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22:38 13 Oktober 2019
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    Die Karte von der Arktis (Symbolbild)

    Kurs auf Norden: Wie die „russische Arktis“ die Karte Europas verändert

    © Sputnik / Alexej Filippow
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    Die auf Flüssigerdgas spezialisierte russische Firma NOVATEK und der französische Energieriese Total wollen ihre Kooperation in den arktischen Regionen Russlands vertiefen. Dazu gehört auch die Unterzeichnung eines Abkommens über den Verkauf von zehn Prozent an Projekten zum Bau von Terminals auf Kamtschatka und in Murmansk an den französischen Konzern.

    Die Franzosen halten bereits ein ähnlich großen Anteil am NOVATEK-Projekt zur Gasverflüssigung: Arctic LNG-2. Der französische Energiekonzern will die Zusammenarbeit mit Russland sogar noch ausbauen – dies hat zumindest Total-Chef Patrick Pouyanné angekündigt.

    Die Strategie der Franzosen ist klar

    Der Total-Konzern, der schon jetzt Portefeuille-Abkommen in Höhe von 6,1 Mio. Tonnen Flüssiggas pro Jahr hat, ist daran interessiert, weiteres Gas nach der FOB-Klausel („Frei an Bord“: Der Käufer übernimmt alle Risiken und Verpflichtungen bei der Verladung am Abgangsort; Anm. d. Red.) zu beziehen. Nach dieser Klausel unterzeichnete NOVATEK zu Beginn des Monats auch eine vorläufige Vereinbarung mit dem schweizer-niederländischen Ölhändler und internationalen Branchenprimus Vitol. Total will nicht zurückbleiben. Die Franzosen, die eine langfristige und sichere Kooperation aufbauen wollen, müssen dazu Möglichkeiten zur Kontrolle der gesamten Kette der Verladungen bekommen. „Wir haben bereits erklärt, dass wir in Arctic LNG-2 investieren, doch wir investieren auch in die Terminals in Murmansk und auf Kamtschatka. Das ist ein Teil des Abkommens mit NOVATEK. Zur Entwicklung von Arctic LNG-2 brauchen wir zwei Hubs – einen in Murmansk und einen auf Kamtschatka. Total wird Partner bei diesen zwei Hubs sein“, so der Chef des französischen Unternehmens.

    Der Einstieg in die Hub-Projekte in Murmansk und auf Kamtschatka wird für den Total-Konzern, der nach eigener Auskunft historisch „besondere Beziehungen“ zu Russland pflegt (das Kopf-Tankschiff der Yamalmax-Klasse wurde nach dem bei einem Flugzeugunglück tragisch verstorbenen Total-Chef Christophe de Margerie, einem überzeugten Anhänger der Annäherung an Russland, benannt), so aktuell, dass man niemandem etwas erklären und auch niemanden überzeugen muss. Zudem sind die potentiellen Investitionen der französischen Seite in die Hub-Projekte relativ günstig – gegen zehn Prozent investieren sie laut Einschätzungen von Analysten in jeden Hub - „nur“ sieben bis zehn Mrd. Rubel.

    Darum geht es konkret

    Vom Ort der Verladung auf Jamal wird Flüssiggas über die Nordostpassage, den Nördlichen Seeweg, mit relativ teuren - sowohl bei der Produktion als auch bei der Wartung - Tankern der Eisklasse Arc-7 befördert. Es ist zumindest unvernünftig, diese schweren Schiffe, die selbstständig durch das einjährig fast 1,5 Meter dicke Eis fahren können, zur Beförderung von Gütern rund um die Welt zu nutzen. Deswegen werden sie russisches Flüssiggas aus der Arktis nur bis zum eisfreien Gewässer der Barentssee bzw. nach Petropawlowsk-Kamtschatski bringen. Von dort aus wird das Gas anschließend an die Abnehmer mit einfachen LNG-Tankschiffen geliefert. Die geplante Verladungskapazität in der Ura-Bucht in Murmansk liegt bei 20 Mio. Tonnen Flüssiggas pro Jahr. In Petropawlowsk-Kamtschatski sind es ebenfalls 20 Mio. Tonnen, allerdings kann dort die Kapazität fast verdoppelt werden – die asiatischen Märkte sehen derzeit viel aussichtsreicher aus.

    >>>Mehr zum Thema: US-Flüssiggas für EU überflüssig? – Russische Zeitung<<<

    Russland ist nicht gegen die Zusammenarbeit mit den Franzosen - ganz im Gegenteil.

    „Total ist unser Partner bei den Projekten Jamal LNG und Arctic LNG-2, und wir bezeichnen die Absicht von Total, 10-prozentige Anteile an beiden Hubs zu erwerben, als strategisch richtig und effektiv“, hieß es im russischen Unternehmen NOVATEK.

    Was man da sagen kann

    Es ist so, dass die Projekte zur Förderung, Verflüssigung und Beförderung des fertigen Flüssiggases durch die Nordostpassage allmählich für die russische Arktis ein Vorbild wird. An diesen Beispielen wird klar, wie genau unser Land diese unwirtlichen, jedoch unglaublich reichen und riesigen Regionen erschließen will. Daher ist Russland bereit zur internationalen Kooperation und Integration.

    Sobald die Nordostpassage die geplante Kapazität erreicht, wird sie eine der am stärksten befahrenen Meeresrouten in der globalen Logistik sein. Gerade deswegen machen unsere Freunde aus Übersee Stress wegen dieser Kabotage-Transit-Route aus Asien in den nördlichen Atlantik. Ihre Vorherrschaft beim globalen Handel auf hoher See fordert nun ein ziemlich gewichtiger und unnachgiebiger Konkurrent heraus. Der Wunsch der Franzosen, in die Projekte einzusteigen (und nicht nur der Franzosen, das Interesse am Einstieg in den Hub auf Kamtschatka wurde auch von den japanischen Firmen Marubeni Corporation und Mitsui O.S.K. Lines, Ltd (MOL) und der koreanischen Kogas gezeigt), ist ziemlich verständlich.

    Mit Hilfe der nördlichen Routen wird sich die Energie- und Logistik-Karte Europas ändern – die Reichtümer und Möglichkeiten der russischen Arktis wirken beeindruckend, und die Arbeiten zur Umsetzung dieser Möglichkeiten werden immer realistischer.

    *Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Murmansk, Gaslieferungen, Flüssiggas, LNG, Tankschiff, NOVATEK, Total, Nordpol, USA, Russland, Europa, Arktis