11:31 23 März 2019
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    Angela Merkel (i.d.Mitte) bei der wöchentlichen Sitzung der Bundesregierung in Berlin

    Ein Jahr GroKo: Sehr wenig Licht und zu viel Schatten

    © AFP 2019 / John Macdougall
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    Marcel Joppa
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    Happy Birthday, die Neuauflage der GroKo wird ein Jahr alt! Luftballons und Torte wären aber unangebracht, denn die bisherige Arbeit des Bundeskabinetts ist mehr als durchwachsen. Bemerkenswert ist aber, dass wenigstens der kleine Koalitionspartner SPD teilweise abliefert. Die Union wirkt dagegen in weiten Teilen müde, hilflos oder inkompetent.

    Ganze 171 Tage hatte es gedauert, bis die aktuelle Bundesregierung gefunden und das Kabinett Mitte März 2018 vereidigt werden konnte – so lange wie nie zuvor. Doch gilt auch hier der Leitspruch: „Was lange währt, wird endlich gut“? Wohl kaum. Vor allem in den mit Unionspolitikern besetzten Ministerien scheint viel Rat- oder Planlosigkeit zu herrschen.

    Ungleicher können Mentalität, Talent und Können kaum verteilt sein als in Merkels Bundeskabinett. Ebenso unterschiedlich fällt auch das Fazit nach einem Jahr schwarz-rotes Regierungsbündnis aus. Während einige Ministerien im Sprint gestartet sind und ihnen nun die Puste ausgeht, verharren andere weiterhin am Start oder laufen gar in die falsche Richtung. Hier ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Regierungsspitze…

    Angela Merkel (CDU) – Ein zu langer Abschied

    Angela Merkel (CDU) – Ein zu langer Abschied
    © REUTERS / Annegret Hilse

    Ist Frau Merkel eigentlich noch im Amt, oder hat schon „AKK“ übernommen? Zwar ist der Terminkalender der Kanzlerin weiterhin vollgestopft, allerdings wirkt sie zunehmend saft- und kraftlos. Sie widmet sich vorrangig außenpolitischen Themen, doch auch auf dem internationalen Parkett hat Angela Merkel kaum mehr Durchsetzungskraft. Weder beim Brexit noch in der Flüchtlingspolitik präsentiert die Bundeskanzlerin nennenswert Neues.

    Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer läuft Merkel immer mehr den Rang ab: Ob bei der deutsch-französischen Partnerschaft, bei der „AKK“ mit einer Liste deutscher Forderungen auf die Positionen des französischen Präsidenten Macron antwortete, oder beim Thema Migration – beim Flüchtlingsgipfel der CDU, zu dem Kramp-Karrenbauer eingeladen hatte, fehlte Merkel komplett. Wer weiß, ob die Kanzlerin überhaupt bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält.

    Heiko Maas (SPD) – Diplomatie will gelernt sein

    Heiko Maas (SPD) – Diplomatie will gelernt sein
    © REUTERS / Hannibal Hanschke

    Als er die Nachfolge von Sigmar Gabriel als Außenminister antrat, trauten ihm nicht viele das Amt des deutschen Chefdiplomaten zu. Fraglich ist, ob sich das bis heute geändert hat. Nach einem Jahr im Auswärtigen Amt kann Heiko Maas keine spektakulären Erfolge vorweisen. Gegenüber Russland zeigt er einen härteren Kurs als seine beiden Vorgänger, was ihm auch viele Mitglieder der eigenen Partei übel genommen haben.

    Beim Thema Venezuela setzte Maas keine eigenen Akzente: Ganz im Sinne von Trump und Merkel erkannte er sehr schnell Juan Guaidó als Übergangspräsidenten des Landes an. Damit könnte Deutschland sogar das Völkerrecht gebrochen haben, was aktuell geprüft wird. Manch ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amts ist laut Medienberichten der Meinung, Maas führe sein Ministerium zu wenig. Auch seine neuen Initiativen zur Abrüstung fallen bislang nicht auf. Um irgendwann einmal in einem Atemzug mit Außenministern wie Willy Brandt, Walter Scheel oder Hans-Dietrich Genscher genannt zu werden, müsste wahrlich noch viel passieren.

    Horst Seehofer (CSU) – Der Rücktritt vom Rücktritt

    Horst Seehofer (CSU) – Der Rücktritt vom Rücktritt
    © REUTERS / Fabrizio Bensch

    Mit seiner Forderung nach Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze löste er eine Regierungskrise aus. Mit dem Spruch, die Migration sei die „Mutter aller Probleme“, sorgte er für Kopfschütteln selbst in den eigenen politischen Reihen. Sein anfänglicher Rückhalt für Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen sorgte fast für einen Koalitionsbruch. Rückblickend möchte man fast sagen: Wäre es mal so weit gekommen.

    Im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl wirkte Seehofer trotzig, pöbelnd und unbelehrbar. Nicht nur innerhalb der Bundesregierung hatte man das Gefühl, der einstige Ministerpräsident Bayerns wäre ein polternder Oppositionspolitiker. Seitdem er nun den CSU-Vorsitz abgegeben hat, ist es sehr ruhig um ihn geworden. Intern arbeitet er unter anderem am Entzug des Passes für deutsche IS*-Kämpfer, bislang aber ohne erfolgreiches Ergebnis. Er selbst bewertet seine Arbeit nach einem Jahr GroKo als „sehr gut“. Diese Ansicht ist nicht nur gewagt, sie ist wohl eher Wunschdenken.

    Katarina Barley (SPD) – Auf dem Sprung nach Brüssel

    Katarina Barley (SPD) – Auf dem Sprung nach Brüssel
    © AP Photo / Michael Sohn, file

    Anfangs schien die deutsch-britische Juristin tatsächlich eine gute Besetzung für das Amt der Justizministerin zu sein. Fleißig widmete sie sich gleich mehreren Baustellen, unter anderem der Mietpreisbremse und der Stärkung von Mieterrechten. Zuletzt machte Barley im Familienrecht von sich reden: Sie will Väter, die sich nach der Trennung paritätisch mit um das Kind kümmern, mehr fördern. Ebenfalls eine Initiative der Justizministerin: Ein besserer Schutz von Wistleblowern.

    Das Problem: Viele Vorschläge der SPD-Politikerin laufen ins Leere, weil sie von der Union boykottiert werden. Und seitdem Barley als Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten ins Rennen um die Europawahl geschickt wurde, scheint sie zwischen den Stühlen zu hocken: Einerseits hat sie einen verantwortungsvollen Posten in Berlin, andererseits muss sie das EU-Geschäft in Brüssel im Auge behalten. Schon lange ist hinter verschlossenen Türen innerhalb der SPD ein Gerangel um die Nachfolge Barleys als Ministerin entbrannt. Manch einer hätte sie sicher gerne länger in Bundeskabinett gesehen.

    Olaf Scholz (SPD) – Schwarze Null und rote Reformen

    Bundesfinanzminister Olaf Scholz
    © AP Photo / Francisco Seco

    Der einstige Aktentaschenträger von Gerhard Schröder und Franz Müntefering ist bis zum Vizekanzler aufgestiegen, wer hätte das gedacht? Er selbst wahrscheinlich, denn er war immer schon bereit für mehr. Vergleichsweise farblos und mit wenig eigenen Ideen präsentiert sich Scholz nun im Amt des Bundesfinanzministers. Die schwarze Null verteidigte er ebenso wie sein Vorgänger Wolfgang Schäuble. Der Bundeshaushalt wies insgesamt zu wenige SPD-Akzente auf.

    Doch zu seiner Verteidigung: Der Spagat zwischen den Ausgabewünschen der Einzelressorts, den Vorstellungen der eigenen Partei und eigenen Profilierungsmöglichkeiten gelingt Scholz stellenweise ganz gut. Zuletzt erntete er Respekt: Trotz brüllender Kritik der Verteidigungsministerin erhöhte er ihren Etat deutlich weniger als gefordert. Der kühle Hanseat zeichnet sich insgesamt eher als politischer Bastler, weniger als Mann großer Worte aus. Das tut seiner Partei gut. Mit einem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz würde die SPD aber mit großer Sicherheit im Sumpf der Kleinstparteien verschwinden.

    Ursula von der Leyen (CDU) – Pleiten, Pech und Pannen

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Archivbild)
    © REUTERS / Fabrizio Bensch

    Einst hieß es im politischen Berlin: Wer eine gute Figur als Verteidigungsminister macht, hat gute Chancen auf das Kanzleramt. Im Fall von Helmut Schmidt stimmte dies sogar. Heute kann man nur sagen: Welch Glück, dass Ursula von der Leyen aktuell überhaupt keine gute Figur macht. Zwar präsentierte sich die Ministerin stets als engagierte Aufklärerin, wann immer ein Missstand in ihrem Ressort auftauchte. Dumm nur, dass sie für viele Eskapaden selbst verantwortlich war.

    Das Ministerium steckt aktuell mitten in der Berater-Affäre, Milliarden soll ihr Haus für externe Berater ausgegeben haben. Doch trotz der externen Expertise – oder vielleicht gerade deshalb – ist die deutsche Truppe weiterhin ineffizient und heruntergewirtschaftet. Hinzu kommen Debakel um die teure Sanierung der Gorch Fock, oder um rechtsextreme Netzwerke in der Bundeswehr. Innerhalb der NATO trommelt von der Leyen für Aufrüstung und Auslandseinsätze, sie wird sogar als mögliche Nachfolgerin von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gehandelt. Aber wohl nur, wenn sie die nächsten Monate in ihrem Ministeramt durchhält. Das ist bei immer mehr politischem Gegenwind und Rücktrittsforderungen fraglich. 

    Peter Altmaier (CDU) – Stillstand auf leisen Sohlen

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier
    © AP Photo / Michael Sohn

    Da die SPD bei den Koalitionsverhandlungen erfolgreich um das Finanzressort gekämpft hatte, bekam die CDU im Gegenzug das vorher sozialdemokratische Wirtschaftsministerium. An der Spitze fortan: Der Merkel-Vertraute Peter Altmaier. Doch so vollmundig die Union Altmaiers Ministerium in der Öffentlichkeit als Schlüsselressort aufgepustet hat, so sehr scheiterte der Plan als große Luftnummer.

    Altmaier blieb als Wirtschaftsminister blass, lediglich seine Reisen in die USA zur Vermeidung von US-Strafzöllen schienen ambitioniert. Seine Ideen zu einer neuen Wirtschaftspolitik hingegen wirkten abgeschrieben. Die Krönung: Die so wichtige Stelle des Staatssekretärs für Energie blieb mitten in der holprigen Energiewende ganze zehn Monate unbesetzt. In der Klimapolitik bremst er regelmäßig SPD-Umweltministerin Svenja Schulze aus, das ist allerdings ganz im Sinne der Kanzlerin. Mit seinem jüngsten Vorschlag einer Nationalisierung der Industriepolitik hat Altmaier viel Kritik geerntet. Aber immerhin: Nach einem Jahr scheint sich der politikerfahrene Saarländer langsam in Gang zu setzen.

    Franziska Giffey (SPD) – Die Neuköllner Arbeitsbiene

    Franziska Giffey (SPD) – Die Neuköllner Arbeitsbiene
    © REUTERS / Fabrizio Bensch

    Als die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln von der SPD gebeten wurde, künftig als Bundesfamilienministerin zu arbeiten, war sie selbst wohl am überraschesten von dieser Idee. An Kompetenz mangelt es Franziska Giffey aber nicht: Die 40-Jährige zeigt so manchem Polit-Urgestein, wie produktives Arbeiten wirklich geht. Sie hält nicht viel von parteipolitischen Befindlichkeiten oder Vorgaben, sie knöpft sich stattdessen die Themen vor, die viele Menschen tatsächlich bewegen und für die die SPD einst einmal stand.

    Die bürgernahe Giffey brachte das Gute-Kita-Gesetz auf den Weg, kämpfte für das Starke-Familien-Gesetz, das ärmeren Familien finanziell unter die Arme greifen soll. Kein Kind zurückzulassen, so lautet ihr Versprechen und dafür setzt sie sich ein. Nach dem Mordfall von Chemnitz im vergangen Sommer war die gebürtige Ostdeutsche übrigens das erste Mitglied der Bundesregierung, das sich vor Ort blicken ließ und das Gespräch suchte. Giffey ist auch eine heiße Anwärterin auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin, sollte sie dem Ruf ihres Landesverbands folgen. Das wäre allerdings schade, denn aktuell scheint Franziska Giffey eine der wenigen Kabinettsmitglieder zu sein, die wirklich tun, was für das Land wichtig ist: Engagiert ihre Arbeit.

    Jens Spahn (CDU) – In eigener Sache

    Jens Spahn (CDU) – In eigener Sache
    © REUTERS / Fabrizio Bensch

    Wie sagt schon ein Sprichwort: „Wer zu laut und zu oft seinen eigenen Namen kräht, erweckt den Verdacht, auf einem Misthaufen zu stehen.“ Jens Spahn kräht oft und gerne, zu jedem Thema und in fast jedes Mikrophon. Als Gesundheitsminister machte er in seinem eigenen Haus aber bislang keine großen Sprünge. An lautstarken Themenoffensiven mangelt es Spahn eigentlich nicht: Psychotherapeutenausbildung, Studium für Hebammen, Kampf gegen Krebs, Kompromiss zum Werbeverbot für Abtreibungen. Viele Phrasen des CDU-Politikers bleiben aber hohl.

    In Wahrheit sind die meisten Gesetzesinitiativen des Gesundheitsministers kein eigener Erfolg, sondern gehen auf die Bemühungen und auf Vorschläge des Koalitionspartners SPD zurück. So zum Beispiel das Termingesetz für Ärzte, mit dem Patienten in sehr viel kürzerer Zeit einen Termin bei einem Facharzt bekommen sollen. Oder auch die Initiative für mehr Pflegepersonal, die allerdings wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Spahn möchte beruflich gerne hoch hinaus. Bei der Wahl zum CDU-Vorsitz scheiterte er zwar, doch er selbst sieht sich schon als geeigneten Kanzlerkandidaten. Ein professioneller Auftritt auf Facebook und Twitter allein reicht dafür aber nicht.

    Julia Klöckner (CDU) – Tiere, Menschen, Diskussionen

    Julia Klöckner (CDU) – Tiere, Menschen, Diskussionen
    © REUTERS / Thilo Schmuelgen

    Genauso viel Gutes man über Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagen könnte, mindestens genauso viel Unsinniges fällt einem zeitgleich ein. Eigentlich geht es in ihrem Job um den Schutz der Natur, das Tierwohl und die Agrarwende. Doch viel zu oft scheut Klöckner die Diskussion mit der mächtigen Wirtschaft oder der Agrarlobby. Viele ihrer Vorschläge sollen „freiwillig“ von der Industrie umgesetzt werden und das klappt natürlich gar nicht.

    Bestes Beispiel: Zucker, Fett oder Salz in Lebensmitteln. Die Ministerin hofft, die Hersteller würden sich selbst zur Produktion gesünderer Lebensmittel verpflichten. Genauso gut könnte man darauf hoffen, dass McDonalds nur noch vegane Eintöpfe anbietet.  Auch handelt Klöckner immer wieder völlig widersprüchlich. So will sie den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat einschränken, lässt aber zeitgleich neue Präparate zu. Sie will mit einem staatlichen Label das Tierwohl verbessern, erlaubt Ferkelhaltern aber weiter, die Tiere ohne Betäubung zu kastrieren. Und während die Rheinland-Pfälzerin weiter tapfer in jede sich bietende Kamera lächelt, bleibt der Wähler häufig verwirrt und ungläubig zurück. 

    Hubertus Heil (SPD) – Eine gelungene Überraschung

    Hubertus Heil (SPD) – Eine gelungene Überraschung
    © REUTERS / Annegret Hilse

    Eigentlich sollte er gar keinen Ministerposten erhalten, Hubertus Heil rutschte nach der Absage eines Parteigenossen in letzter Minute nach. Nun ist er seit einem Jahr Bundesminister für Arbeit und Soziales, seine Bilanz ist überraschend gut. Ohne viel Aufsehen zu erregen, streitet Heil erfolgreich für soziale Themen. Neben Franziska Giffey verleiht er dabei der SPD wieder einen Hauch von Glaubwürdigkeit.

    Hubertus Heil versucht angestrengt, die vielfach gehasste Agenda 2010 vergessen zu machen, so zum Beispiel mit seinem Vorschlag zur Grundrente, zur Lockerung von Hartz-IV-Regeln und zu einer Erhöhung des Mindestlohns. Der ehemalige SPD-Generalsekretär arbeitet Stück für Stück die im Koalitionsvertrag vereinbarten Projekte ab. Aber auch bei Ideen darüber hinaus wie eben der „Respekt-Rente“ für langjährig versicherte Geringverdiener, gibt sich Heil gegenüber dem Koalitionspartner unnachgiebig. Bleibt abzuwarten, wie lange er das durchhalten kann. Am Ende wird die Union wohl am längeren Hebel sitzen. Aber durch Hubertus Heil bekommt der Wähler eine Ahnung davon, wie sozialdemokratische Politik einst aussah.

    Svenja Schulze (SPD) – Noch nicht im Amt angekommen  

    Svenja Schulze (SPD) – Noch nicht im Amt angekommen
    © AFP 2019 / John Macdougall

    Warum ausgerechnet Svenja Schulze als Ministerin berufen wurde, ist wohl einem innerparteilichen Machtkampf geschuldet: Der große NRW-Landesverband der SPD sollte einfach nicht zu kurz kommen. Denn eigentlich hat Schulze, die nun seit einem Jahr Bundesumweltministerin ist, in dem Ressort keinerlei nennenswerte Erfahrungen gehabt. In NRW war sie Ministerin für Wissenschaft und Forschung. Immerhin, sie ist Mitglied im Naturschutzbund Deutschland. Ob das allein zum Ministerposten befähigt, sei dahingestellt.

    Seit Amtsantritt fällt Schulze seitdem vor allem durch Niederlagen auf.  Zunächst wollte Wirtschaftsminister Altmaier sie aus der Führung der Kohlekommission drängen. Schulze blieb, büßte aber Macht ein. Dann sollte Schulze nach dem Willen der Kanzlerin auf EU-Ebene für geringere CO2-Grenzwerte für PKW kämpfen. Verkehrsminister Scheuer warf ihr schließlich vor, schlecht verhandelt zu haben, als die Grenzwerte doch höher ausfielen. Finanzminister Scholz kassierte außerdem Schulzes Vorschlag, eine Steuer auf den Ausstoß von CO2 zu erheben. Das Fazit: Von den Mechanismen im politischen Berlin hat Schulze noch wenig Ahnung. Vielleicht hätte besser ein anderes Mitglied des deutschen Naturschutzbundes ihr Ministeramt bekommen.

    Andreas Scheuer (CSU) – Eine bayerische Nullnummer

    Andreas Scheuer (CSU) – Eine bayerische Nullnummer
    © REUTERS / Hannibal Hanschke

    Wo fängt man da bloß an? Es ist wirklich schwer, in Verbindung mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ein positives Wort zu verbinden. Moment: Er ist Oldtimer-Fan, das ist eigentlich ganz sympathisch. Als einer der größten Verteidiger der Automobilindustrie ist dieses Hobby aber auch keine große Überraschung. Wann immer es geht, ergreift Andreas Scheuer Partei für die Konzerne, an Gesetzentwürfen seines Ressorts haben die Autobosse gerne mitgeschrieben.

    Der Bayer sprach all jenen den Menschenverstand ab, die sich für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen starkmachen, als auch allen anderen EU-Ländern. Scheuer lobte außerdem ein Gutachten, mit dem rund 100 Lungenexperten die bisherigen Feinstaubgrenzwerte infrage stellten. Später kam heraus: Sie hatten sich verrechnet. Im Streit um Hardwarenachrüstungen von Autos mit industriell gefälschten Abgaswerten wiederholte er wortgleich die Bedenken der Automobilhersteller. Nach seinem Vorgänger Alexander Dobrindt hat auch Andreas Scheuer bewiesen: Einzig die Industrie klatscht bei einem CSU-Verkehrsminister freudig erregt tosenden Beifall.

    Anja Karliczek (CDU) – Von Fettnapf zu Fettnapf

    Anja Karliczek (CDU) – Von Fettnapf zu Fettnapf
    © AP Photo / Michael Sohn

    Anja wer? Ach das ist doch die mit dem „5G an jeder Milchkanne“, oder? Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist eigentlich gelernte Hotel- und Bankkauffrau, in diesem Bereich hätte sie besser bleiben sollen. Denn als für Forschung und Innovationen zuständige Ministerin hätte man genauso gut einen Bibliothekar zum Piloten befördern können. Ihr Mann ist übrigens Pilot. Spaß beiseite: Karliczek beweist auf beeindruckende Art und Weise, dass die Union in vielen Bereichen am Bürger meilenweit vorbeiregiert.

    Schnelles 5G-Internet brauche man nicht an jeder Milchkanne, erklärte Karliczek. In einem Land, dass in Sachen Digitalisierung ein Entwicklungsland ist, eine verheerende Aussage. Die Ministerin findet auch, dass, wenn das Bafög bei Studierenden nicht reicht, diese eben in eine billigere Stadt umziehen sollten. Ihre kompetente Staatssekretärin hat Karliczek im Sommer entlassen, seitdem kommen aus dem Ministerium mit dem viertgrößten Etat keine nennenswerten Ideen mehr. Nebenbei kümmert sich die Rheinland-Pfälzerin um die Umsetzung des milliardenschweren Hochschulpakts, der immerhin ein kleiner Höhepunkt ihrer Karriere werden könnte. Aber würden mehr Ministerposten nach Kompetenz und nicht nach Parteibuch vergeben, Karliczek wäre womöglich leitende Angestellte im Hotel Teutoburger Wald ihrer Eltern geblieben.

    Gerd Müller (CSU) – Irgendwo in Afrika 

    Gerd Müller (CSU) – Irgendwo in Afrika
    © AP Photo / Raad Adayleh

    Entwicklungsminister Gerd Müller ist einer der seltenen führenden CSU-Politiker, die nicht wortgewaltig vor jede Kamera treten und das Blaue vom Himmel versprechen. Das ist nicht selbstverständlich und sehr positiv zu verzeichnen. Seit 2013 ist er zuständig für die deutsche Entwicklungshilfe, als gläubiger Katholik brennt Müller für seinen Job. Das gestehen selbst seine Kritiker ein. Statt wie einige seiner Parteifreunde Flüchtlinge mit Grenzkontrollen verhindern zu wollen, konzentriert sich Müller auf die Fluchtursachen. Sein größtes Projekt: Der Marshallplan für Afrika.

    Der Marshallplan ist mehr ein Wunschzettel als ein echter Pan, dennoch ist Müller einer der wenigen Unionspolitiker, die sich für ihre Sache auch mal mit der Wirtschaft anlegen. So will Müller Unternehmen im Zweifel zwingen, Arbeitsbedingungen und Umweltstandards ihrer Zulieferer im Ausland einzuhalten. Der Schwabe ist sich sicher, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen nicht ausreicht – da ist er klüger als seine Unions-Kollegin Julia Klöckner. Entwicklungsminister Müller hat außerdem den größten Etat in der Geschichte seines Hauses durchgesetzt. Und wenn er nicht gerade mit einer kaputten Regierungsmaschine in Afrika festsitzt, könnte seine Arbeit sogar irgendwann einmal größere Früchte tragen.

    * IS (Islamischer Staat) — Terrororganisation, in Russland verboten

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    Arbeitsministerium Deutschlands, Familienministerium, Bundeswirtschaftsministerium, Heimatministerium, Groko, Bundesverkehrsministerium, Gesundheitsministerium, Bundesministerium des Inneren (BMI), Auswärtiges Amt, Bundesjustizministerium, CDU, CSU, Bundesverteidigungsministerium, Bundesfinanzministerium, CDU/CSU, SPD, Bundesregierung, Bundeswehr, NATO, Svenja Schulze, Hubertus Heil, Jens Spahn, Katarina Barley, Franziska Giffey, Julia Klöckner, Horst Seehofer, Heiko Maas, Andreas Scheuer, Gerd Müller, Peter Altmaier, Olaf Scholz, Ursula von der Leyen, Angela Merkel, NRW, Berlin, Deutschland