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10:15 14 Oktober 2019
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    Russische Erdöl-Förderplattform Priraslomnaja in der Petschorasee (Archivbild)

    Ölexporte: Warum die USA Russland nicht überholen werden

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    In den kommenden fünf Jahren soll sich der internationale Ölmarkt neu aufteilen. Die USA nähern sich der Exportmenge Saudi-Arabiens an, Russland bleibt dahinter – so zumindest lautet die Prognose in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA).

    Analysten zufolge ist die Prognose für die USA zu optimistisch – vieles deutet darauf hin, dass die so genannte „Schiefer-Revolution“ bereits Geschichte ist. Könnte Russland seine Führungsrolle verlieren? Könnte es zu einer zweiten Welle der „Schiefer-Revolution“ kommen? Antworten auf diese Fragen lesen Sie in diesem Artikel.

    Was versprochen wird

    Laut der Prognose der Internationalen Energieagentur werden die USA im Jahr 2021 zum Netto-Ölexporteur Nummer eins aufsteigen und 2024 Russland nach der Exportmenge überholen. Die Führungsrolle beim Angebot auf dem Ölmarkt werde dank einer präzedenzlosen Erhöhung von flüssigen fossilen Brennstoffen erreicht, so Analysten.

    Nach der Fördermenge haben die Amerikaner Saudi-Arabien bereits im März des vergangenen Jahres überholt (9,96 Millionen Barrel pro Tag gegenüber 9,92 Millionen) – erstmals seit mehr als 20 Jahren, berichtete die Agentur zuvor. Im August zogen die USA dank eines explosiven Anstiegs der Fördermenge (auf 11,3 Millionen Barrel pro Tag) auch an Russland (11,2 Millionen) vorbei, was seit 1999 nicht der Fall gewesen war.

    Allerdings setzte sich Russland im September wieder an die Spitze. Wie die IEA jedoch behauptet, könnte der US-Ölindustrie erneut ein Durchbruch gelingen. „Auf die USA werden bis 2024 rund 70 Prozent des Wachstums der industriellen Kapazitäten in der Welt entfallen. Das würde zusätzliche vier Millionen Barrel pro Tag hinzufügen“, so Experten.

    Der größte Antrieb wird die Förderung des Schieferöls sein. „Die zweite Welle der US-amerikanischen Schieferrevolution rückt näher“, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.

    Es gibt Zweifel

    Nach IEA-Einschätzungen kann Russland zum Jahr 2021 die Förderung auf eine Rekordmenge von 11,8 Millionen Barrel pro Tag erhöhen, falls das OPECplus-Abkommen für die zweite Jahreshälfte nicht verlängert wird. Das wird dank der Inbetriebnahme neuer Vorkommen von Rosneft und der Produktion von Gaskondensat auf den Feldern Messojachskoje, Kujumbinskoje und im Rahmen des Novatek-Projekts „Yamal LNG“ geschehen. Danach wird die Förderung sinken – auf 11,6 Millionen Barrel pro Tag zum Jahr 2024. Grund ist der Rückgang der Produktionsmenge in den alten Vorkommen.

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    Analysten von VTB Capital sind zwar mit der Prognose für 2021 einverstanden, weisen jedoch darauf hin, dass danach kein Rückgang, sondern ein Anstieg der Fördermengen zu erwarten sei, wozu alle notwendigen Bedingungen vorhanden seien.

    „Die Tagesrate wird noch ein wenig steigen – auf 11,9 Millionen Barrel pro Tag, vor allem dank der Erschließung der neuen Rosneft-Aktiva (die Felder Tagulskoje, Jurubtscheno-Tachomskoje und Rospan), des Vorkommens Kujumbinskoje (unter Kontrolle von Rosneft und Gazpromneft) und der Erhöhung der Förderung von Tatneft“, so Analysten von VTB Capital.

    Die Experten zweifeln zudem an einer möglichen zweiten Welle der Schiefer-Revolution. „Die USA sind die einzige Region, wo ein bedeutendes Wachstum der Förderung möglich ist. Doch im Laufe von sechs Jahren werden wegen der gestiegenen Nachfrage auch diese Ressourcen vollständig versiegen“, so Experten der Firma BKS. Russland verzeichnete 2018 ein Rekordjahr bei Öl (11,5 Millionen Barrel pro Tag) und Gas (733 Milliarden Kubikmeter). Der Gasexport stieg um 9,3 Prozent auf 245 Milliarden Kubikmeter.

    Russland wird der größte Öl- und Gasexporteur bleiben – davon sind die führenden Akteure des globalen Ölmarkts überzeugt.

    Laut BP-Prognose wird Russland in 20 Jahren fünf Prozent der weltweiten Nachfrage nach primären Energieressourcen sichern und bis zu 14 Prozent Öl und Gas produzieren. Die Ölfördermenge wird in Russland auf 12,5 Millionen Barrel pro Tag steigen.

    Problematisches Schieferöl

    Die Schiefer-Revolution hat dem US-Ölmarkt tatsächlich einen starken Aufschwung verliehen, doch 2014 ging die Förderung stark zurück – der Preissturz ließ zahlreiche Projekte in der Schieferölförderung platzen. Erst nachdem Russland, Saudi-Arabien und zwei Dutzend weitere Länder beschlossen, den Weltmarkt durch die Regelung der eigenen Fördermengen ins Gleichgewicht zu bringen, kletterten die Preise wieder nach oben, und in den USA begann die Wiederbelebung der Branche.

    Derzeit ist die US-Fördermenge mit 11,5 Millionen Barrel pro Tag auf dem gleichen Niveau wie bei Russland – in vielerlei Hinsicht dank des „Fracking-Booms“. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sind solch hohe Zahlen schwer aufrechtzuerhalten – mehr Bohrlöcher sind nötig, was enorme Kosten mit sich bringt. Doch die Fracking-Branche hat kein Geld – seit Oktober fielen die Rohölpreise um knapp 40 Prozent, die Ausgaben müssen gekürzt werden. Zudem kehrten Investoren der Branche den Rücken.

    „Tausende Bohrlöcher der Schiefervorkommen, die in den vergangenen fünf Jahren gebohrt wurden, pumpen weniger Öl und Gas, als den Investoren von ihren Besitzern versprochen wurde“, schreibt „Wall Street Journal“. „Das lässt Zweifel aufkommen – sind die Schieferbohrungen tatsächlich so gewinnbringend und aussichtsreich, woran die USA ihre Hoffnungen auf die Verwandlung in eine Ölsupermacht knüpfen?“

    2018 investierten enttäuschte Anleger etwa halb so viel in die Branche wie 2016. Weil Finanzmittel fehlten, kürzten die Fracking-Firmen ihre Budgets für dieses Jahr – erstmals seit vielen Jahren.

    Experten zufolge geraten die Fracking-Unternehmen in einen Teufelskreis. Die Besonderheit dieser Branche ist die schnelle Ausschöpfung der Bohrlöcher. Kurz nach dem Ende der Bohrungen geht die Förderung rapide zurück.

    Die absolute Abhängigkeit von den Ölpreisen ist eines der Hauptprobleme dieses Marktes. BP-Chef Robert Dudley spricht von einem „Markt ohne Gehirn“, der ausschließlich auf die Preise reagiert.

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    Bei WTI-Ölpreisen um 57 Dollar würde selbst ein unbedeutender Anstieg der Preise für Anleihen ausreichen, damit einige Unternehmen in diesem Jahr ohne Gewinn bleiben. Die Schieferunternehmen geben außerdem zu, dass sie einen Ölpreis brauchen, der nicht niedriger als 60 Dollar ist. Doch selbst bei einer günstigen Preiskonjunktur ist das Potential der Schieferförderung stark begrenzt. Wie der Chef der US-Fracking-Firma Hess, John Hess, vor kurzem sagte, würde das Versiegen der Vorräte dazu führen, dass Schieferöl dem US-Ölmarkt keinen Impuls mehr geben kann.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölexporte, Wachstum, Schieferöl, Ölförderung, Öl, Gas, Fracking, Export, VTB Capital, British Petroleum (BP), Wall Street Journal, IEA, Gazprom Neft, Rosneft, OPEC, Fatih Birol, Robert Dudley, Saudi-Arabien, USA, Russland