Widgets Magazine
15:47 14 Oktober 2019
SNA Radio
    Öl-Tankzüge in Omsk, Russland (Archiv)

    Russland: mindestens noch 20 Jahre größter Öl- und Gasexporteur

    © Sputnik / Alexej Malgawko
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    2593
    Abonnieren

    In den kommenden 20 Jahren wird Russland der größte Öl- und Gasexporteur bleiben – das geht aus einer Prognose des britischen Konzerns BP zu den Perspektiven der Weltwirtschaft hervor. Ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind und warum die Möglichkeiten der USA in der Branche von den wichtigsten Marktakteuren abhängen, lesen Sie in diesem Beitrag.

    Laut BP-Experten wird Russland in 20 Jahren fünf Prozent der globalen Rohstoffnachfrage decken und bis zu 14 Prozent des gesamten Öls und Gases fördern. Die Fördermenge des „schwarzen Goldes“ wird bis dahin auf 12,5 Millionen Barrel pro Tag steigen.

    Im vergangenen Jahr wurde ohnehin ein neuer Rekord aufgestellt: 11,5 Millionen Barrel Öl täglich und 733 Milliarden Kubikmeter Gas im ganzen Jahr. Der Gasexport legte um 9,3 Prozent auf 245 Milliarden Kubikmeter zu.

    Die Konkurrenz zwischen den größten Rohstoffproduzenten wird sich laut der BP-Prognose in den kommenden Jahren verschärfen. Vor allem gelte das für den Gasmarkt. Die USA werden der größte Gasproduzent, doch Russland werde der größte Exporteur bleiben. Nach der Ölförderung werde es dritter sein (nach den USA und Saudi-Arabien). Nach Angaben der US-amerikanischen Energy Information Administration (EIA) haben die Vereinigten Staaten schon im vorigen Jahr die Führung bei der Ölförderung übernommen – im Februar hatten sie mehr Öl pro Tag als Saudi-Arabien und im August mehr als Russland (zum ersten Mal seit 1999) gewonnen. 2019 sollte die Tendenz laut EIA konstant bleiben.

    Allerdings verweisen Branchenkenner darauf, dass es wichtig ist, nicht nur die geförderten Mengen, sondern auch die Einflussnahme auf den Markt zu berücksichtigen. Aktuell wird die Situation auf dem globalen Ölmarkt de facto von den größten Teilnehmern des OPEC+-Deals bestimmt: Russland und Saudi-Arabien. In Übersee wurde die Ölbranche durch die Förderung des Schieferöls quasi revolutioniert, aber wegen des Ölpreiseinsturzes in den letzten Jahren erlebt sie nicht gerade die besten Zeiten. Und erst als Russland, Saudi-Arabien und gut 20 andere Länder eine Beschränkung der Ölförderung vereinbarten, begann die Erholung der amerikanischen Ölindustrie.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Kraft Sibiriens“: Gaslieferungen nach China beginnen früher als geplant – Gazprom<<<

    Es geht um den Preis

    Der OPEC+-Verband beschloss im Dezember eine weitere Beschränkung der Ölförderung, und dadurch sind die Preise relativ hoch geblieben. Die Brent-Sorte kostet wieder etwa 65 Dollar pro Barrel, was für die wichtigsten Produzenten optimal ist. Das ist allerdings viel zu wenig für amerikanische Schieferölförderer – der Preis schwebt an der Rentabilitätsgrenze.

    Wie John Hess, der Leiter des gleichnamigen Schieferölunternehmens, Mitte Januar einräumte, müsste die WTI-Sorte nachhaltig 60 Dollar pro Barrel kosten, damit in die Branche weiter investiert werden könnte.

    Aktuell kostet ein WTI-Barrel 55 Dollar, aber die Situation ist ziemlich instabil. Die OPEC senkte vor kurzem ihre Prognose der Ölnachfrage um 50.000 Barrel pro Tag auf 1,24 Millionen Barrel. Also stehen die Perspektiven des Schieferöls weiterhin in den Sternen.

    Die größten Betreiber von Schieferölprojekten – Centennial Ressource Development, Diamondback Energy und Parsley Energy – haben ihre Ausgaben bereits um 15 Prozent gekappt. Dementsprechend wird auch die Förderung zurückgehen.

    Aber selbst bei der besten Preiskonjunktur ist das Potenzial des Schieferöls ziemlich beschränkt. Laut der Hess-Prognose wäre ein Anstieg um höchstens zehn Prozent möglich, aber die Vorkommen werden sich relativ schnell erschöpfen.

    Flüssiggas eilt zur Hilfe

    Die Situation auf dem Gasmarkt, wo die USA Russland verdrängen wollen, indem sie ihren LNG-Export allmählich ausbauen, ist noch schwieriger. Im vorigen Jahr brauchte Europa 390 Milliarden Kubikmeter Importgas. Die Hälfte davon stellte Russland bereit: 201,7 Milliarden Kubikmeter (ein Rekord).

    Die Amerikaner haben laut Reuters zwischen Oktober 2018 und Januar 2019 ihren Gasexport nach Europa auf 4,45 Milliarden Kubikmeter vervierfacht – und dadurch das Flüssiggas aus Katar auf den dritten Platz verdrängt.

    Allerdings hat Deutschland (die größte Wirtschaft in der ganzen EU) bereits erklärt, dass das US-amerikanische LNG nicht wettbewerbsfähig sei, und zwar, weil es 30 Prozent teurer sei als das russische Pipelinegas. Und in absehbarer Zeit wird sich diese Situation offenbar nicht ändern.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Trittbrett-Imperialismus — Grüne und Atomkonzern gegen Gazprom<<<

    Die Amerikaner räumen selbst ein, dass die Möglichkeiten ihrer LNG-Produzenten auf dem europäischen Markt gering sind. „Russland wird jedenfalls der größte Lieferant in die Alte Welt bleiben“, stellte der Vizepräsident der Firma Cheniere Energy, Andrew Walker, fest: „Der Anteil des russischen Brennstoffs auf dem europäischen Markt wird mindestens bis 2035 wachsen.“

    „Obwohl amerikanisches Flüssiggas nach Europa gekommen ist, hat sich das Kräfteverhältnis kaum geändert. Erstens gab es zu wenig Tankschiffe. Zweitens hat Russland seine Bemühungen um die Heranziehung europäischer Käufer seines Pipelinegases verdoppelt“, unterstrich der US-amerikanische Branchenkenner Neil Cunningham.

    Gleichzeitig festigen russische Unternehmen ihre Positionen auch auf dem asiatischen Markt. Der Handelskrieg gegen die USA hat dazu geführt, dass Peking Importzölle für das LNG aus Amerika verhängt hat. Dadurch eröffneten sich neue Möglichkeiten für den russischen Export in das Reich der Mitte. Und nach der Inbetriebnahme der Pipeline „Kraft Sibiriens“ im Dezember dieses Jahres wird es den Amerikanern wohl nie gelingen, Russland vom chinesischen Energiemarkt zu vertreiben.

    „Russland hat alle Möglichkeiten, billigeres Gas als die Amerikaner zu bieten, egal wo“, stellte Cunningham fest. „Gazprom kann seine Konkurrenz sowohl auf dem europäischen als auch auf dem asiatischen Markt schlagen. Also spielt Moskau Washington auch dort aus“, ergänzte der Experte.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Handelskrieg, Unternehmen, Flüssiggas, Prognose, Preise, Förderung, Beschränkungen, Lieferung, Gas, Öl, OPEC, Saudi-Arabien, USA, Russland