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19:31 18 August 2019
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    Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), Frank Überall (Archivbild)

    Ich hab’ den größten … Twitteraccount – DJV-Chef hört Kritik nur von Accounts mit vielen Followers

    CC BY-SA 3.0 / A.Savin / Der Journalist und Autor Frank Überall bei einer Diskussion in Köln
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    Sascha Konkina
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    US-Präsident Trump erntet ständig Kritik wegen seiner Twitter-Aussagen. Den deutschen Politikern und Journalisten ist die Twitter-Kommunikation auch nicht fremd, für einige bleibt aber die digitale Etikette noch Terra incognita.

    So trat vor kurzem der Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte (CDU) ins Fettnäpfchen. Als ein Nutzer seine Meinung zur Urheberrechtsregelung der EU mit den Worten „Geben Sie doch einfach zu … SIE haben keinerlei Ahnung davon. Treten Sie bei Seite und lassen Sie einfach die nächste Generation ran“ kritisierte, konterte Hirte mit dem Satz „Nur dass ich mehr Follower habe als Sie …“

    Screenshot

    Nun nutzt auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), Frank Überall, dieselbe Strategie.

    Letzte Woche versuchte Herr Überall erneut in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, RT und Sputnik zu denunzieren. Danach twitterte der durch seine „profunden“ Artikel über Russland bekannte BILD-Redakteur Julian Röpcke, dass die Bundespressekonferenz die notwendigen Konsequenzen in diesem Zusammenhang ziehen sollte. Der Tweet wurde von einem Redakteur von RT Deutsch repostet, von Röpcke daraufhin aber gleich blockiert. Dazu schrieb ein User:

    „Wer andere Meinungen nicht aushält, hält auch nichts von Meinungsfreiheit. Beleidigungen hingegen sind keine Meinung und die kann man blocken. Ich habe Herrn Warweg allerdings noch nie beleidigend erlebt. Eher sachlich und faktenorientiert mit einer großen Portion Empathie“, schrieb dazu ein User auf Twitter.

    ​Und dann folgte eine brillante Antwort vom Prof. Frank Überall:

    „Blocken? Coole Idee, mache ich in Ihrem Fall doch gerne. Gruß an Ihre sagenhaften 14 (!) Follower“

    ​Die Tatsache, dass Herr Überall selbst nur 2.906 Follower hat (also nicht gerade viel), spielt keine Rolle. Die Person, die die mediale Ethik in Deutschland darstellen soll, hat es offenbar nötig, auf der Followerzahl eines Users herumzuhacken.

    Lassen wir aber die Ironie beiseite: Es kommt tatsächlich nicht auf die Zahl der Follower an. Erstens haben viele Twitter-User Tausende Follower, die sich im Nachhinein als Bots erweisen. Und zweitens ist es selbstverständlich für die Relevanz eines Posts nicht entscheidend, wie viele Personen diesem Account folgen.

    Die Aussage von Überall löste heftige Reaktionen aus. „Selbst ein kleines Kind verhält sich bei sowas besser.“

    ​Apropos erschien vor einer Woche auf der Seite vom Deutschen Journalisten Verband der Artikel „Auf Twitter sind wir nie privat“: „Es ist schon wieder passiert: Ein Journalist hat einen dummen Tweet abgesetzt. Muss man das jedes Mal debattieren?“ Die Follower werten jeden Tweet eines Journalisten natürlich als Einblick in eben dieses Blatt und die Medienbranche, schrieb der Autor des Artikels.

    „Deshalb nochmal in aller Deutlichkeit, liebe Kollegen: Auf Twitter sind wir nie privat.“

    Entweder interessiert sich der DJV-Bundesvorsitzende für die Publikationen auf seiner eigenen Seite nicht oder meint, dass diese Regeln nicht für ihn gelten. Doch hier gilt: Quod licet Iovi non licet bovi. Frei übersetzt: Was Frank Überall (dem Jupiter) erlaubt ist, ist anderen Journalisten (dem Ochsen) nicht erlaubt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Twitter-Account, Kritik, Followers, Heribert Hirte, Frank Überall, Deutscher Journalisten-Verband DJV, Donald Trump, Twitter