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22:16 19 August 2019
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    US-Präsident Donald Trump (Archivbild)

    Wenn Trump geht, wird Amerika nie mehr so sein wie früher

    © AFP 2019 / SAUL LOEB
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    Dmitri Kosyrew
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    Die aktuelle Politik der USA ist natürlich die furchtbarste aller Zeiten. Aber irgendwann werden Präsident Donald Trump und sein Team das Weiße Haus verlassen – doch wie geht es dann weiter? Könnte es dazu kommen, dass bis dahin eine Situation entsteht, die nicht wiedergutzumachen sein wird, und Amerika wird nicht mehr das alte sein?

    Diese Idee wurde neulich im US-Fachmagazin „Foreign Affairs“ zum Ausdruck gebracht. Der Autor des entsprechenden Beitrags ist Daniel Drezner, ein Republikaner, der aber Trump mehr als viele Demokraten hasst. Den Präsidenten nennt er beispielsweise eine Person mit intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten eines Kindes, das sich plötzlich am Steuer eines Ferrari-Fahrzeugs wiedergefunden habe, usw.

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    Mit Professor Drezner von der Fletcher School of Law and Diplomacy an der Tufts University kann man ja nur mitleiden. Er bringt seinen Studenten seit jeher bei, dass Diplomatie eine Aufgabe für große Profis ist und dass die USA ein Land mit einer einmaligen Position in der Welt sind. Was aber Trump als Präsident tut, widerspricht diesen Thesen total.

    Dem Staatschef wirft Drezner vor, die Verbündeten der USA zu beleidigen, Handelskriege zu führen, die der amerikanischen Wirtschaft nur schaden, aus vielen internationalen Abkommen ausgetreten zu sein usw. Er verweist darauf, dass Trumps Berater für internationale Beziehungen sich viel Mühe geben, Geschäfte abzuwickeln, bevor ihr Chef diese Geschäfte auf Twitter sabotiert, usw. usf. Und noch flüchten etliche Diplomaten aus dem US-Außenministerium, die nicht verstehen können, was man von ihnen verlange, ergänzte der Autor.

    Von außen sieht die US-Außenpolitik  unverständlich, wild und unfreundlich aus, aber es stellt sich heraus, dass auch viele Amerikaner sie furchtbar finden.

    Oder vielleicht übertreiben Drezner und seine Gleichgesinnten, und alles ist doch nicht so schlecht?

    Es ist immerhin allgemein bekannt, dass Amerika allein nach dem Zweiten Weltkrieg im außenpolitischen Bereich öfter scheiterte – wegen seiner militärischen, politischen oder auch inneren Probleme.

    Erwähnenswert ist in diesem Kontext beispielsweise das arabische Ölembargo von 1973, als die Ölpreise um das Vierfache in die Höhe schossen, nachdem die USA Israel während des Jom-Kippur-Kriegs unterstützt hatten. Aber die Vereinigten Staaten blieben auch danach die größte Wirtschaft der Welt, und auch das westliche Länderbündnis fiel nicht auseinander. Und Washington hat immer noch etliche Verbündete im Nahen Osten.

    Ein anderes krasses Beispiel dieser Art war der Vietnam-Krieg. Er endete für die Amerikaner mit einer blamablen Niederlage, mit der Flucht ihrer Militärs und Diplomaten aus Saigon und mit dem Verlust der Einflusskraft und vieler Militärstützpunkte in ganz Asien. Zudem wurde die amerikanische Gesellschaft selbst durch diesen Krieg tief gespalten. Aber schon in den 1980er Jahren fand sich niemand, der sagen würde, die USA wären keine Supermacht mehr.

    Und noch früher hatte es die Weltwirtschaftskrise von 1929 gegeben, aber die USA haben sie erfolgreich überwunden und 1945 Großbritannien als Großmacht Nummer eins abgelöst.

    Venezuelas Präsident Nicolas Maduro (Archivbild)
    © Sputnik / Stringer
    Doch jetzt sagt Professor Drezner: Ja, die Krisen von damals haben wir überlebt, aber diese werden wir nicht mehr in den Griff bekommen. Zwar werde irgendwann ein „normaler“ Präsident an die Macht kommen und die jetzigen Trümmer räumen, aber er könnte dabei auch scheitern, denn Amerika werde in absehbarer Zeit ein schwacher und nebensächlicher Staat bleiben, der alle seine Verbündeten verloren habe.

    Laut Drezner ist daran die amerikanische Demokratie schuld. Zwar sagt der Autor das nicht direkt, aber dies kann man zwischen den Zeilen lesen.

    Nach seiner Auffassung waren amerikanische Wähler viel zu lange von der absoluten Dominanz ihres Landes in der internationalen Arena überzeugt und interessierten sich immer weniger für die Weltpolitik – und hielten es für normal, einen solchen Präsidenten und solche Kongressmitglieder zu wählen, die sich in der Außenpolitik ebenfalls nicht auskennen.

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    Aber selbst wenn der Traum der Demokraten in Erfüllung gehen sollte – wenn sie Trump die Vollmachten zur Repräsentation der USA in der internationalen Arena wegnehmen und dem Kongress überlassen, wird sich die Situation nicht unbedingt verbessern, weil die Kongressmitglieder von der Weltpolitik ebenfalls keine Ahnung haben.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Wirtschaft, Folgen, Vietnamkrieg, Außenpolitik, Donald Trump, USA