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08:39 18 August 2019
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    Russlands Atomeisbrecher in der Arktis (Archiv)

    Mit neuem Atomeisbrecher dominiert Russland die Arktis

    © Sputnik / Alexej Filippow
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    Dmitri Lekuch
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    Der Effekt von der Nachricht, die der für die Rüstungsindustrie zuständige russische Vizepremier Juri Borissow neulich bekannt gab, ist in den Arktis-Dimensionen mit dem vergleichbar, den Präsident Wladimir Putins Bericht über Russlands neue „Sarmat“-Raketen hatte.

    Im März wird die russische Regierung offiziell verfügen, ab 2020 den ersten Atomeisbrecher der Lider-Klasse zu bauen. Damit soll die im Fernen Osten des Landes gelegene Werft „Swesda“ beauftragt werden.

    „Wir haben bereits vereinbart, dass (der Ölkonzern) Rosneft für Kreditmittel spätestens am 15. März mit der Finanzierung des Projekts beginnt und somit dem Konstruktionsbüro die Entwicklung des Projekts ermöglicht, damit das neue Schiff rechtzeitig gebaut werden kann“, betonte er.

    Das bedeutet Folgendes:

    Der Eisbrecher LK-120Ja (mit 120 MW starkem Atomantrieb) der Lider-Klasse wird gebaut, um das ganze Jahr über eine störungsfreie Schifffahrt auf der Nordostpassage (dem Nördlichen Seeweg) zu gewährleisten. Dabei wird er dank seiner großen Rumpfbreite Schiffe mit jeder Tonnage hinter sich führen können. Und noch ein paar wichtige Informationen: Der neue Eisbrecher soll in der Lage sein, bis zu vier Meter dickes Eis zu überwinden. Seine Geschwindigkeit wird bei mindestens zwölf Knoten liegen, und seine Ausdauer wird nur durch den Lebensmittelvorrat an Bord begrenzt sein.

    Hinzu kommt, dass die Nutzungsdauer der LK-120Ja mindestens 40 Jahre betragen wird. Später müsste der Eisbrecher repariert und möglicherweise modernisiert werden – um dann noch viele weitere Jahre zu dienen.

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    Im Allgemeinen kann man feststellen, dass Russlands Überlegenheit in der Arktis nicht zu bestreiten ist. Kein einziges Land kann es in den kommenden 15 Jahren aufholen (davon gehen nicht nur russische, sondern auch ausländische Experten aus). Und Moskaus militärische Überlegenheit steht überhaupt außer Frage, unter anderem auch wegen des rein geografischen Faktors (es ist nun einmal so, dass Russland der Arktis am nächsten liegt).

    Die globale wirtschaftliche Stärke der angelsächsischen Zivilisationen stützt sich aktuell nicht nur auf die „Dollar-Herrschaft“. In Wirklichkeit ist Amerika (wie einst auch Großbritannien) so stark, weil es die globalen Handelswege kontrolliert. Der Dollar ist da nur ein „Hilfsinstrument“. Und die Handelswege liegen jetzt vor allem im Weltozean: Es ist ja kein Geheimnis, dass die Güterbeförderung über die Gewässer billiger ist als über das Festland. Die Auto- und Eisenbahnstrecken haben freilich ihre eigenen Vorteile: Schnelligkeit und Zustellungspräzision beispielsweise. Aber in punkto Kosten sind sie deutlich im Rückstand.

    Doch hier sei auf ein interessantes Detail hingewiesen: Gerade deshalb hatten die Amerikaner über russische Experten gelacht, die sich wunderten, warum Washington superteure Flugzeugträger baut, die im Falle eines richtigen „großen Kriegs“ nichts als leicht zu treffende „Zielscheiben“ wären. Die Antwort lautet: Die Amerikaner brauchen Flugzeugträger nicht für einen „großen Krieg“, sondern um die Handelswege weltweit zu kontrollieren. Erwähnenswert ist auch der einstige US-Einsatz in Panama. Dafür gab es keine anderen Gründe außer dem Panama-Kanal.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Bewaffneter Konflikt in der Arktis: Für Washington eine Option?<<<

    Allerdings führt die Nordostpassage entlang der russischen Küste, wo US-Flugzeugträger beim besten Willen nicht aufkreuzen können. Genauer gesagt, das könnten sie schon, aber zu diesem Zweck müssten sie die Russen bitten, ihnen den Lider-Eisbrecher zur Verfügung zu stellen.

    Die geplante Kapazität dieses Seeweges wurde zwar bislang nicht publik gemacht, aber es ist klar, dass sie unter Umständen mit der des Sueskanals vergleichbar wäre: Also könnte Russland dann zwischen sieben und zehn Prozent des globalen Güterverkehrs kontrollieren.

    Besonders wenn man noch die transeurasischen Landverbindungen in Betracht zieht, vor allem das Projekt einer Polarkreiseisenbahn, die die Wasser- und Landverkehrswege miteinander verbinden soll. Für die Amerikaner ist das natürlich eine große Herausforderung. Im Vergleich dazu ist selbst die Pipeline Nord Stream 2 nur ein Kinderspiel: Denn hier geht es um den globalen Handel – den wahren Grund für die wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten.

    Allerdings gibt es da ein Problem: Die Amerikaner können Russland in der Arktis weder militärisch noch politisch noch sogar technologisch etwas gegenüberstellen. Unter anderem haben sie keine Projekte, die mit dem russischen „Lider“-Projekt vergleichbar wären. Und gerade deshalb muss sich Moskau darauf gefasst machen, dass seine Partner (sprich Konkurrenten) ihr „Bestes“ tun werden, um ihm im Hohen Norden Steine in den Weg zu legen.

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    Tags:
    Atomeisbrecher, Dominanz, Entwicklung, Konflikt, Handel, Sarmat, Wladimir Putin, Arktis, Russland