18:43 07 Dezember 2019
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    Lenkbare Raketenwaffen, unbemannte Systeme, erhöhte Kampfmöglichkeiten und Milliardeninvestitionen – in den kommenden Jahren wird die US-Marine die neuesten Küstenfregatten bekommen. Aus elektronischer Sicht sollen es beinahe die fortgeschrittensten Schiffe weltweit sein. Allerdings setzt sich teure und computerisierte Technik nicht schnell durch.

    Als problematisch erwiesen sich die Zerstörer der Zumwalt-Klasse, Flugzeugträger der Gerald-R.-Ford-Klasse und die Kampfjets der 5. Generation F-35. Was die US-Rüstungsbranche nun plant – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Wächter der Küste

    Nach Informationen der Webseite für US-Staatsaufträge werden die Seestreitkräfte bereits Ende 2019 einen Entwickler und Hersteller der neuen Fregatten nach dem FFG(X)-Programm auswählen. Der Baubeginn ist für 2020 geplant. Dabei wird besondere Aufmerksamkeit auf die Ausgaben gelegt – ein Serienmodell soll nicht teurer als 950 Mio. Dollar sein. Die neuen Schiffe werden mit einer 57-mm-Artillerieanlage, dem Senkrecht-Start-Raketensystem SM-2 Block IIIC für 32 Raketen, Antischiffsraketen, Anti-U-Boot-Waffen, einem Flugabwehrsystem Aegis, das die Ortung der Ziele und Ausrichtung der Raketen aus einer Entfernung von mehr als 100 Meilen ermöglicht, ausgerüstet. Mehrzweckfregatten des Programms FFG (X) sollen nach dem Plan der US-Admiräle operative Aufgaben und Patrouillen erfüllen sowie Überwasser- und Unterwasserkräfte des Gegners bekämpfen. Außerdem sollen sie die Küste vor Drohnen schützen, Aufklärungseinsätze führen und die Flugzeugträgerverbände unterstützen. Die Fregatten sollen die größeren Zerstörer und Kreuzer von den für sie untypischen Aufgaben im nahen Küstenbereich befreien.

    Teuer und sinnlos

    Das Kommando der US-Seestreitkräfte befasst sich seit Anfang der 2000er-Jahre mit der Schaffung einer Flotte von kleinen und manövrierfähigen Schiffen mit der Bezeichnung Littoral Combat Ship, kurz LCS, als Ersatz für die ausgemusterten Fregatten des Typs USS Oliver Hazard Perry. Bis 2030 sollen knapp 60 neue Fregatten verschiedener Konzepte gebaut werden. Die erste Variante – ein klassisches Schiff mit Tarnkappen-Technologie. Die zweite Variante – ein Trimaran mit einem Schiffskörper aus Aluminium. Die Parameter der beiden Varianten sind ungefähr gleich – eine Wasserverdrängung von rund 3000 Tonnen, eine Besatzung von rund 50 Mann, Start- und Landeplattform für Hubschrauber und Drohnen. Doch mit Inbetriebnahme der ersten Schiffe begannen Experten damit, Kritik an dem Programm zu üben.

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    Erstens sind die Kosten für das Projekt um das 2,5-fache gestiegen. Zweitens sind die Möglichkeiten der Schiffe wegen ihrer eher schwachen Waffen deutlich eingeschränkt – eine Flugabwehranlage SeaRAM, eine 57-mm-Kanone und vier 12,7-mm-Maschinengewehre. Die Geschwindigkeit dieser Schiffe ist zwar beeindruckend – rund 45 Knoten. Allerdings kann man kaum einem ernsthaften Gegner damit Widerstand leisten und einem Torpedo  bzw. einer Rakete ausweichen. Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte der neuen Schiffe nach den ersten Einsätzen in die Wartung gingen. Probleme entstanden auch bei der Wartung der Trimarane, die wegen der Besonderheiten ihrer Konstruktion ein Trockendock brauchen.

    Die Fregatten sind nicht gerade zuverlässig. So musste das Flaggschiff USS Freedom innerhalb von drei Dienstjahren 640 Mal repariert werden. Zudem erwies sich das Schiff als fragil – nach Fahrten mit hoher Geschwindigkeit entstanden zahlreiche Risse am Schiffsrumpf. Bei einer anderen Fregatte – USS Milwaukee —  ging beim ersten Einsatz das Triebwerk außer Betrieb. Bei der USS Coronado geriet das Triebwerk während der Prüffahrten in Brand. Zudem erwies sich das Modulschema der Fregatten, bei dem die Gefechtsblöcke je nach Aufgabe ausgetauscht werden können, als nicht effektiv. Eine solche Lösung erschwert die Konstruktion und verringert die Festigkeit des Schiffsrumpfes. Zudem ist es nicht so einfach, einen Block durch einen anderen zu ersetzen – dieses Verfahren ist ziemlich arbeitsaufwendig; das Schiff muss zeitweilig aus dem Kampfdienst genommen werden. Im Ergebnis wurde das Programm fast um 50 Prozent gekürzt – jetzt soll die Kriegsflotte nur 32 Fregatten bekommen.

    Bereits früher Probleme

    Die USA haben nicht zum ersten Mal Probleme bei der Umsetzung kostspieliger und fortgeschrittener Projekte für das Militär. Man erinnere sich nur an den Zerstörer Zumwalt. Geplant war das universellste und größte Schiff in dieser Klasse. Diese Tarnkappenschiffe wurden nach den modernsten Technologien gebaut und sind sehr teuer, selbst nach US-Maßstäben – fast 4,5 Mrd. Dollar pro Schiff.

    Die Besonderheit dieses Zerstörers ist das Triebwerk, das auf elektrischer Schubkraft basiert. Die meisten Systeme sind automatisiert – ein riesiges Schiff mit einer Wasserverdrängung von 15.000 Tonnen wird von nur 140 Menschen gesteuert. Doch bereits beim ersten Einsatz wurde die „Zumwalt“ im Golf von Panama außer Betrieb gesetzt – Meerwasser war in die Triebwerke gelangt. Die US-Kriegsflotte bestellte zunächst 32 dieser Zerstörer, wird nun aber nur drei bekommen.

    Ein weiteres Beispiel einer ziemlich umstrittenen Entwicklung – die U-Boote Seawolf, die als Antwort auf die sowjetischen Atom-U-Boote des Projekts 971 Schtschuka-B entwickelt wurden. Sie unterscheiden sich von den meisten U-Booten durch den Wasserstrahlantrieb, mit dem die Höchstgeschwindigkeit erhöht und der Lärmpegel gesenkt werden konnten. Doch diese U-Boote kosteten nicht weniger als drei Mrd. Dollar. Ein Dutzend dieser U-Boote wäre für die USA zu teuer, weshalb man auf das Projekt verzichtete und nur drei U-Boote baute.

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    Auf den ersten Blick scheint auch das Programm zur Entwicklung der Tarnkappenbomber B-2 Spirit unvernünftig zu sein. Die Herstellung der teuersten Flugzeuge der Welt – zwei Mrd. Dollar pro Stück – begann 1989. Im Laufe von zehn Jahren wurden nur 21 der 132 geplanten Flugzeuge gebaut. Die Amerikaner setzten das Flugzeug in Jugoslawien, im Irak und Libyen ein. Bereits zum Jahr 2030 sollen alle B-2-Flugzeuge wegen ihrer unverhältnismäßig teuren Produktion und Wartung ausgemustert werden.

    Ein weiteres problematisches Erzeugnis ist der Kampfjet F-35 der 5. Generation. Beginnend mit ersten Entwicklungen explodierten die Kosten und liegen bereits bei mehr als eine Billion Dollar. Dabei sind regelmäßige Pannen bereits zur Gewohnheit geworden. Bei den F-35-Jets kommt es regelmäßig zu Pannen mit dem Triebwerk, der Elektronik und Software. Vizeadmiral Mat Winter sagte, dass nur die Hälfte der fast 300 Kampfjets, die an die US-Luftstreitkräfte und die US-Verbündeten geliefert worden seien, in einem angemessenen Zustand und kampfbereit sei.

    Zudem stellen Experten Fragen nach der Effizienz der Kampfjets und ihrer „Unsichtbarkeit“ – in der Tat erwies sich der Kampfjet nicht so unauffällig, wie der Hersteller angekündigt hatte. Allerdings verkaufen die Amerikaner die F-35-Jets erfolgreich an ihre Partner weltweit, ohne die Mängel zu verheimlichen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Projekt, Kosten, Entwicklung, Rakete, Waffen, Küste, Sicherheit, USS Zumwalt, F-35, USA