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08:12 15 Oktober 2019
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    Arbeiter im chinesischen Hafen Lianyungang

    Gefahr aus Ostasien: Neue Finanzkrise aus China kann ganze Welt mitreißen

    © REUTERS / Stringer
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    Einer der wichtigsten Gründe für eine neue Rezession könnte der globale Schuldenberg werden. Besonders beunruhigend sind die Schulden von Unternehmen vorwiegend aus den Schwellenländern, vor allem aus China.

    Wenn die Volksrepublik wirtschaftlicher Spitzenreiter wird, könnten die globalen Schulden „explodieren“, und das würde einen Zusammenbruch auslösen, der mit der Finanzkrise 2008 vergleichbar wäre. Davor warnen einige Experten. Wo die immensen Schulden herkommen und warum das „chinesische Szenario“ gefährlich wäre, erzählt RIA Novosti in diesem Beitrag.

    Nahezu kritisch

    Im vergangenen Jahr zählten viele Finanzexperten den Protektionismus im Handel zu den wichtigsten Gefahren für die wirtschaftliche Stabilität – Investoren haben angesichts der gerade tobenden Handelskriege keine Lust auf Risiken. Das würde zur Talfahrt auf den globalen Märkten sowie zur Kapitalflucht und zur Verschärfung der Finanzbedingungen führen. Eine weitere Gefahr, vor der der Internationale Währungsfonds warnt, ist der kaum kontrollierbare Anstieg der globalen Schulden.

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    In den vergangenen zehn Jahren sind sie um 60 Prozent gewachsen – auf 182 Billionen Dollar (ein Rekord, versteht sich). Das Verhältnis der Schulden zum BIP ist von 36 Prozent in den Vorkrisenzeiten auf 52 Prozent gestiegen. Wie IWF-Chefin Christine Lagarde betonte, haben dazu vor allem politische Entscheidungen nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers geführt. Und vor allem gehe es dabei um die Politik der niedrigen Zinsen.

    Zu viele unzuverlässige Kreditnehmer

    Für besonders gefährlich halten Ökonomen die riskanten korporativen Schulden. Laut Oxford Economics sind die globalen privaten Auslandsschulden um etwa 15 Prozent vom globalen BIP gewachsen – mehr als vor der Weltfinanzkrise.

    In den letzten Jahren taten Zentralbanken ihr „Bestes“, um die nationalen Wirtschaften zu unterstützen, und pumpten sie mit billigen Geldern auf. Das Hauptziel war dabei die Senkung der Zinsen auf dem Schuldenmarkt, damit Unternehmen möglichst Kredite nehmen und ihre Arbeit finanzieren können.

    Diese „Geldspritzen“ wurden so umfassend, dass selbst ineffiziente Firmen sich billige Kredite leisten konnten – so genannte „Zombie-Unternehmen“. Sie generieren keine Profite und überleben nur dank immer neuen Krediten (sprich Schulden). Gerade solche Unternehmen gelten als größte Gefahr für den US-amerikanischen Aktienmarkt.

    Und jetzt, wo die Zeiten der niedrigen Zinsen sich ihrem Ende nähern, lässt die Verschärfung der Geld- bzw. Kreditpolitik des Federal Reserve System (US-Notenbank) solchen „Zombies“ keine Chance – neue Kredite werden für sie zu teuer, und alte Schulden können sie damit nicht mehr begleichen.

    Chinesische Risiken

    Aber nicht nur der US-Aktienmarkt und Washingtons enorme Schulden (22 Billionen Dollar) könnten künftig Probleme auslösen. Korporative Schulden wachsen vor allem dank den Schwellenländern – und in erster Linie dank China. Als die Weltwirtschaftskrise 2008 ausbrach, reagierte Peking mit der Vergabe von immer neuen Krediten. 2016 erreichten die korporativen Schulden im Reich der Mitte 160 Prozent vom BIP; alle Schulden zusammen beliefen sich auf 230 Prozent.

    Indem chinesische Konzerne ausländische Unternehmen intensiv „schluckten“, nahmen sie immer neue und neue Kredite. Nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich legten Chinas korporative Schulden im vorigen Jahr um 3,8 Prozentpunkte zu. Zum Vergleich: Die Staatsschulden wuchsen um 0,8 und die Schulden der Privathaushalte um 0,9 Prozentpunkte.

    Chinesische Unternehmen können dank „Schatten-Banking“ immer neue Kredite nehmen. Chinesische Banken finanzieren sehr gerne diverse Brokerfirmen, die als Vermittler zwischen Banken und Geschäftskreisen handeln.

    Seit etwa 2012 transformierte sich der chinesische Kreditmarkt: In den Vordergrund traten Schattenbanken – vor allem Firmen, die Dienste zur Vermögensverwaltung und Treuhandkredite bieten. Dank diesen Kreditmechanismen dürften Anleger mit größeren Renditen rechnen, aber die Risiken sind auch viel größer. Durch diese Schattenbanken geht die Stimulierung des Wirtschaftswachstums dank Krediten, die 2008 bis 2010 begann, de facto immer weiter, stellte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg fest.

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    Aktuell beläuft sich der Schattensektor der chinesischen Kreditbranche auf knapp sieben Billionen Dollar. Und der IWF warnt angesichts dessen: Diese „Blase“ könnte platzen und zum Einsturz der nationalen Wirtschaft führen – und eine neue asiatische Finanzkrise provozieren, was schon 1997 der Fall war.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Wirtschaftskrise, Handelskrieg, Kredite, Finanzblase, Banken, Gefahr, Finanzkrise, US-Notenbank FED, IWF, Christine Lagarde, USA, Ostasien, Asien, China