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    Eine Flagge mit OPEC-Logo (Archivbild)

    Retten und Unterwerfen: Wall Street Journal weiß, wie Russland die OPEC lenkt

    © AFP 2019 / ALEXANDER KLEIN
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    Natalja Dembinskaja
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    Im Dezember stand die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kurz vor dem Zerfall. Die OPEC-Mitgliedsstaaten konnten sich nicht auf eine Drosselung der Förderung einigen, obwohl die Ölpreise nur anderthalb Monate zuvor um satte 30 Prozent gefallen waren.

    Die entscheidende Rolle bei der Lösung dieser Krise spielte Russland, wobei es nicht nur die Verbindungen mit der OPEC festigte, sondern auch einen unbegrenzten Einfluss auf den globalen Ölmarkt bekam, wie die Zeitung „Wall Street Journal“ berichtet. Wie Russland seinen Einfluss bei der Ölpreispolitik ausbaut  – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Entscheidendes Wort

    Im Dezember verschärfte sich die Situation auf dem Ölmarkt, die Preise brachen fast um 30 Prozent ein – so reagierten Investoren auf die rekordhohe Erhöhung der Mengen der kommerziellen Rohstoffvorräte in den USA und die faktische Erhöhung der Förderung durch die OPEC-Länder. Der dramatische Preisverfall konnte nur durch ein Abkommen über die Reduzierung der Produktion gestoppt werden, doch nicht alle waren dazu bereit.

    Der Iran, Venezuela und Libyen weigerten sich, ein Abkommen abzuschließen. Katar kündigte sogar den Ausstieg aus der OPEC an, weil es sich auf die Flüssiggasförderung konzentrieren will.

    Wie das „Wall Street Journal“ allerdings unter Verweis auf hochrangige katarische Beamte berichtete, hing die Unzufriedenheit des großen Gasexporteurs damit zusammen, dass die OPEC nach den Wünschen des saudischen Prinzen Mohammed und seines „Kumpels“ Wladimir Putin funktioniert.

    Zugleich setzte Donald Trump Saudi-Arabien unter Druck, die Preise niedrig zu halten. Dass die OPEC unter dem Druck der Saudis beschließt, die Förderung nicht zu drosseln, war ziemlich real. Dem Markt drohten ein Überangebot und ein Preisabsturz auf den niedrigsten Stand aus dem Jahr 2014.

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    Der saudische Energieminister Khalid A. Al-Falih wandte sich an den iranischen Ölminister Bidschan Sangeneh mit der Bitte, die Förderung zu kürzen. Dieser wiederum warf den Saudis das Streben vor, den iranischen Anteil am Ölmarkt an sich zu reißen, wie das “Wall Street Journal” berichtet.

    Die OPEC stand damals kurz vor dem Zerfall. Nach Angaben der Zeitung wurde die OPEC durch Russland gerettet, obwohl es nicht dem Kartell angehört.

    „Präsident Putin willigte ein, die Förderung zusammen mit der OPEC zu reduzieren, doch unter der Bedingung, dass dem Iran erlaubt wird, die Produktion auf demselben Niveau beizubehalten“, so das “Wall Street Journal”. Im Ergebnis wurde dem Iran, Venezuela und Libyen erlaubt, die Förderung nicht zu kürzen, weil Washington Sanktionen gegen den Iran und Venezuela verhängt hatte, und Libyen mit einer neuen Welle des Bürgerkriegs konfrontiert wurde.

    In ihrer Sitzung im Dezember vereinbarte die OPEC de facto das, was Russland und Saudi-Arabien angesonnen hatten. OPECPlus drosselte die tägliche Fördermenge um 1,2 Mio. Barrel – um 800.000 Barrel durch die OPEC und um 400.000 Barrel durch die Nicht-OPEC-Staaten. „Nun ist Putin in der Lage, auch den Nahen Osten, den gesamten globalen Ölmarkt im Wert von 1,7 Bio. Dollar deutlich zu beeinflussen“, schlussfolgerte das “Wall Street Journal”.

    Unabhängige Experten bestätigen die Schlussfolgerungen der Zeitung. Wie die Leiterin der strategischen Abteilung der Rohstoffmärkte von RBC Capital Markets, Helima Croft, betonte, fungierte Russland faktisch als „behandelnder Arzt“ der OPEC.

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    Allerdings machen Beobachter darauf aufmerksam, dass es sich nicht so sehr um eine „Therapie“, sondern um die Leitung des Kartells handelt. Der globale Markt wird immer stärker durch OPECPlus beeinflusst. Russland und Saudi-Arabien – die  wichtigsten Teilnehmerstaaten bei OPECPlus und die größten Ölförderer -  bestimmen fast vollständig die Beschlüsse der Organisation – welche Vereinbarung Moskau und Riad erreichen, so wird es auch sein.

    Die größte Schwachstelle bei OPECPlus ist Experten zufolge das Fehlen eines offiziellen Abkommens über Zusammenwirken und Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen. Deswegen könnte der nächste Schritt Russlands und Saudi-Arabiens eine neue globale Allianz der größten Ölexporteure werden, die die OPEC ersetzen wird. Die Frage nach der Reform des Kartells wird wohl im Zentrum der Aufmerksamkeit des OPEC-Gipfels im Mai stehen.

    „Im Laufe von Jahrzehnten nahmen die USA Saudi-Arabien als einen der engsten geopolitischen Verbündeten, eine wichtige stabilisierende Kraft im Nahen Osten wahr. An Riad wurden Waffen verkauft. Als Antwort erwartete Washington stabile Öllieferungen an die Weltmärkte, um Preissprünge und Schäden für die Wirtschaft zu vermeiden“, schreibt das “Wall Street Journal”. „Nun wird klar, dass Saudi-Arabien mit dem neuen Verbündeten, Russland, nicht mehr Washington gehört“.

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    Der Kongress will die Saudis vor einer Annäherung an Moskau warnen und den „No Oil Producing and Exporting Cartels Act“ (NOPEC) erörtern, der im Februar vom Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses gebilligt wurde. Dieses Dokument erklärt die OPEC-Beschlüsse sowie jede gemeinsame Handlungen der Regierungen anderer Staaten (außer USA), die auf die Beschränkung der Ölförderung und Regelung der Ölpreise gerichtet sind, für illegal.

    Allerdings beugt sich Saudi-Arabien nicht dem Druck. Riad warnte Washington, dass es im Falle der Verabschiedung des Gesetzes auf Dollar-Zahlungen im Ölhandel verzichten wird, wodurch die US-Währung als internationales Zahlungsmittel weiter an Bedeutung verlieren würde. Moskau weist die OPEC derweil darauf hin, dass die Reduzierung der Ölförderung möglicherweise schon jetzt gestoppt werden sollte. Wie der russische Finanzminister Anton Siluanow sagte, wird Russland den Markt nicht den US-Frackingunternehmen überlassen. „Es gibt ein Dilemma: Entweder weiter Marktanteile verlieren, die von den Amerikanern besetzt werden, oder aus OPECPlus aussteigen“, so Siluanow.

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    Tags:
    NOPEC, Wall Street Journal, Ölpreise, Mohammed bin Salman al-Saud, Saudi-Arabien, Wladimir Putin, Öl, USA, Russland, OPEC