06:56 23 April 2019
SNA Radio
    Ölraffinerie in den USA (Archiv)

    Warum steigende Ölpreise US-Frackern nicht aus der Misere helfen

    © AP Photo / Charlie Neibergall
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Natalja Dembinskaja
    11212

    Die Ölpreise sind über die wichtige Marke von 70 Dollar pro Barrel geklettert – ein gutes Zeichen für den Rubelkurs und den russischen Staatshaushalt. Auf den ersten Blick scheint die US-Schieferölindustrie ebenfalls von dem Preisanstieg zu profitieren.

    Allerdings sind Experten der Ansicht, dass die höheren Preise den Frackern nicht helfen werden. Warum das Öl teurer wird, wie lange der Anstieg dauern wird und warum die Probleme der Frackingindustrie nicht an den Börsen gelöst werden – das lesen Sie in diesem Artikel.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: USA wollen ausländische Ölhändler zu Kaufstopp in Venezuela überredet haben<<<

    Darum wird Öl teurer

    Der Hauptgrund für den Anstieg der Ölpreise ist die andauernde Drosselung der Förderung der OPEC-Plus-Länder, die Ende des vergangenen Jahres vereinbart worden war. Im März ging die tägliche Fördermenge der Teilnehmerländer um 280.000 Barrel im Vergleich zum Februar zurück (auf 30,4 Millionen Barrel pro Tag).
    Russland kürzte zum April hin die Fördermenge um 225.000 Barrel im Vergleich zum Oktober, wobei die Verpflichtungen im Rahmen von OPEC-Plus erfüllt wurden. Saudi-Arabien will die Ölproduktion im April um weitere zehn Prozent kürzen.

    Ölraffinerie von Citgo in Illinois, USA (Archivbild)
    © AFP 2019 / SCOTT OLSON / GETTY IMAGES NORTH AMERICA
    Ein zusätzlicher Faktor ist die Zuspitzung der militärischen Situation in Libyen. Sie könnte die Lieferungen aus dem nordafrikanischen Land lahmlegen, zudem befürchten Investoren einen Ölmangel. Darüber hinaus befeuern die Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Handelskonflikts zwischen den USA und China eine hohe Nachfrage, und die Förderung bleibt wegen der US-Sanktionen gegen den Iran und Krise in Venezuela auf einem niedrigen Niveau.

    „Die Ölpreise der Brent-Sorte überschritten die Marke von 70 Dollar erstmals seit dem 12. November, nach den Nachrichten über mögliche neue Sanktionen gegen den Iran, die Außerbetriebssetzung des Ölterminals in Venezuela und den Beginn von militärischen Zusammenstößen in Libyen“, so Analysten von ITI Capital.

    Positiv für Haushalt und Rubel

    Ein Ölpreis um die 70 Dollar wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als optimal für die Wirtschaft bezeichnet. Ein solches Preisniveau gewährleistet ein Profizit für den föderalen Haushalt und die Auffüllung der staatlichen Reservefonds gemäß der Haushaltsregel – die Öl- und Gaseinnahmen bei Ölpreisen von mehr als 40 Dollar pro Barrel werden als Reserven des Finanzministeriums angelegt.

    „Bei den aktuellen Preisen sind der föderale Haushalt und der Rubelkurs ungefähr zu 70 Prozent gesichert“, so der Analyst von „Otkrytije Broker“, Timur Nigmatullin. „Wenn die Preise stark nach unten gehen, werden sie höher als die Regel bleiben, der Haushalt wird nicht gekürzt und der Rubel wird sich nicht stark abschwächen.“
    Teures Öl kompensiert fast den Druck durch mögliche neue Sanktionen gegen die russische Währung. Trotz der Bereitschaft des US-Kongresses, den neuen Sanktionsgesetzentwurf zu besprechen, stieg der Rubel am Montag gegenüber dem Dollar um 32 Kopeken auf 65,02 Rubel pro Dollar und gegenüber dem Euro um acht Kopeken auf 73,21 Rubel pro Euro.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Öl- und Gasförderung: Gericht stoppt Trumps Erkundungspläne in Alaska<<<

    Die größten Rohstoffhändler Glencore, Gunvor und Vitol gehen davon aus, dass das Öl weiterhin teurer wird – in erster Linie wegen des Rückgangs des Angebots. Ihnen zufolge könnte der Ölpreis in diesem Jahr auf 80 Dollar steigen. Ähnlich ist auch die Prognose der OPEC, wobei hervorgehoben wird, dass man nicht mit einem weiteren Anstieg rechnen sollte – zu hohe Preise würden den Rückgang der Nachfrage auslösen.

    Frackingfirmen nicht erfreut

    Die Situation erscheint ziemlich günstig für die US-Frackingfirmen zu sein. Im November des vergangenen Jahres griff die Frackingindustrie zu harten Sparmaßnahmen, als die Ölralley zu Ende ging und die Preise um einen Viertel fielen.

    Dies hatte schnell Haushaltskürzungen für das Jahr 2019 zur Folge – erstmals seit drei Jahren. Große Fracking-Unternehmen wie Centennial Resource Development, Diamondblack Energy und Parsley Energy kürzten ihre Ausgaben um etwa 15 Prozent.

    Im Januar, als ein WTI-Barrel nur 52 Dollar kostete, warnten Frackingfirmen, dass viele demnächst am Rande eines Bankrotts stehen werden. Der Ölpreis müsse stabil bei rund 60 Dollar liegen, sonst müssten die Investitionen heruntergefahren werden, sagte John Hess, Chef des gleichnamigen Fracking-Unternehmens und einer der Marktführer.

    Jetzt liegt der WTI-Preis bei rund 63 Dollar. Wie allerdings eine Studie der Federal Reserve Bank of Dallas zeigte, können die Probleme der Frackingbranche nicht gelöst werden.

    Gut geht es nur Riesen wie ExxonMobil und Chevron – sie bauen weiterhin die Förderung aus und verstärken ihre Aktivitäten im Permbecken an der Grenze zwischen Texas und New Mexico. Allerdings verschärft sich die Krise der Klein- und Mittelunternehmen wegen der mangelnden Finanzierung.

    „Kleinere Unternehmen, die keinen Zugang zum Kapital haben, stagnieren“, stellen die Analysten der Bank fest. Trotz eines Preisanstiegs sinkt das Interesse der Investoren an der Branche, weil die meisten Fracking-Projekte weiterhin reine Verluste schreiben. Im Vergleich zum Jahr 2016 sind die Investitionen um die Hälfte zurückgegangen.

    „Das Ausmaß des Rückganges der Marktkapitalisierung einiger Unternehmen beeindruckt. Das zerstört die Aussichten auf weitere Direktinvestitionen in die Erschließung des Öl- und Gaspotentials“, berichtet die Federal Reserve Bank of Dallas.

    Analysten zufolge wird die Frackingbranche angesichts der Probleme bei der Rentabilität und fehlenden Investitionen in eine neue Krise schlittern, die viele Akteure einfach nicht überleben werden. Das jetzige Wachstum der Ölpreise wird sie nicht mehr retten.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Wladimir Putin, Preise, Förderung, OPEC, Fracking, Öl, Rubel, USA