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06:53 18 Juli 2019
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    Luftabwehrübungen in dem Iran (Archivbild)

    Beste PR für Abwehrsysteme aus Russland: USA drohen Iran mit „500 Raketen pro Tag“

    © AFP 2019 / HO / Iranian Army office
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    Iwan Danilow
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    Die Berater rund um Trump steuern geradewegs auf einen Krieg zu: auf den Krieg gegen Iran, ihr großes außenpolitisches Ziel. Medien in den USA bringen Insiderberichte darüber, wie die Washingtoner Falken diesen Krieg gewinnen wollen. Die Pläne der US-Hardliner dürften eine Hochkonjunktur in der russischen Rüstungswirtschaft auslösen.

    Aus der Geschichte haben die Radikalen im Trump-Kabinett offenbar gar nichts gelernt. Diesen Eindruck bekommt man, liest man in der „New York Times“ und im „Newsweek“ von deren Plänen. Viele im Weißen Haus glauben doch tatsächlich an die Möglichkeit, einen blitzschnellen Krieg gegen den Iran fast ohne Verluste zu gewinnen. Die Hardliner wollen das erwünschte Kriegsergebnis nicht einfach nur schnell, sondern buchstäblich binnen weniger Tage erreichen können.

    Irans Soldaten während der Parade (Archiv)
    © AP Photo / Iranian Presidency Office
    Logische Erklärungen für diesen übermäßigen Optimismus gibt es zwei. Entweder: Die Anhänger einer Gewaltoption in der Iran-Sache sind überzeugt, Teheran sei so schwach, dass ein Schlag genügen würde, um seine Kapitulation zu erzwingen. Danach würde die iranische Führung sich nicht mehr an der Macht halten können. Oder (das ist die schlüssigere Erklärung): Die Anhänger der Gewaltoption sind sich dessen bewusst, dass es keinen Blitzkrieg geben kann, doch müssen sie Trump um jeden Preis dazu bringen, einen Krieg anzufangen. Also lügen sie eine „Leichtigkeit“ und „Schnelligkeit“ des Krieges vor.

    Unverkennbar ist, dass das US-typische Vorkriegsschema gegenwärtig nicht wirkt. Normallerweise wäre im Vorfeld eines Krieges eine Hysterie aufgeblasen worden – mit Verweis auf „nachrichtendienstliche Informationen“, wonach vom künftigen Opfer der US-Aggression eine Bedrohung ausgehe. Doch bei allen Bemühungen der US-Medien und -Geheimdienstexperten sagen selbst Verbündete der Vereinigten Staaten (jene, die ihnen in Serbien, Libyen und im Irak bereitwillig halfen), dass Informationen über eine iranische Bedrohung durch nichts zu belegen sind.

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    Wenn selbst „The Guradian“ mit Verweis auf einen Anti-IS-Experten die Vorbereitungen Washingtons auf einen Iran-Krieg kritisiert, dann läuft es an der Informationsfront für die Amerikaner offensichtlich ganz und gar nicht so wie erwünscht. Die Bedrohung vonseiten iranischer Kräfte in Irak oder Syrien werde nicht größer, erklärte ein hochrangiger britischer General aus der US-geführten Anti-IS-Koalition laut der Zeitung. „Das steht im direkten Widerspruch zu den Behauptungen der USA, die dafür genutzt werden, die Verstärkung der Militärmacht in der Region zu rechtfertigen“, so „The Guardian“.

    Wie die Kapitulation Teherans in der Vorstellung der Falken erzwungen werden soll, beschreibt das „Newsweek“-Magazin: Unter den Optionen sei eine „mächtige Kampagne von Raketenschlägen“ – dies in der Absicht, Teheran an den Verhandlungstisch mit Washington zu drängen. „Wie stark der Iran sich auch gibt, wenn einer 500 Raketen pro Tag abbekommt, dann ist das ein großer Schaden für ihn, was ja auch das Ziel ist“, sagt ein mit den Plänen vertrauter Pentagon-Beamter laut „Newsweek“.

    Dass das Weiße Haus eine Gewaltoption vorbereitet, sagen einem schon der Verstand und die Erfahrung der letzten 30 Jahre – auch wenn die „Newsweek“-Quellen behaupten, dass Washingtons Vorgehen (inklusive der Verlegung von 120.000 US-Soldaten an den Persischen Golf) kein Anzeichen eines anstehenden Krieges sei.

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    Auch die einflussreiche und meist gut informierte „New York Times“ schreibt, das Weiße Haus versuche bewusst und absichtlich, den Konflikt auf die Spitze zu treiben – bis hin zur Gewalt: Ein Beamter, der anonym bleiben wolle, habe erklärt, „neue nachrichtendienstliche Informationen über die wachsende Bedrohung vonseiten Irans rechtfertigen keine Kriegsplanung, die von [Sicherheitsberater des US-Präsidenten – Anm. d. A.] Bolton betrieben wird.“ Zudem: Den Iran in einen Waffenkonflikt mit den USA hineinzuziehen, sei das Endziel der Sanktionspolitik gewesen, die die Trump-Regierung übers letzte Jahr verfolgt habe, sagte der Beamte laut „New York Times“.

    Jetzt könnte man annehmen, die Trump-Regierung sei in ihren Absichten von Öl-Interessen getrieben. Militäreinsätze gegen erdölexportierende Länder sind schließlich eine seit Jahrzehnten praktizierte Methode der Vereinigten Staaten. Doch in diesem konkreten Fall sind die Ursachen eher in der Politik zu suchen.

    Es war nicht nur die Unzufriedenheit des amerikanischen Volkes mit der Wirtschaftspolitik Obamas, die Donald Trump zum Amt des Präsidenten verholfen hat. Es war auch die konkrete Verpflichtung, die Iran-Sache radikal zu lösen, die Trump vorher auf sich genommen hatte. Das Versprechen einer radikalen Lösung war maßgeblich dafür, dass Trump von der Rüstungslobby und anderen obskuren Größen des amerikanischen Machtbetriebs Unterstützung erhalten hat.

    Offenbar ist es nun für Trump an der Zeit, die Rechnung zu begleichen. Und zwar ungeachtet dessen, dass ein Militäreinsatz gegen Iran schwere nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Probleme verursachen würde.

    Ein unausweichlicher Anstieg der Ölpreise ist eines der zu erwartenden Probleme. Nicht nur, weil iranische Exporte dann zurückgehen würden – in Gefahr wäre dann auch die Schifffahrt im Persischen Golf. Und: Als asymmetrische Reaktion auf die US-Aggression könnten proiranische Kräfte die Ölinfrastruktur in Saudi-Arabien angreifen.

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    Vielleicht aber wird die Aussicht einer schweren Energiekrise kurz vor dem Wahlkampf die Trump-Regierung doch noch stoppen. Wenn Washington jedoch wirklich glaubt, die Iran-Sache schnell und allein durch Raketenschläge erledigen zu können, dann werden wohl auch wirtschaftliche Risiken bei diesem Kriegskalkül ausgeklammert.

    Und noch etwas: Wie auch immer die Lage sich weiterentwickeln wird, schon jetzt müssten die russischen Hersteller von Flugabwehrsystemen der US-Regierung für die wirkungsvolle PR ihrer Wehrtechnik danken. Denn die Kriegsvorbereitungen gegen den Iran und die Reaktion Washingtons auf die Stationierung von S-300-Systemen in Venezuela vor Augen, denken sicherlich ganz viele Länder daran, sich so schnell wie möglich eine „russische Versicherung“ gegen die Exzesse der US-Außenpolitik zuzulegen. 

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    Tags:
    Krieg, Luftabwehrsysteme, Russland, Iran, USA