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    Kim Jong-un und Wladimir Putin beim Zweier-Gipfel in Wladiwostok

    Millimeterarbeit mit launischem Koreaner: Putin macht es besser beim „Schurkengipfel“

    © REUTERS / Pool / Alexander Zemlianichenko
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    Liudmila Kotlyarova
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    In Wladiwostok ist das erste Treffen der Staatschefs Russlands und Nordkoreas bereits vorbei. Sputnik erzählt, warum es ein wichtiger Meilenstein für die künftige Sicherheit in der Region ist und welche Interessen die beiden Länder da vertreten.

    Launisch scheint der nordkoreanische Machthaber, dieser Kim Chung Un, zu sein. Zwar kann er die Verhandlungen unterbrechen und die Tür lautstark hinter sich zuknallen – wie es auf dem letzten Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Vietnam passierte. Doch auch er mag die Grenze der Psychose nicht überschreiten wollen und kann, wenn es dies braucht, ganz lieb und freundlich wirken.

    Kaum kann er auf die naiven US-Forderungen eingehen und auf das Atom-Programm verzichten: Schließlich lässt er die anderen genau dank diesem Programm auf sein kleines Land Rücksicht nehmen. Doch er muss manövrieren. Dass er nun die russische Gastfreundschaft offen genießt und heller als die Türgriffe seines Autos strahlt, dürfte ein Zeichen für das Gastland, aber auch für Trump sein – Schau mal, Nordkorea hat einflussreiche und zuverlässige Partner, die Welt ist nicht auf Washington fixiert! Und Kim muss sich doch um die Sicherheit der koreanischen Halbinsel kümmern.

    Erster Schritt für die Sicherheit in der Region

    Dreimal im letzten Jahr hat er sich deswegen mit dem südkoreanischen Anführer Mun Zhe Ying getroffen, dazu noch viermal mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und zweimal mit Trump. Mit Wladimir Putin hat er sich überhaupt das allererste Mal getroffen – obwohl Russland ebenso an Nordkorea grenzt.

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    Was die hysterische Springerpresse sofort als „Schurkengipfel“ abstempelt, ist doch ein erster Schritt für eine bessere Sicherheit in der Region, selbst wenn weder offizielle Dokumente unterschrieben worden sind noch eine gemeinsame Erklärung abgegeben wurde.

    So bestanden die beiden Machthaber auf der Notwendigkeit einer friedlichen Lösung des Konfliktes zwischen Pjöngjang und Seoul sowie auf der Denuklearisierung der Halbinsel. Dies sei notwendig, so Putin, um die Kraft des Völkerrechts wiederherzustellen, wobei man auf das „Recht der Faust“ verzichte. Es gebe keine Alternative zur friedlichen Lösung des Atomproblems. Falls nötig, würde Russland auch die alten Sechs-Parteien-Gespräche willkommen heißen – mit USA, Russland, China und Japan. „Wenn es (Nordkorea) sich mit den Garantien der USA oder des südlichen Nachbarns Südkorea begnügt, wäre das schon gut“, so Putin. Den Journalisten gegenüber sagte er dann: „Wir alle müssen über die Sicherheitsgarantien für Nordkorea nachdenken“; alles was sie bräuchten, seien Sicherheitsgarantien.

    „Die Stärke, meine Seele und die Seele unseres Volkes“

    Übrigens wurde bei dem Treffen das Projekt einer Eisenbahnstrecke zwischen Nord- und Südkorea besprochen, die mit Russland in Verbindung stehen könnte. Dies wären sowohl eine direkte Verbindung zwischen Süd und Nord mit Zugang zur Transsibirischen Eisenbah als auch die Verlegung einer Pipeline für Öl und Gas. Laut Putin wäre es außerdem möglich, über den Bau einer Stromleitung zu sprechen.

    Der nordkoreanische Staatschef hat seinerseits die Beziehungen zwischen Pjöngjang und Moskau als „unschätzbaren Eigentum der Völker der beiden Länder“ bezeichnet. Als Geschenk überreichte Kim Putin ein kostbares Schwert. „Dies ist ein Geschenk, das ich für Sie vorbereitet habe. Das Schwert personifiziert die Stärke, meine Seele und die Seele unseres Volkes, die Sie unterstützt“, sagte er dabei. Putin dagegen gab ihm eine Münze und erklärte, dass es für Russen nicht üblich sei, Waffen als Geschenk anzunehmen, man müsse dafür zumindest ein wenig bezahlen.

    „Ansatz ‘Denuklearisierung gegen Sanktionenabbau’ von Anfang nicht gleichwertig“

    Wie der Vorsitzende des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik und Spitzenexperte für Geopolitik, Fjodor Lukjanow, in seiner Stellungnahme zum Gipfel betont, würde Nordkorea auf seinen einzigen Trumpf verzichten müssen, wenn es auf die Erfordernisse der USA und der Weltgemeinschaft eingehen würde. Es gehe aber darum, dass es in der modernen Welt keine Garantien gebe, auf die man sich verlassen könnte. 

    v.l.n.r.: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Präsident Xi Jinping
    © REUTERS / Philippe Wojazer
    Der Experte verweist darauf, dass die USA dies im Kaddafi-Fall in Iran bestätigt hätten und der Ansatz „Denuklearisierung gegen Sanktionenabbau“ von Anfang an nicht gleichwertig sei. Müsse Pjöngjang denn etwas Nichtrückwirkendes tun – gegen eine Unterschrift, die man jederzeit verleugnen könnte? 

    Moskau seinerseits würde sich auf jede beliebige Konfliktregulierung in der Region freuen, außer einer militärischen, so Lukjanow. Russland brauche Entspannung und den Übergang der Situation in eine pragmatische, für die wirtschaftliche Interaktion günstige Phase. Das Modell würde keine Rolle spielen, Hauptsache, es sei ein neues und friedliches.

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    Der Leiter des Zentrums für asiatische Strategien der Russischen Akademie der Wissenschaften, Georgi Toloraia, schreibt in seinem Artikel „Koreanische Halbinsel: Kommt ein Krieg?“ für Lukjanows Fachzeitschrift „Russland in der Globalpolitik“: „Russland ist an Normalisierung (…) aus vielen Gründen interessiert: „Erstens würde die Wahrscheinlichkeit von Konflikten sowie die des Wettrüstens damit sinken. Zweitens wäre die Chance für die USA, ihre Präsenz in der Nähe der russischen und chinesischen Grenzen zu verstärken, geringer.“ Was weiter zähle, seien dreigliedrige Projekte unter Beteiligung Russlands, Nord- und Südkoreas (Eisenbahn- und Logistikinfrastruktur, Öl- und Gaspipelines, Stromleitungen) sowie Projekte mit China. Ein Durchbruch würde dann erreicht werden, wenn die USA anfangen würden, Nordkorea als legitimes Mitglied der internationalen Beziehungen zu behandeln.

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    Tags:
    Denuklearisierung, Gipfel, Südkorea, Nordkorea