00:52 16 Juni 2019
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    Cyberangriffe: Milliardengeschäft, Herkunftsländer und die Stigmatisierung Russlands

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    Bulat Khaydarov
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    Cyberangriffe gehören längst zu den größten Herausforderungen für die moderne Informationsgesellschaft. Mainstream-Medien bemühen sich stark darum, den Gedanken zu verbreiten, dass hinter den meisten Attacken Russland stünde. Ein Beitrag von Bulat Khaydarov, Presseattaché der russischen Botschaft in Wien.

    Beschuldigungen, die regelmäßig mit anonymen Verweisen auf „Geheimdienstquellen“ und kaum jemandem bekannte Internet-Plattformen von etablierten Zeitungen und de facto monopolgenießenden TV-Nachrichtendiensten auf das breite Publikum ausgeschüttet werden, bleiben im Nachhinein stets unbestätigt. Verifizierbare technische Daten werden unabhängigen Experten nie vorgelegt.

    Bei diesen wiederkehrenden Medienkampagnen, die selbstverständlich sehr bildhaft illustriert werden (siehe Fotos unten), geht es darum, die öffentliche Aufmerksamkeit auf einzelne Cyberangriff-Alarmmeldungen, die oft von irgendwelchen kleinen IT-Security-Firmen herausgegeben werden, zu konzentrieren. Danach wird der klassischen Vorgehensweise zur Erzeugung eines künstlichen Medienhypes gefolgt, und Russland ist erneut im negativen Licht omnipräsent. Die Aufgabe der antirussischen Propagandamaschinerie, die sich hierzulande mit dem Begriff „Strategische Kommunikation“ schmückt, wird erfüllt. Es entsteht der Eindruck, dass Cyberattacken heutzutage fast ausschließlich aus Russland getätigt werden. Wie sieht aber die Realität aus? Und versucht da nicht jemand, von einer gegensätzlichen Gegebenheit die Menschen abzulenken?

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    Das russische Nationale Koordinationszentrum für Cyber-Vorfälle hat sich die Berichte folgender renommierter IT-Firmen (in absoluter Mehrheit westlicher) und Institutionen zu den Herkunftsländern von Cyberangriffen in den Jahren 2016-2017 angesehen: Symantec (USA), Webproof (USA), Akami Technologies (USA), Arbour Networks (USA), McAfee (USA), Cyren (Israel), NTT Security (Japan), CNCERT/CC (China) und Kaspersky Lab (Russland). Es stellt sich heraus (siehe Tabelle unten), dass die Hauptquellen der weltweit getätigten Cyberangriffe die USA und einige EU-Staaten sind. Eine Tatsache, die in den Mainstream-Medien nie erwähnt, wenn nicht sogar absichtlich verschwiegen wird.

    Dabei wird ausgerechnet Russland  immer öfter zum Ziel von gut organisierten und technisch raffinierten Attacken. Das Staatliche System zur Vorbeugung und Bekämpfung von Cyberangriffen  hat im Jahr 2018 mehr als 4 Milliarden schädliche Aktivitäten gegen russische Informationsnetze registriert. 17.000 davon wurden als besonders gefährlich eingestuft. 2017 waren es noch 2,4 Milliarden und 12.500. Alleine gegen die Informationsinfrastruktur der 2018 stattgefundenen Fussball-WM wurden 25 Millionen schädliche Aktivitäten unternommen. Eine vergleichbare Intensität von Cyberangriffen wurde während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und während der russischen Präsidentenwahl im März 2018 verzeichnet.

    Es wird keinesfalls behauptet, dass es in Russland keine Cyberkriminalität gebe. Unser Land ist ein untrennbarer Teil der globalen Informationsstruktur und leidet unter denselben Problemen wie alle anderen Staaten. Es werden Maßnahmen unternommen, um den negativen Entwicklungen in der IT-Welt entgegenzuwirken. Russland hat die Ausarbeitung, Verbreitung und Verwendung schadenerzeugender Software ab Jänner 2019 gesetzlich als strafbar erklärt (Paragraf 273 des Strafgesetzbuches). Ein solches Verbot gibt es nur in sehr wenigen in der IT-Branche aktiven Ländern. Im Gegenteil sind in vielen Staaten, darunter den USA, Großbritannien und auch einigen anderen EU-Mitgliedern, mehr als 40 große Firmen in dieses Milliarden-Geschäft involviert. Sehr beispielhaft ist in diesem Kontext die Geschichte der 2015 nach einer Serie von Skandalen aufgelösten französischen Firma „Vupen“, die Aufträge für die NSA und andere NATO-Geheimdienste erfüllte. Der CEO von „Vupen“, Chaouki Bekrar, übersiedelte in die USA und gründete das Unternehmen „Zerodium“, das jetzt Software-Schwachstellen für anonyme Auftraggeber erforscht. Eine solche Tätigkeit gleicht laut Expertenmeinungen der Waffenherstellung.

    Bei der 73. UNO-Generalversammlung im September 2018 hat Russland den Vorschlag unterbreitet, internationale Regeln zur „Rüstungskontrolle“ im Internet zu schaffen. Die USA und ihre engsten Verbündeten lehnten die russische Initiative ab.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Cyberangriffe, Hackerangriffe, Vorwürfe, Geheimdienste, Cyberkriminalität, Spionage, Anonymous, Außenministerium Russlands, Westen, Österreich, Deutschland, Russland