08:35 20 April 2019
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Strikte Maßnahme: Saudis drohen mit Großangriff auf Dollar

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    Natalja Dembinskaja
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    Saudi-Arabien hat mit dem Verzicht auf den Ölhandel in US-Dollar gedroht. Das Königreich könnte diesen Schritt wagen, wenn Washington ein Gesetz über Sanktionen gegen die OPEC wegen Kartellabsprachen beschließt.

    Wie ein US-Beamter gegenüber der Agentur Reuters sagte, würde die US-Wirtschaft einen schweren Schaden davontragen, wenn die Saudis ihre Drohung umsetzen.

    Der Kongress sondiert einen Gesetzentwurf über die Einstufung der OPEC als Kartell –den No Oil Producing and Exporting Cartels Act, der im Februar durch den Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses gebilligt wurde.

    Alte Idee

    Er erklärt die Beschlüsse der OPEC sowie alle gemeinsamen Handlungen der Regierungen anderer Länder (außer den USA), die auf die Einschränkung der Ölförderung und Regelung der Rohstoffpreise gerichtet sind, für illegal.

    Sollte das Dokument verabschiedet werden, werden die US-Gerichte die Befugnis bekommen, Kartell-Klagen gegen die OPEC-Mitgliedsstaaten und andere Staaten zu behandeln, die Abkommen über gemeinsame Handlungen auf den internationalen Ölmärkten schließen.

    Die Amerikaner entwarfen die NOPEC-Bill bereits im Jahr 2000, doch unter der Obama-Administration scheiterten alle Versuche, sie durchzusetzen. Mit dem Machtantritt von Donald Trump, der von der Idee zur Senkung der globalen Ölpreise besessen ist, wurde die Unterstützung des Gesetzentwurfs gesichert. Laut Washington werden dank diesem Gesetz die Ölpreise nach unten gehen, und das Benzin wird in den USA billiger. Mit solch einem guten Geschenk für die Autofahrer würde Trump bei den Wählern vor den Präsidentschaftswahlen 2020 punkten.

    Allerdings warnen viele Experten, darunter BP-Chef Robert Dudley, dass die NOPEC-Bill einen zerstörerischen Effekt haben kann. So sagte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Masrui, Ende März vor Investoren in Washington, dass, falls die NOPEC-Bill verabschiedet werde, vor allem die US-Schieferölbranche betroffen sein würde. Die OPEC würde die Arbeit einstellen und jedes Land würde die Förderung maximal erhöhen, was die Ölpreise zum Einsturz bringen würde.

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    Dabei würden die US-Frackingfirmen einfach pleitegehen. Bei einem Ölpreis von weniger als 50 US-Dollar sind ihre Projekte unrentabel. Wie John Hess im Januar berichtete, sollte der WTI-Preis stabil bei rund 60 Dollar liegen, andernfalls würden die Investitionen in die Branche zurückgehen. Experten zufolge würde die Auflösung der OPEC zum Absturz der Preise führen, vergleichbar mit 2013-2014, als der Brent-Preis auf 30 Dollar sank.

    Scheiche gegen Fracking-Industrie

    Auf die NOPEC-Bill reagierten in der vergangenen Woche auch die Vertreter der größten Ölfördermacht Saudi-Arabien. Wie Reuters unter Berufung auf drei Quellen mitteilte, warnte Riad hochrangige US-Beamte im Energiebereich, dass es Öl gegen andere Währungen verkaufen werde, falls die NOPEC-Bill verabschiedet wird. Laut Reuters wurde dieses Szenario in den letzten Monaten sowohl unter saudischen Ministern als auch unter OPEC-Mitgliedern besprochen.

    Washington kann diese Warnung nicht ignorieren. Große Ölverbraucher, vor allem China und die EU, rufen ebenfalls zur Senkung des Anteils der US-Währung im internationalen Handel auf. Russland und der Iran drückten ihre Bereitschaft aus, ihr Öl gegen Euro und Yuan zu verkaufen, und schließen bereits erste Deals in den Nationalwährungen ab.

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    Falls auch Saudi-Arabien, das einen Zehntel der globalen Ölförderung kontrolliert, auf den Ölverkauf in Dollar verzichtet, würde die US-Währung weltweit endgültig an Bedeutung verlieren. Das würde den Einfluss Washingtons auf den Welthandel maßgeblich verringern und die Effizienz der US-Wirtschaftssanktionen gegen andere Staaten fast komplett zunichtemachen.

    „Saudi-Arabien weiß, dass es über ein starkes Druckinstrument verfügt – die Öldollar“, sagte ein hochrangiger US-Beamte im Gespräch mit Reuters. „Denn der Verkauf vom saudischen Öl für Dollar ist einer der Faktoren, der die USA zu einer wirtschaftlichen Supermacht macht.“

    Ein anderer Beamter hält die Warnung Riads für ein eindeutiges Ultimatum. „Die Saudis sagen den Amerikanern: Wenn sie die NOPEC-Bill verabschieden, wird die US-Wirtschaft zerfallen“, so der Beamte.

    Auf der anderen Seite ist es für Saudi-Arabien ebenfalls nicht gewinnbringend, mit den Amerikanern endgültig zu brechen. „Saudi-Arabien hängt sehr stark von der Sicherheitskooperation mit den USA ab“, so der Berater des Generaldirektors für Makroökonomie von „Otkrytije Broker“, Sergej Chestanow. Zudem mache die schnell wachsende Ölförderung in den USA die Verhandlungsposition der Amerikaner bei allen Ölfragen stark.

    Im Ganzen liegen die Chancen, dass Trump die NOPEC-Bill unterzeichnet, beinahe bei null. Saudi-Arabien würde weiterhin Öl gegen Dollar verkaufen und der größte strategische Partner der USA im Nahen Osten bleiben.

    Doch die Beziehungen der beiden Länder haben sich stark gewandelt. Riad hat gezeigt, dass es nicht bereit ist, der gehorsame kleine Bruder Washingtons zu sein, und dass es über starke Einflusshebel gegen den Partner verfügt. Damit werden die Interessen der Saudis in der Zukunft vom Weißen Haus stärker berücksichtigt werden müssen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    NOPEC, Scheich, Ölpreise, Verkauf, Dollar, Öl, Reuters, OPEC, Donald Trump, EU, Saudi-Arabien, USA, China