12:05 23 März 2019
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    Eröffnung der Handelszeiten bei der Börse in Hong Kong (Archivbild)

    Geheime Waffe: China plant Massenausverkauf von US-Anleihen

    © AFP 2018 / Isaac Lawrence
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    Natalja Dembinskaja
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    Peking und Washington könnten bereits am 27. März ihren Handelskrieg beilegen. Trotzdem hat China als größter Kreditgeber der USA mit dem massiven Ausverkauf von US-Staatsanleihen begonnen. Nach Ansicht des Chefs des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock, Larry Fink, wird eine Regelung dieses Konflikts diesen Prozess beschleunigen.

    Warum Peking seine Anlagen in US-Treasuries reduziert und ob das zu einem Massenausverkauf führt – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Alle haben verkauft

    Zum Ende des vergangenen Jahres verfügte die chinesische Zentralbank über US-Staatsanleihen im Wert von 1,12 Billionen Dollar. Das sind 28 Prozent der gesamten US-Staatsschulden, die ausländischen Besitzern gehören.

    Zu den anderen großen Kreditgebern gehören Japan (1,03 Billionen Dollar – 25,7 Prozent), Brasilien (303 Milliarden Dollar – 7,5 Prozent), Irland (280 Milliarden Dollar – 7 Prozent) und Großbritannien (273 Milliarden Dollar – 6,8 Prozent).

    Dabei ist in letzter Zeit eine eindeutige Tendenz zu erkennen, merken Analysten an – die Investitionen in US-Staatsschulden gehen zurück.

    Allein im Juni des vergangenen Jahres sanken die US-Staatsanleihen Japans auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Aus den Top 30 der größten Besitzer von US-Treasuries sind bereits Russland und die Türkei herausgefallen, die von Washington unter Druck gesetzt worden waren. Moskau hat seine US-Staatsanleihen fast vollständig veräußert.

    Zu spät

    Für große Verunsicherung sorgt China. Bereits 2013 verfügte Peking über US-Schuldverschreibungen im Wert von 1,3 Billionen Dollar. Ende 2016 bzw. Anfang 2017 bauten die Chinesen diese Aktiva ab, um das Erstarken des Yuans zu kompensieren, später wurden die Bestände allerdings wiederhergestellt. Im vergangenen Jahr wurde wieder mit dem Ausverkauf begonnen. Damit befreite sich China innerhalb von fünf Jahren von 13,8 Prozent der Treasuries.

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    Der Verkauf von Staatsanleihen ermöglicht Washington die Finanzierung der wachsenden föderalen Ausgaben, die das Wirtschaftswachstum fördern, und die Aufrechterhaltung der niedrigen Zinssätze. Auch China profitiert davon – die Anlagen in Staatsanleihen schwächen den Yuan gegenüber dem Dollar. Im Ergebnis sind chinesische Exportwaren billiger für die Amerikaner als die eigenen.

    Dennoch steigt die finanzielle Abhängigkeit von China, was vor dem Hintergrund der zunehmenden Kontroversen in der letzten Zeit zu erkennen ist. Der Schaden durch den von Washington entfachten Handelskrieg machte Milliarden Dollar aus. Peking warnte bereits mehrmals, dass die US-Staatsschulden verkauft werden müssen, wenn die Stabilität des Yuans weiter gesichert werden soll.

    Washington ist jetzt kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit Peking, doch Analysten sind sich sicher – selbst wenn der Handelsvertrag unterzeichnet wird, wird China im großen Stil weiterhin Treasuries auf den Markt werfen.

    Laut BlackRock-Chef Larry Fink kann das mit dem Abkommen selbst zusammenhängen, das weit weg von einem Ideal sein wird. China häufte US-Schuldverschreibungen unter anderem wegen des Profizits im gegenseitigen Handel an. Wenn Peking auf den Rückgang des Handelsprofizits eingehen sollte, wird es weniger Geld für Anlagen in US-Staatsanleihen ausgeben.

    „China wird den Verkauf der US-Staatsschulden fortsetzen. Für das US-Finanzministerium kann das angesichts des wachsenden Haushaltsdefizits sehr schlimme Folgen haben. Im Ergebnis wird es den Kürzeren ziehen“, so Fink.

    Warum China so viele US-Staatsanleihen braucht

    Die Aufrechterhaltung von konkurrenzfähigen Exportpreisen ist ein wichtiges Element der Wirtschaftsstrategie Chinas. Das wird dank der Aufrechterhaltung des Yuans auf einem Fix-Niveau gegenüber dem Währungskorb erreicht, wo der größte Anteil auf den Dollar entfällt. Wenn der Dollar billiger wird, nutzt Peking die vorhandenen Dollar-Vorräte für den Erwerb von Staatsanleihen. Diese Mittel erwirtschaften die chinesischen Unternehmen aus dem Exportgeschäft. Der Ankauf von Treasuries führt zur wachsenden Nachfrage nach dem Dollar und seinem anschließenden Erstarken.

    China hat somit einen mächtigen Hebel des politischen und wirtschaftlichen Drucks auf Washington. Peking setzt ihn bisweilen ein und droht mit dem Verkauf und Absturz des Marktes der US-Staatsschulden. Wenn die Chinesen diese Drohung wahr machen, werden die Amerikaner mit einem instabilen Dollar-Kurs und einer sich verlangsamenden Wirtschaft zu kämpfen haben.

    „Die Wirtschaft wird dann überall wegen der hohen Zinssätze fiebern, was einen starken Verlangsamungs-Effekt nach sich ziehen wird“, sagte Jeffrey Mills von PNC Financial Services Group.

    Die globale Dollarnachfrage würde dann stark sinken. Der Absturz der US-Währung würde die internationalen Märkte stärker als die Finanzkrise 2008 treffen. Alle würden in diesem Fall in Mitleidenschaft gezogen – auch die chinesische Wirtschaft.

    Deswegen ist das wahrscheinlichste Szenario ein schrittweiser und kontinuierlicher Verkauf der US-Staatsanleihen durch Peking. Doch für Washington ist dies ebenfalls schlecht.

    Analysten der Deutschen Bank zufolge sinkt die Nachfrage nach den US-Staatsschulden, ausländische Zentralbanken verkaufen diese Papiere innerhalb der letzten vier Jahre. Sie warnen: Um eine ständige Nachfrage nach Staatsanleihen zu sichern, sind die jetzigen Zinssätze vielleicht zu niedrig. Ob sie angehoben werden sollen und damit das Wirtschaftswachstum untergraben wird, um das zusätzliche Angebot von Treasuries bei einer niedrigeren Nachfrage zu kompensieren, sei nur eine der Fragen, die von Washington beantwortet werden müssen, so Fink.

    Das Wichtigste, worüber man sich derzeit Gedanken machen sollte, sei folgende Frage: Wer kauft noch US-Staatsanleihen, wenn die Nachfrage permanent zurückgeht?

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Staatsschulden, Staatsanleihen, Verkauf, Yuan, Dollar, Blackrock, US-Finanzministerium, Asien, Irland, Brasilien, Türkei, Japan, Großbritannien, USA, China