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    Rosneft-Zentrale in Moskau (Archivbild)

    Warum Russlands Ölgigant Rosneft im Westen so verhasst ist

    © Sputnik / Michail Woskresenskij
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    Irina Alksnis
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    Am 23. April hat die Nachrichtenagentur Reuters eine Meldung vom 18. April korrigiert. Ursprünglich hatte sie darin behauptet, Venezuela würde sein Öl unter Umgehung der Sanktionen verkaufen. Pikant dabei sei: An diesem Schema würde sich der staatliche russische Ölkonzern Rosneft beteiligen.

    Nun musste Reuters aber einräumen, dass die Agentur „nicht eindeutig feststellen konnte“, ob das beschriebene Schema tatsächlich funktioniere, und präzisierte, dass „Experten keine Verletzung der Sanktionen sehen“.

    Reuters musste zurückrudern, nachdem Rosneft sehr heftig auf die vorige Meldung reagiert hatte. Die Russen bezeichneten diese Behauptungen als „Lüge“ und „Provokation“ und drohten, sich an die russischen Rechtsschutzorgane zu wenden, damit diese möglicherweise den „rechtswidrigen Aktivitäten“ der Nachrichtenagentur hierzulande ein Ende setzen.

    Man muss sagen, dass die Drohung des staatlichen Ölunternehmens, Reuters bei der Arbeit in Russland zu behindern, bei einigen politischen Kräften in Medien Skepsis und Sarkasmus hervorrief. Mit ihren giftigen Kommentaren meinten sie nämlich, Rosneft sehe dabei wie ein kleiner Hund aus, der „bellt, aber nicht beißt“. Aber die weitere Entwicklung der Situation bestätigte abermals ein anderes Sprichwort: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“ Es nun einmal so, dass sowohl Russlands äußere Opponenten als auch inneren Kritiker die Stärke des russischen Staates und der mit ihm verbundenen Strukturen nicht unterschätzen dürfen.

    Aber diese Geschichte hat einen weiteren wichtigen Aspekt, der die aktuelle Situation in der Welt betrifft: In den letzten Jahren haben viele einst respektierte westliche Massenmedien ihren guten Ruf zum großen Teil verloren. Und man muss ehrlich sagen: Reuters‘ Lügen über Rosneft waren nicht gerade überraschend – diese Nachrichtenagentur wurde in letzter Zeit öfter solcher „Fake News“ überführt.

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    Die Gründe für diese Situation sind eigentlich nachvollziehbar: Die politische Konfrontation (und zwar nicht nur auf der internationalen Ebene, sondern auch innerhalb vieler westlicher Länder) hat ein Niveau erreicht, wo de facto eine ganze Gruppe von Personen, aber auch von Organisationen entstanden ist, im Umgang mit denen es inzwischen keine moralischen bzw. ethischen Regeln gibt. Trump, Putin, Assad, Orban, AfD… Diese Liste lässt sich nahezu ewig fortsetzen.

    Auf dieser Liste steht eben auch Rosneft.

    In den letzten Jahren wird der staatliche Ölkonzern im Westen geradezu wie eine Inkarnation des Teufels dargestellt. Es gibt wohl keine solche Sünde oder Straftat, die Rosneft in dieser oder jener Form nicht vorgeworfen worden wäre. Deshalb stimmten die Reuters-Lügen durchaus mit dem allgemeinen Trend überein.

    Interessant ist aber ein anderer Moment: Dieses unverschämte Verhalten der westlichen Medien gilt nicht für einen anderen russischen Energiekonzern, der eine enorm wichtige Rolle beim Voranbringen der Interessen Moskaus in der internationalen Arena spielt: Gazprom.

    Das ist umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass der Westen etliche Einwände gegen den Gaskonzern hat und unter anderem mit dessen Erfolgen beim Bau von neuen Pipelines sowie mit seinen Aktivitäten auf dem globalen LNG-Markt unzufrieden ist. Westliche Medien reagieren darauf verärgert, aber ihre Berichte über Gazprom lassen sich nach dem Grad des Hasses mit den Berichten über Rosneft gar nicht vergleichen.

    Es stellt sich die logische Frage: Warum verhält sich der Westen so unterschiedlich gegenüber den zwei russischen Staatsunternehmen, die in derselben Branche tätig sind?

    Es geht vermutlich darum, womit sich Rosneft und Gazprom beschäftigen: um Öl und Gas.

    Russland ist schon seit gut 50 Jahren einer der größten Gaslieferanten der Welt, und Gazprom ist ein einflussreicher Akteur auf dem Gasmarkt und hat umfassende Kontakte mit westlichen geschäftlichen und auch politischen Kreisen. Die größten Konzerne der Welt gehören seit Jahrzehnten zu seinen Partnern. Zwar lässt man sich das im Westen nicht gefallen, aber auf dem Gasmarkt gilt Russland sozusagen als „ein alter, bekannter Teufel“.

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    Mit dem Erdöl ist die Situation aber ganz anders. Das „schwarze Gold“ war seit gut 50 Jahren eine der Schwachstellen der Sowjetunion bzw. Russlands. Das Land musste es in Großmengen importieren und gehörte nicht zu den einflussreichen Akteuren des Ölmarktes. Mehr noch: Die Kontrolle über die globalen Ölpreise blieb für den Westen ein wichtiges Instrument für den Druck auf seine geopolitischen Konkurrenten, und das spielte eine wichtige Rolle bei der Wirtschaftskrise in der UdSSR in den späten 1980er Jahren.

    Jetzt aber verändert sich die Situation gerade vor unseren Augen. Moskau nimmt dem Westen die Kontrolle über den globalen Ölmarkt ab: Unter anderem hat es sich unter Umgehung der USA mit der OPEC, vor allem mit Saudi-Arabien, geeinigt.  

    Hinzu kommt, dass, während Moskau auf dem Gasmarkt mit seinen traditionellen respektierten Partnern (Europa, China, Türkei, diversen Großunternehmen usw.) kooperiert, seine Opponenten auf dem Ölmarkt seine andere „Facette“ sehen: seine Cleverness und Abgebrühtheit, mit der es nach wie vor mit „Pariastaaten“ wie Iran, Venezuela oder Syrien kooperiert. Dabei werden alle formellen Regeln bzw. Verbote eingehalten, aber am Ende muss sich der Westen davon überzeugen, dass er wieder und wieder gescheitert ist, während die Russen immer neue Märkte erobern und immer einflussreicher werden.

    Die Schlüsselrolle spielt dabei gerade Rosneft. Es ist also kein Wunder, dass der Staatskonzern im Westen so verhasst ist. Denn er verkörpert das neue Russland, das für ihn „ein neuer und unbekannter Teufel“ ist.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Reuters, Iran, Gas, Gazprom, Sanktionen, Öl, Rosneft, Russland