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    Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes, Frank Überall (in d. M.)

    Überall ist Nirgendwo – Der DJV und sein geschwätziger Bundesvorsitzender

    CC BY-SA 4.0 / Raimond Spekking / Wikimedia Commons (croped a photo)
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    Andreas Peter
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    Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes, Frank Überall, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erneut versucht, russische Auslandsmedien zu denunzieren. Das Interview wirkt wie eine Gefälligkeit der Zeitung gegenüber einem in die Kritik geratenen Funktionär, der sich immer wieder um Kopf und Kragen redet.

    Dass Prof. Frank Überall fest daran glaubt, er sei eine Art Perseus des Journalismus, der den Medusen der Neuzeit die Köpfe abschlagen müsste oder könnte, daran haben wir uns inzwischen gewöhnt. Warum ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ausgerechnet jetzt zu diesem Thema ein Podium bot, kann nur vermutet werden. In der Medizin, der Versicherungswirtschaft und der Rechtspflege gibt es den Begriff des Gefälligkeitsgutachtens. Exakt so klingt dieses Interview leider, auch wenn sich der FAZ-Redakteur bemüht, nicht allzu offenkundig stichwortgebend zu fragen.

    Der Zeitpunkt und das Thema dieses Interviews muten seltsam an, denn die zweifelhaften Aufrufe und Appelle des Vorsitzenden des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), dem russischen TV-Kanal RT Deutsch keine Sendelizenz in Deutschland zu erteilen, weil es sich seiner Meinung nach um ein Propagandamedium handele, liegen schon eine Weile zurück. Die Frage ist also, was treibt die FAZ oder Frank Überall oder beide? Propaganda können wir ja ausschließen, darauf hält der Kreml bekanntlich die Patentrechte.

    Frank Überall der Vielredner

    Prof. Frank Überall redet sich nicht nur im Hinblick auf alberne Vorwürfe gegen russische Medien gerne um Kopf und Kragen. In dieser Sicht ist er sogar besonders beratungsresistent und wiederholt auch schon mal die gleichen Fake-News zweimal, obwohl er sie schon beim ersten Mal als glatte Lüge zurückziehen und sich öffentlich entschuldigen musste. Aus der Tatsache, dass er zwei Jahre später auf der Plattform Telepolis die gleiche Lüge ungerührt erneut nachkaute, macht der FAZ-Redakteur eine devote Frage, die wie eine Einladung zur virtuellen Reinwaschung klingt:

    „Sie haben den Fall in einem Interview mit dem Portal ‚Telepolis‘ im Januar erwähnt. Auf der Geschichte von damals reitet der Sender herum und behauptet, der DJV habe Fake News produziert.“

    Wie gut, dass die FAZ die Begrifflichkeit „darauf herumreiten“ benutzt, denn auf dem „Fall Lisa“, um den es hier geht, „reiten“ sowohl Frank Überall als auch die „FAZ“ und andere mit Vorliebe herum, um russischen Auslandsmedien wie RT Deutsch Propagandaabsichten zu unterstellen. Wenn Propagandisten wie Frank Überall dann beim Lügen ertappt werden und zwar zum wiederholten Mal, dann darf darauf natürlich nicht „herumgeritten“ werden, pfui aber auch.

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    Frank Überall der beratungsresistente Fake-News-Verbreiter

    Deshalb noch einmal zum Mitreiten. DJV-Chef Frank Überall musste sich 2017 für seinen Pressesprecher Hendrik Zörner entschuldigen, der behauptet hatte, RT Deutsch habe den Fall Lisa „in die Welt gesetzt“. Das ist die Unwahrheit. Zwei Jahre später, im Januar 2019, kurz nach Überalls Forderung, RT Deutsch keine Sendelizenz zu erteilen, stellte die Plattform Telepolis ihm die Frage: "Sie beklagten, Russia Today habe in der Vergangenheit immer wieder Geschichten erfunden. Welche RT Deutsch-Beiträge waren erfundene Geschichten?" Weil es so schön ist, reiten wir noch einmal auf dem Kern dieser Frage herum: „Welche RT Deutsch-Beiträge waren erfundene Geschichten?“

    Frank Überall, der Retter des wahrhaftigen Journalismus, antwortet: „Nehmen sie den Fall Lisa, mit dem massiv versucht wurde, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.“

    Frank Überall hat also im Januar 2019 den Fall Lisa bei Telepolis nicht einfach „erwähnt“, wie der FAZ-Redakteur das so schön verniedlichend fragt, sondern Überall hat den Fall Lisa damals ausdrücklich als Beispiel für eine erfundene Geschichte von RT Deutsch genannt. Sprich, er hat also erneut frech gelogen, stellt es aber im FAZ-Interview nun unverfroren so dar:

    „Es ist aber nun auch nicht so, dass RT Deutsch den Fall Lisa mit keiner Silbe erwähnt hat. Der Kanal hat nur nicht die Urheberschaft an der Lügengeschichte.“

    Darum ging es nie, lieber Herr Überall, sondern darum, ob RT Deutsch diese Geschichte erfunden habe, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Wenn das also das Kriterium für ihre kindische Verweigerungshaltung ist, dürften sie mit der halben bundesdeutschen Medienlandschaft nicht mehr sprechen, die zum gleichen Zeitpunkt wie der Fall Lisa mit ihrer Berichterstattung über die Vorgänge in der Kölner Silvesternacht uns russischen Propagandamedien es mal so richtig zeigte, wie Qualitätsjournalismus geht. Ironie aus.

    Frank Überall die beleidigte Leberwurst

    Deshalb reiten wir darauf auch herum, liebe FAZ und lieber Frank Überall. Das was Sie in diesem Interview abgeliefert haben, ist nämlich lupenreine Propaganda! Aber wenn man in seiner kleinen Filterblase der Selbstgerechtigkeit feststeckt, dann bekommt man diese verlogene Attitüde natürlich nicht mit. Dann beklagt man sich stattdessen als lupenreiner Propagandist, der mehrfach Fake-News verbreitet, bitterlich und beleidigt, der TV-Sender, den man selbst mehrfach öffentlich durch den Dreck gezogen hat, habe über seine Fake-News ein „Hetzvideo“ gedreht. Sagt der notorische Hetzer Frank Überall, das ist wirklich ganz großes Kino!

    Vielleicht durfte Frank Überall sich aber auch nur deshalb in der FAZ verbreiten, weil er möglicherweise unter Druck steht? Denn natürlich haben wir alle Vorstandsmitglieder des DJV und alle Landesverbände angeschrieben und uns erkundigt, auf welcher Rechtsgrundlage Frank Überall eigentlich seine öffentlichen Forderungen stellte, RT Deutsch eine Sendelizenz zu verwehren. Wir wollten wissen, ob er das in Absprache oder mit nachträglicher Information des Bundesvorstandes oder ob er das vielleicht sogar mit einem Beschluss des Vorstandes als Rückendeckung forderte. Das Ergebnis der Anfrage: Lediglich von einem Vertreter eines Landesverbandes erhielten wir eine private Antwort, weil er aus dem Landesvorstand Kenntnis von unserer Anfrage erhalten hatte. Er berichtete uns, dass es keineswegs so sei, dass die Hetztiraden von Frank Überall auf einhellige Begeisterung gestoßen seien, aber als „offizielle“ Antwort könne das nicht so vermeldet werden.

    Die Kritik am selbstherrlichen Auftreten und den Äußerungen von Frank Überall muss nicht unerheblich gewesen sein, denn der DJV sah sich genötigt, am 17. Januar 2019 einen Artikel „Recherchen und Forschungsergebnisse“ als Rechtfertigung zu veröffentlichen und erwähnte bei der Gelegenheit auch massive Kritik. Die Tonalität dieser Recherchen entspricht mit einer Ausnahme allerdings der von Frank Überall und seines Pressesprechers Hendrik Zörner. Und ebenfalls mit der schon erwähnten einen Ausnahme basieren diese Recherchen alle auf den gleichen, vielfach wiederholten bösartigen und häufig unbelegten Denunziationen und Fake-News, die wiederum Russland und russischen Auslandsmedien Fake-News und Propaganda vorwerfen. Klassischer hätte die Stasi „ideologische Diversion“ auch nicht umsetzen können.

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    Frank Überall der PR-Journalist

    Dass Prof. Frank Überall offenbar seltsame Vorstellungen davon hat, was Journalismus ist, bewies er am 22. März 2019 auf dem DJV-Kongress „Brückenschlag – Kommunikation in unruhigen Zeiten“, wo er fröhlich kundtat, PR sei „eine Spielart des Journalismus“. Wenn Frank Überall so etwas tatsächlich denkt, überrascht sein lockeres Verhältnis zur Propaganda auch nicht mehr. Professor Volker Lilienthal, Hochschullehrer für Journalistik an der Uni Hamburg und ebenfalls DJV-Mitglied, äußerte sich am 3. April 2019 im NDR-Medienmagazin „Zapp“ entsetzt: „Für einen Kollegen, der auch den Professorentitel trägt, wie Herr Überall das ja ist, ist das ein sehr vorwissenschaftliches Verständnis von Journalismus und PR. (…) Den Journalismus interessiert potenziell alles was in Politik, Gesellschaft und überall passiert, während die PR immer Auftragskommunikation ist, sehr selektive Kommunikation ist, die sich für ein Unternehmen für das sie eben tätig ist oder eine Organisation interessiert.“

    Vielleicht verweigert Prof. Frank Überall deshalb jede Kommunikation mit RT Deutsch und Sputniknews. Unabhängig davon haben wir das Interview von DJV-Chef Frank Überall in der FAZ nach dem Interview der Zapp-Redaktion mit Prof. Volker Lilienthal auf einmal hervorragend verstanden und verneigen uns. Gute PR-Arbeit, lieber Herr Überall! Aber vielleicht wechseln sie der Ehrlichkeit zuliebe doch besser die Seiten und bezeichnen sich nicht mehr als Journalist, der verlogen anderen die Unabhängigkeit abzusprechen versucht?

    Danke.

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    Tags:
    Propaganda, Fake-News, Interview, Vorwürfe, RT, FAZ, Medien, Frank Überall, Deutschland, Deutscher Journalisten-Verband DJV