Widgets Magazine
18:19 14 Oktober 2019
SNA Radio
    Ex-Trump-Berater Steve Bannon (Archiv)

    Ex-Trump-Berater Bannon: Müssen den Westen zusammenschließen, inklusive Russland

    © REUTERS / JOSHUA ROBERTS
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    4518920
    Abonnieren

    Nach skandalösen Äußerungen, dass US-Präsident Donald Trump nach dem entlastenden Abschlussbericht zur angeblichen Russland-Affäre nun einen Rachefeldzug gegen seine Kritiker startet, hat der Chefideologe des Trump-Teams Steve Bannon mit einer weiteren Erklärung zu den Zielen und Aufgaben der aktuellen US-Politik für Aufsehen gesorgt.

    Die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte am 26. März Zitate aus einer Rede Bannons. „Letzten Endes müssen wir den jüdisch-christlichen Westen, dessen Teil Russland ist, vereinigen, das wird nun sehr viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen“, sagte er.

    In diesem Kontext sollte man sich zwei Fragen stellen. Erstens: Wozu braucht er Russland? Zweitens: Warum dauert der Prozess, den er als notwendig und wünschenswert bezeichnet, mehrere Jahrzehnte? Man kann dazu noch eine dritte Frage stellen: Warum beschloss der einflussreichste US-Politstratege, dies gerade jetzt öffentlich zu äußern?

    Die Antwort auf die Frage bezüglich des Zeitpunktes ist einfach: Russiagate – die Verschwörungstheorie, laut der Trump zum Präsidenten wegen seiner Kooperation mit Russland und dessen Einmischung in die Wahlen wurde, wurde ins Reich der Fabel verwiesen, weil die Ermittlungen Muellers ergebnislos endeten. Es war gerade das „Russiagate“, das einen großen Teil der Amtszeit Trumps vergiftete und Bannon an der Umsetzung seiner Pläne zur Normalisierung der russisch-amerikanischen Beziehungen hinderte. Es muss hervorgehoben werden, dass die These über die torpedierten Pläne Bannons nicht spekulativ ist, weil er sich selbst darüber beklagte, dass die Hysterie um eine angebliche Verschwörung zwischen Trump und dem Kreml die bilateralen Beziehungen vergiftete und die Bemühungen zum Zusammenschluss des Westens ruinierte, die ihm zufolge für die Zukunft der USA sehr wichtig sind.

    Man möchte in der Position Bannons eine reichende Hand und eine Art Anerkennung sehen, dass Russland ein integrierter Teil der westlichen Welt ist, mit dem man eine Vereinbarung suchen sollte statt es zu dämonisieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in Russland viele finden, die so sehr ein gleichberechtigtes Zusammenwirken mit Washington anstreben, um an eine solche Deutung zu glauben. Allerdings sollte man etwas zurückblicken, damit jede Illusionen bezüglich der Frage verschwinden, wie Russland selbst von dem am wenigsten russlandfeindlichen Teil des Washingtoner Establishments wahrgenommen wird. Schauen wir einmal, was Bannon über Russland 2014 auf der Konferenz des einflussreichen konservativen europäischen NGO Human Dignity Institute sagte, lange bevor er zum Chefideologen des Wahlkampfteams von Trump aufstieg.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Ohne russische Spur: EU-Skeptiker siegen überraschend in den Niederlanden<<<

    „Wissen Sie, Putin war eine ziemlich interessante Figur. Er ist auch sehr, sehr, sehr klug. Ich sehe das in den Vereinigten Staaten, wo er sich sehr beharrlich an die sozialen Konservativen via eine Botschaft über traditionellere Werte wendet, weshalb ich der Ansicht bin, dass wir in diesem Sinne aufpassen sollten. Denn letzten Endes denke ich, dass Putin und seine Erfüllungsgehilfen in der Tat eine Kleptokratie, eine wahre imperialistische Macht sind, die sich erweitern will. Allerdings glaube ich tatsächlich daran, dass man unter den jetzigen Bedingungen, wenn man mit einem potentiellen neuen Kalifat, das sehr aggressiv ist, konfrontiert wird (ich sage nicht, dass wir Russland in den Hintergrund schieben sollen), dass wir in erster Linie wichtigere Sachen erledigen müssen“, sagte er.

    Im Weltbild Bannons ist Russland eine imperialistische Kleptokratie, die sich erweitern will, und die potentiellen Sympathien der amerikanischen „Sozialkonservativen“ zu den Messages Putins sind ein Anlass, um aufzupassen. 2014 sagte der damalige Trump-Stratege unmittelbar, dass man mit Russland alles später, nach der Lösung von wichtigeren Problemen beginnen solle.

    Warum sagt nun Bannon, dass Russland für den Zusammenschluss des Westens notwendig sei? Wozu sollte man versuchen, die Beziehungen mit einem Land aufzubauen, das er als imperialistische und kleptokratische Macht beschreibt?

    Man will daran glauben, dass die Wahrnehmung von Russland sich änderte, doch das ist unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Chefstratege Trumps versteht, dass die USA viel wichtigere Probleme als Schwierigkeiten mit Russland haben, die nur via Normalisierung der Beziehungen zu Moskau gelöst werden können. So sagte er am Dienstag vor Journalisten in Rom, dass es China und nicht Russland sei, das eine tödliche Bedrohung für die westliche Welt darstelle.

    2014 war die größte Bedrohung das „globale Kalifat“, nun ist es China. Anscheinend hat man vor, sich unbedingt auch mit dem „imperialistischen Russland“ zu befassen, allerdings erst wenn die chinesische Bedrohung beseitigt wird.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Nationalisten vereinen: Warum Trumps Ex-Chefstratege EU spalten will<<<

    Gerade in diesem Kontext sollten alle möglichen Versuche betrachtet werden, die Beziehungen zwischen Moskau und Washington zu normalisieren. Das heißt nicht, dass der Dialog bzw. pragmatische Vereinbarungen unmöglich sind, ganz umgekehrt. Man sollte sich jedoch ständig daran erinnern, dass selbst der Teil des amerikanischen politischen Establishments, der nicht vom Russlandhass umfasst ist, sich zu Russland ohne Sympathie, sondern eher wie zu einem klugen expansionistischen Übel verhält, das man ertragen kann, solange es wichtigere Probleme gibt.

    Natürlich ist die weltpolitische Arena kein Ort, wo man nach wahrer Freundschaft und Sympathie suchen sollte. Das betrifft nicht nur die USA. Doch die jetzige Generation der US-Politiker hat es geschafft, einen schier unglaublichen Höhepunkt des Zynismus zu erreichen. Und dabei sich nicht zu genieren, öffentlich von seiner eigenen Exklusivität zu sprechen. Mit solchem zynischen Herangehen könnte man kaum eine große Koalition von Verbündeten zur Lösung der amerikanischen Existenzprobleme bilden, obwohl manchmal auch Wunder geschehen.

    Doch damit ein solches Wunder geschieht, müsste Washington solche Zugeständnisse machen, die für die USA anscheinend unannehmbar sind, denn die heutigen USA wollen sich nicht einigen. Das ist eine prinzipielle Position nicht nur der „Falken“ des so genannten Deep State (Staat im Staate), sondern auch des „antisystemischen“ Trumps. Nicht umsonst hat die aktuelle US-Administration die Beziehungen zu fast allen Verbündeten und Satelliten – von der EU bis Saudi-Arabien – verdorben.  Allerdings ist das aus der Sicht der russischen Interessen eine ziemlich positive Entwicklung. Man kann sich nun wünschen, dass dieser Prozess schnell sein logisches Ende erreicht. Die Welt ist der US-Hegemonie müde, eine multipolare Weltordnung ist schon unvermeidlich.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Verschwörung, Wahleinmischung, Ermittlung, NGO, Bedrohung, Bloomberg, Robert Mueller, Steve Bannon, Donald Trump, Wladimir Putin, Westen, USA, Russland, China