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22:50 19 September 2019
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    Russlands Eisbrecher in der Arktis (Archiv)

    Arktis – Gewinn oder Gefahr? Darum ist die Nordostpassage so gefährlich für die USA

    © Sputnik / Alexej Filippow
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    In St. Petersburg ist am Dienstag das fünfte internationale Forum zum Thema „Arktis – Territorium des Dialogs“ eröffnet worden, zu dem sich so viele Teilnehmer aus verschiedenen Ländern angekündigt hatten, dass es aus Archangelsk in die „nördliche Hauptstadt“ Russlands verlegt werden musste.

    Zu den Teilnehmern gehören fünf Staats- bzw. Regierungschefs von Arktis-Staaten: der russische Präsident Wladimir Putin und seine Amtskollegen aus Finnland (Sauli Niinistö) und Island (Gudni Johannesson) sowie die Ministerpräsidentin Norwegens, Erna Solberg, und der Ministerpräsident Schwedens, Stefan Löfven.

    Im Mittelpunkt des Fünften Arktis-Forums werden die nachhaltige Entwicklung der Arktis-Region und die Förderung des Lebensniveaus im Hohen Norden stehen.

    Aber alles der Reihe nach…

    Die Diskussionen werden an mehreren Orten und zu mehreren größeren Themenbereichen verlaufen: Öl- und Gaserschließung, Schiffbau, Infrastrukturentwicklung im Hohen Norden, Umweltprobleme usw.

    Aber das allerwichtigste Thema wird die Nordostpassage sein.

    So werden die Teilnehmer der Tagung zum Thema „Nordostpassage – Schlüssel zur Entwicklung der Russischen Arktis“ die Umsetzung der von Präsident Putin gestellten Aufgabe zur Entwicklung der Nordostpassage besprechen. Übrigens wird sich der Kreml-Chef höchstpersönlich daran beteiligen. Der Güterumsatz in der Nordostpassage soll bis 2024 auf 80 Millionen Tonnen jährlich aufgestockt werden, und zu diesem Zweck müssen entsprechende strategische Beschlüsse gefasst werden.

    Damit die Bedeutung der Nordostpassage maximal klar wird, ist folgendes Beispiel angebracht: Aktuell werden etwa zehn Prozent aller Güter in der Welt (nicht nur zwischen Europa und Asien, wohlgemerkt) durch den Suezkanal befördert. Und um diesen zu passieren, müssen die Schiffe monatelang warten, bis sie an der Reihe sind.

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    Da war selbst der Bau des so genannten „Neuen Suezkanals“ nur bedingt effizient, auch wenn der Güterumsatz tatsächlich wesentlich zulegte. Aber es ist leicht festzustellen, dass der nördliche Seeweg der billigste und die Nachfrage nach der Nutzung der Nordostpassage wesentlich größer als das Angebot ist.

    Der ganzjährige Betrieb der Nordostpassage ließe sich kaum überschätzen, zumal dort auch politische Risiken gering sind: Es gibt im Hohen Norden beispielsweise keine bewaffneten Konflikte wie im Nahen Osten und keine Piraten wie vor dem Horn von Afrika.

    Da aber die Nordostpassage großenteils im russischen Hoheitsgewässer liegt, sind Moskaus westliche Partner sehr negativ dazu eingestellt, denn der vollwertige Betrieb dieser Route würde den wichtigsten Faktor ihrer wirtschaftlichen Stärke zerstören: Kontrolle über den globalen Handel.

    Die Nordostpassage ist besonders ungünstig dafür, was für Washington besonders wertvoll ist: seine Brieftasche. Deshalb werden die Amerikaner alles tun, um Russland beim Betrieb der Nordostpassage Steine in den Weg zu legen. Denn das ist nicht die Pipeline Nord Stream 2, deren Betrieb für die amerikanische LNG-Branche zwar unangenehm, aber nicht tödlich wäre. Hier, im Hohen Norden, könnten die USA die Kontrolle über den weltweiten Handel verlieren, und zwar wegen der ganz banalen Preisfrage.

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    Angesichts dessen wird Russland schon jetzt mit etlichen Schwierigkeiten konfrontiert – in der ersten Phase, wo eine wirklich umfassende Containerbeförderung erst gar nicht besprochen wird und eine Frage für kommende Jahre bleibt.

    Eben darüber redet Präsident Putin auf solchen Arktis-Foren, wenn er das wohl wichtigste Thema im Kontext der Entwicklung des Hohen Nordens aufwirft – die regionale Sicherheit. Die Arktis sollte ihm zufolge „ein Raum des Friedens“ werden, und Russland sei bereit, das Thema zu besprechen und auf diesem Gebiet mit anderen Ländern zu kooperieren. Und das nicht, weil es nicht stark genug sei, sondern im Gegenteil: Russlands Stärke im Hohen Norden ist einfach beispiellos.

    Die Sicherheit bzw. Konfliktlosigkeit ist ein offensichtlicher Vorteil der Nordostpassage: Für Russland ist die Arktis (im Unterschied zu den Amerikanern) ein Gewinn und keine Existenzgefahr. Und jeden, selbst lokalen Konflikt braucht Russland im Hohen Norden definitiv nicht. In diesem Zusammenhang ist die Meinung des Umweltministers Dmitri Kobylkin erwähnenswert: „Jeder Rubel, der in Arktis-Projekte investiert wird, lockt weitere 15 Rubel an – das ist ein gutes Verhältnis, das kaum ein anderes Wirtschaftssegment bieten kann.“

    Die Projekte, die Russland im Hohen Norden umsetzt (de facto wird dabei die Nordostpassage schon jetzt eingesetzt), insbesondere die LNG-Projekte von NOVATEK wie Yamal SPG und Arctic SPG, zeugen ganz deutlich davon.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Nordostpassage, Nutzung, Kontrolle, Russland, Handel, LNG, Nord Stream 2, NOVATEK, Wladimir Putin, Suezkanal, Island, Arktis, Finnland, USA