02:52 20 Juni 2019
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    Ölförderung in Kogalym, Russland (Archivbild)

    USA befehlen der Welt, Russland mehr Geld zu zahlen

    © Sputnik / Juri Somow
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    Iwan Danilow
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    Washington will den globalen Ölmarkt offenbar richtig aufwirbeln, was aber sehr günstig für Russland wäre.

    Es war ja nicht umsonst, dass der frühere Präsident Estlands, Toomas Hendrik Ilves, der als großer Russland-Hasser bekannt ist, bei der Beobachtung der Reaktion der globalen Märkte auf das Vorgehen der US-Administration auf Twitter schrieb: „Russland ist zufrieden. Sehr zufrieden.“

    Sein Herzensschrei fiel rein zufällig mit dem Anstieg des Preises für die Ölsorte Brent auf 73 Dollar pro Barrel überein, nachdem die Amerikaner eine Verschärfung ihrer Iran-Sanktionen angekündigt hatten. Zudem sollten die „Sanktionsausnahmen“ abgeschafft werden, dank denen einige Länder derzeit iranisches Öl kaufen dürfen, ohne Angst vor den US-Sanktionen zu haben.

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    Inzwischen liegt der Brent-Preis schon bei mehr als 74 Dollar, was zu bedeuten hat, dass die Marktteilnehmer die Perspektiven für die Abschaffung der „Sanktionsausnahmen“ ernst nehmen. Dadurch entstehen aber sehr gute Perspektiven für russische Ölunternehmen und für die russische Staatskasse.

    Denn allein dank dem so genannten OPEC+Russland-Deal hat Moskau mindestens fünf Billionen Rubel (ein Euro kostet aktuell 71,50 Rubel) verdient, und Präsident Trump tut gerade sein Bestes, damit die Preise noch mehr in die Höhe schießen, ohne dass die OPEC und Russland die Ölförderung zusätzlich beschränken. Wenn dieses informelle Bündnis seine Ehrenauszeichnungen hätte, dann hätte der US-Staatschef einen Orden verdient, denn niemand hat für die Förderung der Ölpreise mehr als er getan. Ohne seine Versuche, Venezuela und den Iran um jeden Preis in die Knie zu zwingen, hätte es den aktuellen Preisanstieg nicht gegeben.

    US-Medien wie „Washington Post“ und Bloomberg zitieren in letzter Zeit diverse „hochrangige Quellen“ im Außen- und im Finanzministerium, denen zufolge die Trump-Administration damit rechnet, dass die OPEC-Länder „das Defizit decken werden“, das auf dem Weltmarkt wegen der Abschaffung der „Sanktionsausnahmen“ entsteht.

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    Vorerst müssen die Ölmarktteilnehmer die noch nicht bestätigten Informationen „verdauen“, dass Washington bereits entsprechende Garantien von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten hätte. Das behauptete jedenfalls Bloomberg unter Berufung auf eine Pressemitteilung des Weißen Hauses.

    Aber dieses zweifellos vernünftige Schema hat einige Schwachstellen, die den eleganten Plan zum Druck auf den Iran in eine richtige Wirtschaftsfalle für die USA selbst verwandeln könnten. In der Pressemitteilung des Weißen Hauses geht es nur um die Absicht, ein „angemessenes Angebot“ auf dem Ölmarkt zu sichern, und das ließe sich ganz unterschiedlich deuten – der Preis könnte immerhin zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel liegen.

    Die erste Schwachstelle der neuen antiiranischen Strategie besteht darin, dass die OPEC-Länder, die der Trump-Administration angeblich etwas garantiert haben, ihr Wort unter Umständen nicht halten können. Wenn man das Kind beim Namen nennt, hatte der US-Präsident die OPEC im vorigen Jahr in einer ähnlichen Situation einfach reingelegt, als er zunächst scharfe Sanktionen gegen Teheran versprach, und die OPEC die Ölförderung aufstockte, dann aber die erwähnten „Sanktionsausnahmen“ für die größten Verbraucher des iranischen Öls machte. Das führte zu einem regelrechten Einsturz der Ölpreise – und zu milliardenschweren Verlusten für die OPEC-Mitglieder.

    Besonders schmerzhaft war das für viele Ölexporteure, weil sie fast alle (Russland ist glücklicherweise kein OPEC-Mitglied) nur bei Ölpreisen von mindestens 80 Dollar pro Barrel einen ausgeglichenen Haushalt haben können. Es wäre naiv, zu glauben, dass die wichtigsten OPEC-Länder diesen Betrug vergessen haben und zulassen werden, dass Trump seinen vorjährigen Trick wiederholt.

    Mehr noch: Das Ölkartell gehorcht nicht mehr Washington und weigerte sich schon öfter, die Ölpreise zu senken, egal, was der US-Präsident, für den die Unterdrückung der Ölpreise (und dementsprechend der Benzinpreise in seinem Land) inzwischen eine fixe Idee und ein wichtiges Zeichen für seinen außenpolitischen Einfluss geworden ist, auf Twitter schrieb.

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    Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende entweder die OPEC oder die Teilnehmer des OPEC+Russland-Deals tatsächlich entscheiden, das iranische Öl, das vom Markt verdrängt wird, vollständig oder teilweise zu ersetzen. Aber das wird höchstwahrscheinlich erst dann passieren, wenn die Effizienz der verschärften Sanktionsstrategie der USA offensichtlich wird. Trumps Problem ist, dass die Ölpreise zu diesem Zeitpunkt weit über 80 Dollar liegen werden.

    Zu den Schwachstellen der antiiranischen Strategie Washingtons gehört auch das Risiko von Konflikten mit solchen wichtigen Verbrauchern des iranischen „schwarzen Goldes“ wie die Türkei, Indien und China. Denn voraussichtlich werden sie und auch Italien, Griechenland, Japan, Südkorea und Taiwan ihre jetzigen „Sanktionsvergünstigungen“ verlieren. Aber damit sind schon jetzt Probleme entstanden.

    Laut Reuters besteht Indien auf Verhandlungen mit den USA, damit diese „ihren Verbündeten erlauben, gewisse Ölmengen doch im Iran zu kaufen“.

    Ölraffinerie von Citgo in Illinois, USA (Archivbild)
    © AFP 2019 / SCOTT OLSON / GETTY IMAGES NORTH AMERICA
    Mit China könnte die Situation noch schwerer werden: Peking ist aus dem „Iran-Deal“ nicht ausgetreten, und der Verzicht auf die billigen Öllieferungen aus der Islamischen Republik wegen des US-Drucks (zudem führen Washington und Peking einen Handelskrieg gegeneinander) könnte von vielen als totale Niederlage wahrgenommen werden. Das macht die Wahrscheinlichkeit, dass sich China den antiiranischen Sanktionen der Amerikaner anschließt, noch geringer.

    Die Türkei ist in diesem Sinne ein weiterer „Problemfall“ für Trump: Ankara kauft nicht nur Erdöl im Iran, sondern will auch russische S-400-Luftabwehrraketen erwerben, was sich Washington nicht gefallen lässt. Die Türken befinden sich in einer schweren Wirtschaftssituation und wollen ebenfalls nicht auf das billige iranische Öl verzichten. Angesichts dessen könnten sie eher eine weitere Zuspitzung der Beziehungen mit Washington akzeptieren.

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    Selbst wenn das von den Amerikanern verkündete Ziel, „den iranischen Ölexport zu minimieren“, nicht vollständig erreicht wird, könnte der Ausbau des Sanktionsdrucks auf Teheran zu einem wichtigen Faktor werden, der den Ölpreisanstieg beeinflussen würde. Angesichts dessen muss man einräumen, dass die sehr riskante und verantwortungslose Politik Washingtons für Russland sehr günstig ist. Präsident Trump ist eine Art „Perpetuum Mobile“ der Sanktionen, und Moskau muss nur jedes Mal den richtigen Weg finden, wie es dessen große Energie und seine Machtgier ausnutzen kann.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Iran, Sanktionen, Türkei, China, Ölpreise, Donald Trump, OPEC, Öl, zahlen, Geld, Ölmarkt, Russland, USA