11:52 23 März 2019
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    Klimaschutz-Demo in Schweden

    Geht auf die Straße, Kinder!

    © AFP 2019 / Johan NILSSON / TT News Agency
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    Matthias Witte
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    Rund um den Erdball demonstrieren Schüler am heutigen Freitag für den Klimaschutz. Allein in Berlin haben sich mehrere Tausend auf den Weg gemacht. Ein Kommentar.

    Auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn habe ich heute eine Menge Kinder gesehen. Viel mehr als sonst. Sie hatten selbstgemalte Schilder dabei. Ein Mädchen sieht, wie ich mich abmühe, sein auf dem Kopf stehendes Plakat zu entziffern. Sie dreht es, damit ich lesen kann. „Klimaschutz ist unsere Zukunft“ steht drauf. Das Mädchen daneben hält ein Schild mit „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“ nach oben. Beide schauen mich stolz an.

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    Die Schüler sind auf dem Weg zum Invalidenplatz. Dort hat das Klimabündnis „Fridays For Future“ um die Schwedin Greta Thunberg zu einer Protestaktion aufgerufen. 5.000 Kinder werden am heutigen Freitag allein hier in Berlin erwartet. Weltweit gibt es in 120 Ländern mehrere Tausend solcher Aktionen.

    Zurück in der Berliner U-Bahn. Die meisten Kinder stehen in dem vollen Zug. Einige haben einen Sitzplatz ergattert und teilen diesen mit ihren Freunden. Wie alt mögen sie sein? Vielleicht dritte, vierte Klasse, Grundschüler auf jeden Fall. Einige sind aufgeregt, ein paar auch unsicher, was sie erwartet. Schüler gehen schließlich nicht jeden Tag zu einer Demo. Und andere haben sich sicher gefreut, heute nicht zur Schule gehen zu müssen. Aber die Kinder verbreiten gute Laune. Es herrschen Vorfreude, Spannung: Wir machen was, was wir sonst nicht machen. Und viele Leute finden das gut.

    Greta Thunberg wird gesteuert? „Na und?“

    Auf der anderen Seite gibt es aber Leute, die das nicht gut finden. Meist sind das Herren „im besten Alter“ – wie es so schön heißt. Jörg Meuthen etwa oder Hans-Olaf Henkel. Die Ausnahme ist Christian Lindner, der den Klimaschutz in einem Interview den Profis überlassen will. Aber Lindner ist im Kopf ja vielleicht auch schon 60. Ihre Argumente gegen die Klimaproteste: Kinder zum Schwänzen aufrufen, das geht ja gar nicht. Und: Klimaaktivistin Greta ist gerade mal 16, die wird instrumentalisiert und gesteuert.

    Selbst wenn das stimmen sollte, sage ich: Na und? Den alten Herren, die sich so um die Bildung der Jugend im Allgemeinen und um das Wohl eines Teenagers aus Skandinavien im Speziellen sorgen, ist der Klimaschutz wurscht. Sie wollen, dass die Welt so bleibt, wie es ist. Dazu gehören Braunkohle, Atomstrom und das ganze Zeug. Weil das schon immer so war. Passt also. Und wenn es irgendwann nicht mehr passt? Dann kann es den alten, weißen Herren wurscht sein, denn dann leben sie im Zweifel nicht mehr. Außer Christian Lindner…

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    Es ist richtig, dass die Kinder auf die Straße gehen und protestieren – gerade an einem Schultag. Die BVG-Angestellten streiken nicht sonntags, sondern an Werktagen. Damit die Menschen es spüren und damit sich etwas ändert. Greta Thunberg schrieb am Freitag in einem Gastbeitrag im englischen „Guardian“ an die Adresse von Erwachsenen: „Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt.“ Zum Fürchten, das Kind, oder? Gut so! 

    Auch 1991 schwänzten wir Schüler. Statt Mathe zu pauken, demonstrierten wir für Frieden und damit gegen den Beginn des Zweiten Golfkriegs. Vorher mussten wir uns allerdings das Einverständnis der Lehrer holen. Unser Englischlehrer, ein alter Mann mit weißem Haar, sagte: „Ob ich euch die Erlaubnis gebe? Los, raus mit euch, geht auf die Straße gegen den Mist.“ Alte Männer können auch anders…

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    Tags:
    Klimaschutz, Demo, Kinder, Greta Thunberg, Deutschland