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04:07 13 November 2019
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    Politprominenz eröffnet den Kongress

    Russisch wieder im Trend – Internationaler Kongress bilingualer Schulen und Kindergärten

    © Sputnik / Armin Siebert
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    In der vielleicht schönsten bilingualen Schule mit russischer Sprache in Deutschland findet vom 19. bis 22. Mai ein internationaler Kongress statt. Mehr als 120 Träger und Leiter von bilingualen Schulen und Kindergärten aus etwa 50 Ländern tauschen sich über die Stellung der russischen Sprache in rauen politischen Zeiten aus.

    Gerade Berlin geht hier mit gutem Beispiel voran.

    Berlin-Marzahn – das sind nicht nur Plattenbauten. Draußen im Ortsteil Biesdorf kommt man sich vor wie in einem Naherholungsgebiet. Und die dortige Internationale Lomonossow-Schule erinnert eher an ein Landschulheim. Eingebettet in die großzügige Parkanlage des ehemaligen Griesinger Krankenhauses residiert die zweisprachige Schule in einem 125 Jahre alten Backsteinbau, der gerade erst aufwendig denkmalgerecht saniert wurde. Hier werden etwa 200 Kinder bis zur 10. Klasse von Muttersprachlern in kleinen Klassen zweisprachig unterrichtet. Der Ruf der Schule ist hervorragend. Regelmäßig belegen die Schüler vordere Plätze bei Wettbewerben. Das Schulgeld beträgt an dieser privaten staatlich anerkannten Schule zwischen 100 und 350 Euro im Monat – je nach Einkommen der Eltern. Auch trägt man an der Schule eine einheitliche Uniform.

    „In der Lage, Nachrichten von Lügen zu unterscheiden“

    An dieser Vorzeigeschule findet dieser Tage der II. „Internationale Kongress – Russisch im Kontext der Mehrsprachlichkeit“ statt. Die mehr als 120 Teilnehmer aus aller Welt wollen Erfahrungen austauschen und sich vernetzen. Zum ersten Mal hatte man sich 2016 in Berlin getroffen. Schon damals war Petra Pau dabei (Die Linke), in deren Wahlkreis Berlin-Marzahn sich die Schule befindet. Auch diesmal hielt die Vize-Präsidentin im Deutschen Bundestag und studierte Pädagogin die Eröffnungsgrußworte. Pau sagte: „In Zeiten, in denen Zwietracht und Hass gepredigt wird, halte ich Interkulturalität für umso wichtiger.“ Im anschließenden Sputnik-Interview ergänzte Pau:

    „Allein in meinem Wahlkreis leben 30.000 Menschen, deren ursprüngliche Muttersprache Russisch ist. Die Zweisprachigkeit stärkt das gegenseitige Verständnis für Kultur und Geschichte. Und die Schüler der Lomonossow-Schule werden sicher auch beruflich davon profitieren. Und wenn das dann noch dazu beiträgt, dass Menschen sich nicht nur über Grenzen hinweg verständigen können, sondern auch noch in der Lage sind, Nachrichten von Lügen zu unterscheiden, weil sie Texte eben in der Originalsprache lesen können, dann ist das wunderbar.“

    Petra Pau (Die Linke) und Alexander Ott, Koordinator der MITRA Lomonossow-Schulen
    © Sputnik / Armin Siebert
    Petra Pau (Die Linke) und Alexander Ott, Koordinator der MITRA Lomonossow-Schulen

    Muttersprache „ein großes Geschenk“

    Organisiert wird der Kongress in Marzahn von dem Verein Mitra. Dieser ist seit 25 Jahren in Berlin tätig, hat seitdem bereits zehn private bilinguale deutsch-russische Kindergärten eröffnet und betreibt seit 2006 die beiden Lomonossow-Schulen. Der Verein unterstützt Kinder mit Migrationshintergrund Kinder bei der Integration in das deutsche Schulsystem und setzt sich aktiv für den interkulturellen Dialog ein.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: 22. deutsch-russische „Potsdamer Begegnungen“ in Berlin: Konstruktiv mit Sticheleien<<<

    Der Einladung nach Berlin sind Leiter sowie Schul- und Kindergartenträger aus Russland, Europa, Amerika, Asien und dem Nahen Osten. In einer Videopräsentation zu Beginn des Kongresses wurde die Arbeit von bilingualen Schulen und Kindergärten mit russischer Sprache aus aller Welt vorgestellt. Viele davon befinden sich in ehemaligen Sowjetrepubliken wie Georgien oder Kasachstan, aber auch in Israel oder sogar in Argentinien oder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch die Arbeit diverser russisch-deutscher Vereine wurde präsentiert.

    Internationaler Kongress bilingualer Schulen und Kindergärten
    © Sputnik / Armin Siebert
    Internationaler Kongress bilingualer Schulen und Kindergärten

    Regina Kittler, die für Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt und ebenfalls selbst Lehrerin ist, verwies in ihrem Grußwort darauf, dass in Berlin Menschen aus rund 200 Nationen leben. Der Erhalt der Muttersprache sei dabei „ein großes Geschenk“ und sollte entsprechend politisch gefördert werden, so die Abgeordnete.

    Ein herzerwärmendes deutsch-russisches Kulturprogramm, vorgetragen von Schülern der Internationalen Lomonossow-Schulen, rundete die Eröffnung des Kongresses am Montag ab.

    In Berlin Russisch von der 1. Klasse bis zum Abitur

    An der Lomonossow-Schule werden alle Fächer in Russisch und Deutsch unterrichtet. An weiteren 19 Gymnasien und 21 Integrierten Sekundarschulen beziehungsweise Gemeinschaftsschulen in Berlin wird Russisch als zweite Fremdsprache gelehrt. Russisch wird auch an ausgewählten Oberstufenzentren und in den Waldorfschulen ab der 1. Klasse angeboten. An der Staatlichen Europaschule Berlin wird die Hälfte der Sachfächer in Russisch unterrichtet und auch ein bilinguales Abitur ermöglicht.

    Kulturprogramm der Schüler
    © Sputnik / Armin Siebert
    Kulturprogramm der Schüler

    Insgesamt Zahlen leicht rückläufig

    Insgesamt lernen aktuell gut 100.000 Schüler in Deutschland Russisch. Von Bundesland zu Bundesland gibt es dabei große Unterschiede. So gab es im Schuljahr 2012/2013 im Saarland ganze 30 Russischlernende, während es in Sachsen 21.988 waren. Insgesamt wird Russisch in Ostdeutschland von circa 80.000 Schülern gelernt. Die Zahlen sind allerdings leicht rückläufig. In den neuen Bundesländern, wo Russisch in der DDR Pflichtfach an allen Schulen war, gingen die Zahlen nach der Liberalisierung des Schulsystems und der Einführung anderer Fremdsprachen verhältnismäßig stark zurück. In Westdeutschland nahm die Zahl der Russischschüler nach der Aufnahme von circa 2,5 Millionen Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren zu.

    Internationale Lomonossow-Schule in Berlin-Mahrzahn
    © Foto : Internationale Lomonossow-Schule Berlin
    Internationale Lomonossow-Schule in Berlin-Mahrzahn

    Thema des internationalen Kongresses in Berlin wird die Förderung der russischen Sprache im Ausland sein. Im Rahmen der viertägigen Veranstaltung tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen in bilingualen Bildungseinrichtungen aus. Auch innovative Bildungskonzepte sowie die Zusammenarbeit der Bildungsorganisationen mit lokalen Politikern und Behörden sind Themen des Kongresses.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: MdB Alexander Neu in Moskau: „Deutschland hat kein Recht, von oben auf Russland zu schauen“<<<

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    Tags:
    Kasachstan, Sowjetunion, Integration, Kindergarten, Geschichte, Kultur, Die LINKE-Partei, Petra Pau, Unterricht, Muttersprache, Trend, Sprache, Russisch, Schulen, Kongress, Deutschland, Berlin