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10:26 24 Juli 2019
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    LNG-Fabrik in Russland (Archiv)

    Nicht nur Nord Stream: Russland liefert mehr Flüssiggas nach Europa als die USA

    © Sputnik / Ekaterina Schtukina
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    Dmitri Lekuch
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    Sehr interessante statistische Angaben hat der Internationale Verband der LNG-Exporteure (GIIGNL) am Montag veröffentlicht. Es handelt sich dabei um keine geheimen Informationen – sie wurden nur in einem einheitlichen Dokument zusammengefasst und bieten genügend Stoff zum Nachdenken.

    Unter anderem ist nicht zu übersehen, dass Asien der aussichtsreichste LNG-Markt ist und bleibt (etwa 76 Prozent des gesamten Flüssiggases werden in diese Region geliefert). Und der asiatische Markt für Flüssiggas wächst weiter: Seit dem vergangenen Jahr gehört auch Bangladesch zu den LNG-Importeuren. Aber die größten Käufer von Flüssiggas bleiben China und Südkorea. LNG wird von insgesamt 42 Ländern importiert und nur von 20 exportiert. Russland hat sich in letzter Zeit als wichtiger Teilnehmer dieses Marktes etabliert.

    Laut dem GIIGNL-Bericht hat der globale LNG-Import im vergangenen Jahr um 8,3 Prozent auf 314 Millionen Tonnen zugelegt. Der größte Zuwachs wurde durch den Brennstoff aus den USA, Australien und Russland gesichert: Russland hat von seinen Gasfeldern auf der Halbinsel Jamal (Projekt Yamal SPG) und auf der Insel Sachalin (Projekt Sakhalin-2) 18,4 Millionen Tonnen Flüssiggas exportiert, was für einen Marktneuling gar nicht so schlecht ist. Jedenfalls liegen die Amerikaner mit 20,7 Millionen Tonnen nur unwesentlich in Führung. Dabei wachsen die russischen Kapazitäten bei der Gasverflüssigung sehr intensiv.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Garantie des besten Preises: Russland verdrängt USA vom europäischen LNG-Markt<<<

    Aber besonders interessant ist die Situation in Europa, dessen Markt Washington zu seinen Prioritäten zählt.

    Hier die GIIGNL-Statistik:

    Der reine LNG-Import aus Russland belief sich in Europa im vergangenen Jahr auf 4,4 Millionen Tonnen, während die USA in die Alte Welt nur 2,7 Millionen Tonnen geliefert haben. Und wenn man diese Zahlen mit dem gesamten reinen Flüssiggasimport der Europäer vergleicht, kann man sich leicht davon überzeugen, dass der Erfolg der relativ jungen russischen LNG-Branche, die den globalen Markt erst erobert, sehr beeindruckend ist. Die Russen kontrollieren schon jetzt etwa zehn Prozent des europäischen LNG-Marktes.

    Markant ist auch die Geografie der LNG-Geschäfte der Europäer: Besonders viel Flüssiggas importiert Spanien: 10,8 Millionen Tonnen. Dabei hat Madrid im letzten Jahr seinen Import um fast anderthalb Millionen Tonnen wegen des zugenommenen Pipelinegas-Imports aus Nordafrika reduziert. Ihm folgt die Türkei mit 8,3 Millionen Tonnen, die aber auch in absehbarer Zeit den Flüssiggasimport kürzen wird (wenn die Pipeline Turkish Stream fertig gebaut wird, und hinzu kommt auch das TANAP-Rohr). Zu den größten LNG-Importeuren gehören auch Frankreich (7,8 Millionen Tonnen) und Italien (etwa sechs Millionen Tonnen).

    Aber noch interessanter ist etwas anderes: Am meisten haben die Niederlande und Belgien ihren LNG-Import aufgestockt (plus 1,4 Millionen beziehungsweise eine Million Tonnen). Das lässt sich natürlich vor allem auf die geschrumpfte Gasförderung in Groningen zurückführen.

    Zwar werden die Ressourcen dieses riesigen Gasfeldes auf 2,7 Billionen Kubikmeter Gas geschätzt, und es werden dort immer noch mehr als 300 Bohrlöcher betrieben. Aber es gibt ein Problem: Seit 1994 wurden in diesem Gebiet etwa 900 Erdbeben registriert, die nachgewiesen durch die Gasförderung provoziert wurden. Sollte es auch weiterhin ausgebeutet werden, würde es zu immer neuen Erdbeben kommen. Angesichts dessen wurde die Förderung in Groningen auf 24 Milliarden Kubikmeter pro Jahr beschränkt.

    Warum das so wichtig ist? Weil sich dadurch die energetische Landkarte Europas verändert. Und Russland ist inzwischen am Ausbau seines Pipelinegasexports in das Abendland im Grunde nicht mehr so interessiert – wenigstens weil der LNG-Export ganz banal lukrativer als der Pipelinegas-Export ist.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: US-Flüssiggas für EU überflüssig? – Russische Zeitung<<<

    Wenn man den Umfang des gesamten Gasexports Russlands (Pipeline- plus Flüssiggas) in die EU-Länder berechnet, kann man leicht feststellen, dass Moskau schon jetzt genug Brennstoff hat, um die so genannten langfristigen „strategischen“ Verträge (auch die rein politisch bedingten Verträge mit Deutschland, Österreich und anderen „traditionellen Abnehmern“) zu erfüllen.

    Und was den bedingten „Spot-Gasmarkt“ angeht, so ist man in der „gesegneten“ LNG-Welt herzlich willkommen!

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    Tags:
    Südkorea, China, Turkish Stream, Nord Stream 2, Flüssiggas, Markt, LNG, USA, Russland