22:52 19 April 2019
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    Der Kanadier Jordan Peterson

    Der „böse“ Professor: Warum Liberale diesen Intellektuellen hassen

    CC BY-SA 2.0 / Gage Skidmore / Wikimedia Commons
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    Tamta Agumava
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    Ein Rockstar gegen die politische Korrektheit. Der meistgehasste Intellektuelle des Westens. Der Kanadier Jordan Peterson macht zurzeit von sich reden. Sein Bestseller „12 Rules For Life“ wurde nach dem Moscheen-Anschlag in Neuseeland zeitweilig aus Buchläden verbannt. Warum ist ein Psychologieprofessor Medien wie Politikern gefährlich geworden?

    Viele beten ihn an, anderen ist er ein Dorn im Auge. Peterson ist in Deutschland vielleicht nicht so bekannt wie in den USA oder in seinem Heimatland Kanada. Doch Leitmedien wie Spiegel oder Zeit haben mehrfach über ihn geschrieben. Der Ton dieser Artikel ist fast immer gleich: Die Thesen des Kanadiers werden meist als Verschwörungstheorien präsentiert oder er selbst wird als Wegbereiter der Rechten in Amerika dargestellt. Peterson weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

    Wie hat es ein klinischer Psychologe geschafft, die liberalen Medien gegen sich aufzubringen und zu einem der einflussreichsten Intellektuellen des Westens aufzusteigen?

    Protest gegen Transgender-Pronomen

    Das mag vor allem daran liegen, dass Peterson „politisch unkorrekt“ ist und das auch stolz verkündet. Seine Berühmtheit erlangte der Kanadier vor allem wegen seiner Weigerung, spezielle Pronomen wie „ze und hir“ für Transsexuelle zu benutzen, nachdem dies von der kanadischen Regierung im Jahr 2017 gesetzlich vorgeschrieben wurde.

    Fliege in den Farben der LGBT-Gemeinschaft (Archiv)
    © AFP 2019 / Axel Heimken / dpa
    Der Psychologieprofessor stellt dabei klar, er habe nichts gegen Transsexuelle oder diese Pronomen schlechthin, sondern er lehne die Regulierung der Sprache durch die Regierung strikt ab. Niemand könne ihn verpflichten, etwas zu sagen oder nicht zu sagen. Es gehe um eine Verletzung der Redefreiheit und sei ein Schritt hin zum Totalitarismus.

    Mit dieser Haltung hat sich Peterson unter seinen Gegnern schnell den Ruf eines Transphoben eingehandelt. Das Argument, dass er nicht gegen Transsexuelle, sondern gegen die Regulierung der Sprache durch Politiker protestiert, zieht bei ihnen offenbar nicht.

    Toxische Männlichkeit

    Besonders ist Peterson unter jungen Männern beliebt. Der Westen habe seinen Glauben an die Männlichkeit verloren, meint er. Dieser Begriff werde irrtümlicherweise mit repressivem Patriarchat und Unterdrückung von Frauen gleichgesetzt – ein gefährlicher Fehlschluss, warnt der Professor.

    Peterson ruft junge Männer auf, die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. „Steh aufrecht und lass die Schultern nicht hängen!“, sagt er ihnen. Genau diese Botschaft fehle ihnen in der heutigen Welt. Die Fähigkeit, sich durchzusetzen, sei kein Ausdruck von „toxischer Männlichkeit“ und „Machismo“, wie das heute oft dargestellt werde.

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    Man müsse sein inneres Monster entwickeln. Ein ungewöhnlicher und vielleicht auch gefährlicher Rat, der vielerlei verstanden werden kann. Der Kanadier besteht aber darauf und erläutert: Er lehne die Idee ab, dass Menschen „harmlos“ sein sollten.

    Wenn du harmlos bist, dann bist du nicht tugendhaft, meint Peterson. Dann bist du wie ein Kaninchen. „Wenn du ein Monster bist, nicht aber wie ein Monster handelst, dann bist du tugendhaft“, sagt Peterson.

    Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen, heißt es in der Bibel. Doch der Psychologieprofessor hält diesen Satz für eine falsche Übersetzung aus dem Griechischen. In Wirklichkeit laute der Satz, so Peterson: „Diejenigen, die eine Waffe besitzen und sie einsetzen können, sie aber nicht aus der Scheide ziehen, werden die Erde besitzen.“

    Feministinnen und Fifty Shades of Grey

    Warum beschweren sich radikale Feministinnen niemals über Saudi-Arabien, wo Frauenrechte mit Füßen getreten werden, fragt Peterson in seinen Vorträgen. Und liefert gleich eine fast haarsträubende Antwort: Es könnte daran liegen, dass sie sich möglicherweise zu muslimischen Männern hingezogen fühlen, weil sie sich unbewusst nach brutaler männlicher Dominanz sehnten.

    Eine Behauptung, die für viele moderne Frauen schockierend klingt. Doch Peterson besteht darauf: Wie sei es denn zu erklären, dass in einer Welt, wo totale Gleichstellung von Mann und Frau verlangt werde, „Fifty Shades of Grey“ – die Geschichte einer Jungfrau und eines dominanten Mannes – nach dem letzten Harry-Potter-Buch zu dem am schnellsten verkauften Buch der Geschichte wurde?  Diese Tatsache sage viel über das Unterbewusstsein von diesen Feministinnen aus, meint Peterson.

    Frauen in Führungspositionen

    Mit vielen seiner Äußerungen hat sich Peterson unter Feministinnen sehr unbeliebt gemacht. Auf die häufig wiederholte Frage, warum es so wenige Frauen in Führungspositionen gebe, hat er eine Antwort: Weil sie das meist selbst nicht wollen. Das Patriarchat habe damit nichts zu tun.

    Zu diesem Schluss sei er bei seiner Arbeit mit erfolgreichen Anwältinnen gekommen. Frauen ab 30 Jahren kündigen laut Peterson ihre gut bezahlten Jobs in angesehenen Anwaltskanzleien, weil die Auslastung von 70 Stunden pro Woche einfach zu viel sei und sie an die Familie denken müssten.

    Ferner argumentiert Peterson, Frauen mit Kindern seien später im Leben glücklicher als die mit einer erfolgreichen Karriere. Viele seiner Patientinnen hätten zugegeben, dass sie ihre Entscheidung, keine Kinder zu haben, später bereut hätten.

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    Dies soll aber nicht als ein Appell an Frauen verstanden werden, zu Hause zu bleiben und sich nur um ihren Nachwuchs zu kümmern. Es sei aber ein Zeichen einer pathologischen Gesellschaft, so Peterson, dass sich Frauen für ihren natürlichen Wunsch, Kinder zu bekommen, oft schämen müssten.

    Peterson gegen Justin Trudeau

    Als „Wiesel“ hat Peterson den kanadischen Regierungschef in einem Interview bezeichnet. Justin Trudeau habe seinen hohen Posten allein seinem Familiennamen zu verdanken  (sein Vater Pierre Trudeau war der 15. Premierminister Kanadas).

    Der Psychologieprofessor hat für Trudeau wenig übrig, soviel steht fest. Peterson sieht den kanadischen Premier als jemanden, der zu eigenständigem Denken nicht fähig ist. Sein ganzer Denkprozess verlaufe auf „ideologischen Schienen“.

    Trudeau hatte nach seiner Wahl zum Regierungschef im Jahr 2015 sein Ministerkabinett zu 50 Prozent mit Frauen besetzt. Eine durchaus lobenswerte Entscheidung? Nein, sagt Peterson.

    Der kanadische Premier habe sich bloß als tugendhafter Verfechter von Frauenrechten präsentieren wollen: Er hätte die Kandidaten nach ihrer Kompetenz aussuchen sollen, kritisiert Peterson. Ungeachtet ihrer Geschlechtsorgane.  

    Seine Ausführungen könnten mit Blick auf das vor einigen Monaten verabschiedete Parité-Gesetz in Brandenburg, das alle Parteien verpflichtet, für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus genauso viele Frauen wie Männer aufzustellen, besonders interessant sein. Die Grünen in Hamburg wollen nun das Gleiche durchsetzen. 

    Angst vor Totalitarismus

    Peterson, der sich in seiner Arbeit nach eigenen Angaben jahrelang mit Totalitarismus beschäftigt hat, warnt davor, dass die „Radikalisierung der Linken“ in Amerika letztendlich zu diesem politischen System führen kann.

    Ist die Gefahr, vor der Peterson warnt, echt oder kämpft er da etwa mit Windmühlen? Es sei dem Leser überlassen, darüber zu urteilen. Fest steht, dass Peterson als einflussreicher Denker gilt und wahrscheinlich noch lange im Fokus der Medien stehen wird.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Liberale, Feminismus, Vorwurf, Transgender, Protest, Totalitarismus, Jordan Peterson, Justin Trudeau, Kanada, USA