05:54 10 Dezember 2019
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    Russlands Präsident Wladimir Putin (Archiv)

    US-Experten decken „transkontinentales Putin-Imperium“ auf

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    Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ hat unter Berufung auf Experten eine großartige „Entdeckung“ gemacht: Russland sei mittlerweile zu einem „Imperium“ neuen Typs avanciert – es ist praktisch allgegenwärtig, auf allen Kontinenten präsent, und zwar quasi vor der Nase der USA, die ihm kaum etwas gegenüberstellen konnten.

    Die Thesen der amerikanischen Experten und Journalisten hat Simon Shuster in einem Beitrag für das „Time“-Magazin zusammengefasst, der auch das Cover der April-Ausgabe bestimmt hat. Darauf ist die Erdkugel vor einem roten Hintergrund abgebildet, und auf der Erdkugel sind hier und dort Punkte mit roten Sternchen markiert. Außerdem schwebt über unserem Planeten die Silhouette eines Konterfeis, das dem des Kremlchefs ähnelt.

    Den Lesern wird dabei die Bekanntschaft mit „einer anderen Verschwörung Putins“ angeboten, wobei offenbar gemeint ist, dass er nicht nur Donald Trump zum US-Präsidenten gemacht hat, sondern auch etliche andere Operationen vorbereitet, um die gesamte Welt quasi zu beherrschen. 

    Wenn man aber den sinnlosen Russlandhass und die verantwortungslosen Übertreibungen, die eher zu James-Bond-Filmen oder den Romanen von Tom Clancy als zu einem angesehenen politischen Fachmagazin passen würden, ignoriert, muss man einräumen, dass in dem Beitrag eine ziemlich interessante Ansicht zum Thema Russlands Einflusskraft in der Welt präsentiert worden ist.

    Die Hauptthese, die der Autor voranbringt, besteht darin, dass Russland (genauer gesagt Wladimir Putin persönlich) einen interessanten Weg gefunden hätte, seinen Einfluss über die Welt zu verbreiten, ohne Ressourcen zu verwenden, auf die die USA und China zu diesem Zweck zurückgreifen. Mehr noch: Shuster betont, dass Putins Methode zum Aufbau eines solchen transkontinentalen „Imperiums gescheiterter Staaten“ schon öfter ihre Effizienz bewiesen habe und dass Russland nicht vorhabe, jetzt damit Schluss zu machen.

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    Der „Time“-Autor sieht die Situation folgenderweise: Der Kreml sucht (und findet) solche Politiker, die Staaten verwalten, die sich am Rande einer Revolution, eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs oder einer äußeren (sprich amerikanischen) Intervention befinden. Während das Zusammenwirken mit den USA oder China für solche Spitzenpolitiker die Notwendigkeit bedeuten würde, Reformen durchzuführen und andere komplizierte Bedingungen einzuhalten, schlägt Moskau ihnen angeblich ein ganz anderes Kooperationsformat vor, bei dem den Anführern solcher „gescheiterten Staaten“ Sicherheit und Schutz vor äußerem Druck garantiert wird. Zudem bekommen sie gute Chancen, an der Macht zu bleiben.

    Dafür bekommt Russland Geld (für Waffenverträge), politische Einflusskraft in entsprechenden Regionen und den Zugang zu den dortigen Bodenschätzen. Im „Time“-Beitrag ist die Enttäuschung eines typischen amerikanischen Reporters spürbar, der geglaubt hatte, dass Russland den Kalten Krieg in jeder Hinsicht verloren hätte und auseinandergefallen wäre und deshalb nicht einmal theoretische Chancen hätte, den USA, aber auch anderen Ländern wie China, Frankreich usw. im Kampf um die Naturressourcen in Afrika, Asien und Südamerika die Stirn zu bieten. Der Autor zählte Russlands Erfolge in verschiedenen Entwicklungsländern auf: von Libyen und Afghanistan bis zu Venezuela und dem Sudan: Überall würde es ihm zufolge russische Söldner und Berater geben – und überall würde Russland Geld machen.

    Es ist durchaus logisch, dass die amerikanische Propaganda angesichts dieser Vorgehensweise Russland einen Vortrag über die Rolle der hohen moralischen Prinzipien in der Weltpolitik halten will: „Russland bietet seinen neuen Freunden eine starke Waffe an: sein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat, von dem es Gebrauch machte, um mindestens ein Dutzend Resolutionen im Kontext der Chemiewaffeneinsätze, verschiedener Kriegsverbrecher und der Feuereinstellung seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien 2011 zu blockieren. Als Putin dem Assad-Regime zur Hilfe kam, bekam er das Recht, zu behaupten, Russland würde seine Verbündeten selbst dann unterstützen, wenn sie jemanden mit Gas vergiften, mit Bomben bewerfen und ihre eigenen Mitbürger foltern.“

    Diese Vorwürfe sind aber umso verblüffender, weil niemand geringerer als die USA sie macht – das Land, das eigentlich überhaupt kein Recht hat, jemandem Moral beizubringen. Denn Hunderttausende friedliche Iraker sind ums Leben gekommen, weil die Vereinigten Staaten ihre Intervention nach der unverschämten Lüge begonnen hatten, Saddam Hussein hätte über Massenvernichtungswaffen verfügt. Auch Libyen bekam ganz deutlich zu spüren, was die amerikanischen „humanitären Bombardements“ in Wahrheit waren. Die Einwohner dieses Landes haben auch definitiv einen schlechten Eindruck von der „hochmoralischen“ US-Außenpolitik.

    Wenn ein Autor des „Time“-Magazins, das für Hunderte und Tausende unschuldige Menschen, die von US-Militärs getötet wurden, mitverantwortlich ist, von Moral schreibt, ist das nichts als ein frecher Glaube daran, dass die ganze Welt Washington immer noch für eine strahlende City upon a hill  halten würde. Aber die ganze Welt denkt schon längst nicht mehr so – und Russlands Erfolge in Syrien, Venezuela, Ägypten, Afghanistan, im Sudan, in Zentralafrika usw., die die US-Journalisten so bedauernswert finden, beweisen ganz deutlich, dass die angebliche „moralische Führung“ der USA mausetot ist, und die „Todesurkunde“ irgendwann zwischen den Bombenangriffen gegen Jugoslawien und der Unterstützung von Terroristen in Syrien ausgestellt wurde.

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    Auf dem Titelblatt des jüngsten „Time“-Heftes steht geschrieben: „How Putin Built a Ragtag Empire of Tyrants and Failing States“ – also „Wie Putin ein buntes Imperium von Tyrannen und Verliererstaaten aufgebaut hat“. Dabei wird der Hauptakzent ausgerechnet darauf gesetzt, dass es sich dabei um einen improvisierten, quasi chaotischen Aufbau dieses Imperiums handelt, also um eine Art „Flickenteppich“, der rein zufällig entstanden ist.

    In Wahrheit aber (und die amerikanischen Reporter räumen das ein, wenn auch nur ungern) lässt sich da ein System durchaus verfolgen, und das Hauptprinzip lautet dabei: „Freiheit ist wichtiger als Geld“. Wo Washington oder Paris Geld oder Investitionen anbieten, bietet Moskau seinen potenziellen Partnern vor allem Schutz und Freiheit an – also das Wichtigste, was es nur geben kann: Souveränität und Sicherheit. Und diese sind bereit, für diese exklusive „Ware“ jeden Preis zu zahlen.

    Wenn man das hart und pragmatisch formuliert, besteht gerade in dieser Veränderung der Logik des Zusammenwirkens mit der Welt der Vorteil der russischen Strategie nicht nur gegenüber den USA, sondern auch gegenüber der einstigen Vorgehensweise der UdSSR, die versuchte, ihre Ideologie weltweit zu verbreiten und dafür tief in die Tasche der Sowjetbürger griff. Russland zwingt niemandem seine Ideologie auf und hat keineswegs vor, jemanden für die „richtige“ ideologische Position zu bezahlen. Und gerade deshalb sind Moskaus Dienste zwecks Verteidigung der Souveränität und Freiheit unter etlichen Ländern populär und bringen ihm Profite (eben in Form von Rüstungsverträgen und Naturressourcen).

    Dabei übersehen die amerikanischen Kritiker der russischen außenpolitischen Strategie eine ganz simple Sache: Je mehr Washington der russischen Einflusskraft widerstehen wird, je mehr es afrikanischen, asiatischen oder südamerikanischen Ländern mit Sanktionen und militärischer Gewalt drohen wird, desto attraktiver werden für sie Russlands Angebote sein. Also soll sich Washington noch mehr ärgern – Moskau wird davon nur noch mehr profitieren.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Bodenschätze, Entdeckung, Unterstützung, Zugang, Kreml, Schutz, Sicherheit, Time, Wladimir Putin, Sudan, Venezuela, Libyen, Afghanistan, USA, Russland, China