde dieser Druck auf Serbien 1999 im Rahmen eines großangelegten geostrategischen Projekts ausgeübt, deren Augenzeugen wir sind, dessen Bestandteile nicht nur eine ultimative Bestätigung der Unabhängigkeit des Kosovo, sondern auch die Erweiterung der Nato in der Region sind.

    Nicht nur serbische Experten kritisieren die Verhandlungen in Rambouillet und meinen, dass die USA von Anfang an auf Aggression gegenüber der Bundesrepublik Jugoslawien gestimmt gewesen seien.  Ihnen stimmt auch der US-Diplomat und Nobelpreisträger Henry Kissinger zu, der behauptete: „Der Text des Abkommens in Rambouillet, der Belgrad zur Aufnahme von Nato-Truppen auf dem gesamten Territorium Jugoslawiens aufrief, war Provokation, Rechtfertigung für den Beginn der Bombenangriffe“.

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    Laut Milivojevic wurden die Ziele der Konferenz im Pariser Vorort von den Seiten ganz verschieden wahrgenommen. Während das Ziel Serbiens das Erreichen von Vereinbarungen, die eine Lösung der albanischen Frage ermöglichen, war, waren die USA an einem ganz anderen Ausgang der Konferenz interessiert.

    „Sie hatten geostrategische Ziele, die die ‚Bemächtigung‘ der Region und die Gewährleistung der Möglichkeit der eigenen Militärpräsenz auf bestimmten Territorien auf dem Balkan vorsahen. Heute ist das absolut klar“, so der Experte.

    Angesichts des Verhaltens bei den Verhandlungen, wie offen beschützend sich westliche Vertreter zur albanischen Seite verhielten, und was genau Jugoslawien vorgeschlagen wurde, liegt auf der Hand, dass Belgrad nicht darin einwilligen konnte, so der Experte.

    Zudem sei gerade in Rambouillet die Förderung des jetzigen Präsidenten der selbst ausgerufenen Republik zum politischen Anführer begonnen worden.

    Die Verhandlungen selbst und das zur Unterzeichnung vorgelegte Dokument hatten einen ultimativen Charakter. Belgrad musste auf eigene Souveränität und territoriale Integrität verzichten und ein Zerfetzen eines Teils des Landes zulassen. Dem Experten zufolge war die Konferenz in Rambouillet ein Vorzeichen der Aggression gegen Jugoslawien und der gewaltsamen Abtrennung des Kosovo.

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    Im Buch „Weg nach Rambouillet“ (Originaltitel – Put u Rambuje) des Politologen Predrag Simic kann eine konkretere Erklärung dafür gefunden werden, welche Bedingungen des Abkommens genau für Jugoslawien kategorisch unannehmbar  waren – die Durchführung eines Unabhängigkeitsreferendums im Kosovo und die Genehmigung, auf dem eigenen Territorium bewaffnete Nato-Einheiten zu stationieren. Die Rolle der Vereinten Nationen und des UN-Sicherheitsrats bestand unter anderem in der Unterstützung der internationalen Mission, die die Nato selbstständig bilden sollte.

    Jetzt spricht der Premierminister der selbst ausgerufenen Republik, Ramush Haradinaj, von einer neuen internationalen Konferenz zum Kosovo und nennt sie sogar Rambouillet-2. Laut dem Experten würde ein solches Format nur der Bestätigung der kosovarischen Staatlichkeit dienen.

    „Das einzige Ziel des Verhaltens Haradinajs, seiner Plattform und der von ihm geführten Regierung (neben Aufrufen zur Durchführung der Rambouillet-2-Konferenz, geht es um 100 Prozent-Zölle und Versuche der Aneignung der serbischen strategischen Unternehmen im Norden des Kosovo – Anm.d.Red.) ist die Anerkennung des Kosovo durch Serbien, und nichts anderes“, so der serbische Diplomat.

    Die ehemalige Leiterin des Pristina-Teams bei den Verhandlungen mit Belgrad, Edita Tahiri, die fast an allen Verhandlungen zur kosovarischen Frage teilnahm – von Rambouillet bis zu aktuellen Veranstaltungen – übte Kritik am Vorschlag Haradinajs aus. Ihr zufolge besteht kein Bedarf an einer internationalen Konferenz, es würde ausreichen, die USA an das aktuelle Brüsseler Format anzuschließen.

    „Sie macht sich dafür stark, dennoch einen Dialog zu unterstützen, doch das Endziel dieses Dialogs ist auf jeden Fall eine vollständige Anerkennung, weil sich die amerikanische Vision dieser Frage nicht geändert hat“, erklärt Milivojevic die Position Tahiris.

    Milivojevic zufolge sieht jede Position Pristinas zum Format des weiteren Dialogs auf jeden Fall vor, dass Belgrad die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen muss. Tahiri drückt sich einfach etwas freundlicher aus, was Haradinaj direkt und aggressiv ausspricht.

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    Tags:
    Dialog, Anerkennung, Bombenangriffe, Friedenskonferenz, USA, Serbien, Kosovo, Jugoslawien