01:47 17 November 2019
SNA Radio
    Das russische Gasverflüssigungsprojekt Yamal LNG (Archivbild)

    Garantie des besten Preises: Russland verdrängt USA vom europäischen LNG-Markt

    © Sputnik / Ewgenij Odinokow
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    241844
    Abonnieren

    Im Februar hat Russland 19 Flüssiggas-Partien zu europäischen Terminals geschickt, berichtete die Agentur Reuters.

    Insgesamt waren es mehr als 1,41 Mio. Tonnen – ein absoluter Rekord. Womit die USA auf die russische Expansion in Europa reagieren können und wer die besseren Karten in diesem Konkurrenzkampf hat – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Außer Konkurrenz

    Indem Europa gezwungen wurde, Flüssiggasterminals zu bauen, erwiesen die Amerikaner Russland einen guten Dienst. Im Februar lieferte der private russische Gas- und Ölproduzent Novatek rekordhohe 1,41 Mio. Tonnen nach Europa, wobei Katar als Hauptversorger Nummer eins verdrängt wurde.

    Dabei verfehlten die USA, die nur neun Flüssiggas-Partien in Höhe von 0,64 Mio. Tonnen nach Europa lieferten, sogar den Sprung in die Top 3 und blieben sogar hinter Algerien und Nigeria zurück.

    Laut Novatek-Finanzdirektor Mark Gyetvay hat die Firma es geschafft, dank eines niedrigen Selbstkostenpreises bei der Produktion zu den wichtigsten Lieferanten auf dem europäischen Flüssiggasmarkt aufzusteigen.  Die Förderung von einer mmBtu (Million British Thermal Unit – Million Britischer Wärmeeinheiten) kostet in Russland zehn Cents, während es in den USA drei Dollar sind. Dieselbe Situation ist auch bei dem Prozess der Verflüssigung zu beobachten – 50 Cent für eine mmBtu gegenüber drei Dollar.

    Im Ergebnis liefert Novatek Flüssiggas zu einem Preis von 3,15 Dollar pro mmBtu nach Europa. Bei den Amerikanern ist es doppelt so teuer: sieben bzw. acht Dollar.

    Im Februar kostete Flüssiggas aus Russland sogar weniger als Rohrgas – der Gazprom-Preis lag bei etwa 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter bzw. 6,4 Dollar pro mmBtu gegenüber 3,15 Dollar bei Novatek.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Weltweit erster arktischer „Alljahres-LNG-Tanker“ in China gebaut – VIDEO<<<

    Allerdings kann Flüssiggas auf lange Sicht nicht mit dem Rohrgas konkurrieren. Die projizierte Kapazität von Yamal LNG liegt bei rund 23 Mrd. Kubikmeter pro Jahr. Mit der Inbetriebnahme der Gasleitung Nord Stream 2 wird die gesamte Liefermenge nach Europa auf etwa 235 Mrd. Kubikmeter pro Jahr steigen.

    Perspektive

    In den kommenden Jahren will Russland seinen Anteil auf den LNG-Märkten ausbauen. Nach Angaben des russischen Energieministers Alexander Nowak soll er 2025 bei 15 Prozent des weltweiten Flüssiggasumfangs liegen.

    Zur Stärkung der Position Russlands auf dem Weltmarkt sollen bis 2025 drei weitere Projekte gestartet werden – „Arctic LNG 2“, „Baltic LNG“ sowie der Ausbau der Flüssiggas-Produktion im Fernen Osten. Die Gesamtkapazität soll bei 41,2 Mio. Tonnen liegen, wie Nowak berichtete.

    Produktion von Röhren für Pipeline Nord Stream 2 im Ural (Archivbild)
    © Sputnik / Sergej Gunejew

    Die gesamte Kapazität der russischen Flüssiggaswerke könnte höher sein. Im vergangenen Jahr sagte der Shell-Chef in Russland, Cederic Cremers, dass sein Unternehmen am Ausbau der Kapazität des sich im Bau befindlichen Werks von zehn auf 13 Millionen Tonnen pro Jahr interessiert sei (Shell beteiligt sich zusammen mit Gazrpom am Bau von „Baltic LNG“).

    Auch Novatek hat große Pläne. Bei der Konferenz IP Week in London kündigte Finanzdirektor Gyetvay an, die Flüssiggasproduktion bis 2030 auf 70 Mio. Tonnen pro Jahr auszubauen (statt den geplanten 50-57 Mio. Tonnen).

    Eines der wichtigsten Projekte zum Erreichen dieses ambitionierten Ziels ist das Werk „Arctic LNG-2“. Nach der Inbetriebnahme wird es an der Erschließung der Gasvorkommen auf der Gydan-Halbinsel teilnehmen. Der Start des ersten Abschnitts ist 2022-2023, der restlichen 2024-2025 geplant.

    Investoren stehen Schlange

    Die Erfolge Russlands bei der Flüssiggasproduktion werden von vielen westlichen Experten anerkannt. So behaupteten Experten der Internationalen Energieagentur im Bericht World Energy Outlook Mitte November, dass Russland bis 2040 einer der größten internationalen Exporteure dieses Kraftstoffs sein wird.

    Hinter den russischen Projekten stehen finanzstarke Geldgeber. Zu den Aktionären der Produktionsstätte „Yamal LNG“ gehören das französische Unternehmen Total (20 Prozent) und die chinesischen CNPC (20 Prozent) und Silk Road Fund (9,9 Prozent).

    >>>Mehr zum Thema: USA importieren weiter Flüssiggas aus Russland<<<

    Beim Projekt „Arctic LNG-2“ sieht die Situation ähnlich aus. Das größte Interesse zeigen Total (es wurde ein Vertrag über die Beteiligung in Höhe von zehn Prozent unterzeichnet) und CNPC. Parallel laufen Verhandlungen über den Erwerb von zehn Prozent des Werkes durch die japanischen Konzerne Mitsubishi und Mitsui. Weitere etwa fünf Milliarden Dollar will Saudi Aramco investieren.

    Während Investoren aus der ganzen Welt um die Anteile am künftigen Unternehmen ringen, wollen die USA dieses Projekt mit weiteren Sanktionen bekämpfen. Allerdings sind Experten der Ansicht, dass Washingtons Anstrengungen ins Leere laufen werden.

    Laut Novatek-Chef Leonid Michelson wird das „Arctic LNG-2“-Projekt mindestens zu 70 bis 80 Prozent mit lokalen Anlagen und Gerät ausgerüstet. Das heißt, dass Washington mit seinen Sanktionen den Bau des Werks nicht verhindern kann, indem es versuchen wird, die ausländischen Lieferungen von Anlagen zu beschränken.

    Ohne Sanktionen scheint das US-Flüssiggas in Europa keine Aussicht auf Abnehmer zu haben. Laut Einschätzungen des analytischen Unternehmens Rystad Energy liegt die Grenze der Rentabilität dieser Lieferungen bei sechs Dollar pro mmBtu.

    Wenn sie große Mengen auf den asiatischen Flüssiggasmarkt liefern können, können sie dank den hohen Gewinnen in Asien das Flüssiggas etwas billiger nach Europa verkaufen.

    „Die USA sind bereit, Spot-Mengen nach Europa zu einem grenznahen Kostenniveau zu liefern, um fünf Dollar pro mmBtu, wenn eine ausreichende Nachfrage in Asien gefunden wird. In diesem Fall wird US-Flüssiggas mit dem russischen Rohrgas konkurrieren können“, so Carlos Torres-Diaz von Rystad Energy.

    Wenn die Amerikaner jedoch mit dem Novatek-Flüssiggas konkurrieren müssen, haben sie keine Chance. Mittlerweile rüsten sich neue Akteure auf den Einstieg in die wichtigsten Flüssiggasmärkte. Sie könnten die US-Unternehmen dort verdrängen.

    „Wir sehen ein sehr großes Potenzial des Projektes von Qatargas im Nord-Feld – das wird eines der ersten Flüssiggasprojekte, der endgültige Investitionsbeschluss soll in diesem Jahr getroffen werden“, so Torres-Diaz. „Ein weiteres Projekt, das näher zum asiatischen Markt ist – Mozambique LNG — hat ebenfalls einen Konkurrenzvorteil im Vergleich zu einigen LNG-Projekten am Golf von Mexiko“, so der Experte.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Preise, Konkurrenzkampf, Flüssiggas, Gaslieferungen, LNG-Terminal, LNG, Jamal-LNG, NOVATEK, Arktis, Europa, Asien, USA, Russland