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20:15 19 August 2019
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    Druckmesser einer Ölförderungsanlage

    Mangel dank US-Sanktionen: Europäische Ölverarbeiter kämpfen um russisches Öl

    © Sputnik / Ewgenij Biatow
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    Natalja Dembinskaja
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    Die US-Sanktionen gegen Venezuela und den Iran haben einen großen Mangel an schwerem, schwefelhaltigem Erdöl ausgelöst. Europäische Ölverarbeitungswerke brauchen dringend schweres russisches Öl der Sorte Urals, aber es gibt ein Problem: Dieses Öl reicht nicht für alle.

    Wie es dazu gekommen ist, dass Europa unter den US-Sanktionen gegen Venezuela leidet, während Russland davon profitiert, erzählt Sputnik in diesem Beitrag.

    Schuss ins eigene Bein

    Als erste verspürte die US-Ölindustrie die von der Trump-Administration verhängten Sanktionen gegen den venezolanischen Ölkonzern PDVSA: Die Lieferungen aus Venezuela schrumpften von 500.000 auf 80.000 Barrel pro Tag. Die Ölverarbeitungswerke im Golf von Mexiko und an der Ostküste, die für schweres, schwefelreiches Öl bestimmt sind, waren sofort mit der Perspektive konfrontiert, geschlossen zu werden. Betroffen waren alle wichtigsten Akteure: Citgo Petroleum, Valero Energy und Chevron.

    Eine Alternative für den venezolanischen Brennstoff wäre das Öl aus Saudi-Arabien, dessen chemische Zusammensetzung ähnlich ist. Aber die Saudis hatten noch im Januar erklärt, dass sie ihre Ölförderung wegen Washingtons Sanktionen gegen Caracas nicht ausbauen wollen. Den Amerikanern blieb nur, das russische Urals-Öl intensiv zu kaufen.

    Laut der Internationalen Enegieagentur (IEA) erreichten die Urals-Lieferungen nach Nordamerika 150.000 Barrel täglich, was seit der „Schieferöl-Revolution“ in den Jahren 2011 und 2012 nie wieder vorgekommen war.

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    „Das sind die größten Lieferungen aus Russland seit 2011“, stellte der Verwaltungspartner von Caracas Capital, Russ Dallen, fest.

    Die Marktteilnehmer interessieren sich nur für die Charakteristiken des Brennstoffs (Dichte und Schwefelgehalt) – der politische Aspekt ist in den Hintergrund getreten, sind sich viele Branchenkenner einig.

    Europäer stehen Schlange

    Aber nicht nur amerikanische Ölverarbeiter stießen auf Probleme. Wegen des Mangels an schwefelhaltigem Öl sind auch ihre europäischen Kollegen in eine schwierige Lage geraten. Denn die Exporteure hatten im Sinne des OPEC+-Abkommens vor allem die Förderung von schweren Ölsorten reduziert, wobei die Lieferungen des teureren leichten Öls konstant blieben.

    Nach Angaben von Refinitiv Eikon hat Saudi-Arabien zwischen Oktober 2018 und März 2019 den Export von schwefelhaltigen Ölsorten nach Europa fast um 50 Prozent gekappt. Bei dem Irak liegt diese Zahl bei mehr als 40 Prozent.

    Und da der iranische und venezolanische Brennstoff vom Markt verschwunden ist, ist es laut Reuters dazu gekommen, dass die Europäer jetzt um das russische Urals-Öl kämpfen.

    „Alle Ölbetriebe suchen nach dem Urals-Öl oder nach ähnlichen Sorten“, zitierte die Nachrichtenagentur einen europäischen Ölhändler. „Es ist offensichtlich, dass dieses Öl nicht für alle reicht.“

    Kostspielige Alternative

    Die US-Sanktionen gegen Teheran und Caracas kommen die europäische Ölbranche immer teurer zu stehen: Die Konkurrenz zwischen europäischen Ölraffinerien um das russische Öl hat den Preisunterschied zwischen den Sorten Urals und Brent um 30 Prozent „aufgefressen“ (Minimum seit 2013).

    Ölraffinerie von Citgo in Illinois, USA (Archivbild)
    © AFP 2019 / SCOTT OLSON / GETTY IMAGES NORTH AMERICA

    Im Mittelmeerraum ist der Unterschied von einem Dollar auf 70 Cent geschrumpft. Angesichts dessen kostet ein typisches Tankschiff mit Urals-Öl (600.000 Barrel) 1,35 Millionen Dollar mehr als früher.

    Für die russische Ölbranche ist die entstandene Situation durchaus günstig: Allein im März hat sie 140 Millionen Dollar mehr als im Oktober verdient, als US-Präsident Trump die Sanktionen gegen den Iran verhängte und den Ölimport aus Venezuela verbot.

    Analysten warnen, dass der Mangel an schwerem Öl in den kommenden Monaten nur noch größer werde, während auch die Nachfrage zulegen werde. Noch mehr werde sich die Situation nach der Inbetriebnahme des neuen Ölbetriebs STAR in der Türkei zuspitzen, der für die Verarbeitung von schwerem Öl bestimmt sei. Aktuell gehört die Türkei zu den acht Ländern, denen Washington erlaubt hat, bis Mai iranisches Öl zu kaufen. Aber dieses Privileg läuft bald aus, und im Weißen Haus besteht man darauf, dass der Ölexport aus dem Iran auf null gekürzt wird.

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    „Wir hätten nie gedacht, dass das Schweröl-Defizit so groß werden könnte“, stellte ein Ölhändler aus Europa fest. „Ölverarbeitungsbetriebe stehen Schlange, um russisches schweres Öl zu kaufen. Und wer weiß, was im Mai auf uns zukommt.“

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölvorräte, Öllieferungen, Ölexport, Valero Energy Corp, Citgo, Internationale Energieagentur (IEA), IEA, Chevron, OPEC, EU, Donald Trump, Europa, Türkei, Saudi-Arabien, USA, Russland