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08:58 22 Oktober 2019
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    US-Unternehmen Google (Symbolbild)

    Google verbannt Huawei: Das ist erst der Beginn

    © REUTERS / Hannah Mckay
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    Die USA haben die Konfrontation mit China verschärft, indem der Konzern Huawei und 70 mit ihm verbundene Unternehmen auf eine schwarze Liste wegen „Tätigkeiten, die der nationalen Sicherheit widersprechen“, gesetzt wurden. Als Folge stellten diverse US-amerikanische IT-Firmen wie etwa Intel die Kooperation mit dem chinesischen IT-Riesen ein.

    Die wichtigste Nachricht ist allerdings, dass sich Google ebenfalls den Sanktionen anschloss. Bereits in einigen Tagen wird es keine Android-Updates auf den Huawei-Geräten mehr geben. Die nächste Generation der Huawei-Handys soll keinen Zugang zum Google-E-mail-Anbieter Gmail, App-Plattform Google Play Store sowie Google Chrome und Karten erhalten.

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    Um das Ausmaß dieser Aktion zu begreifen, sollte man einen Blick auf die globalen Verkaufszahlen im ersten Quartal dieses Jahres werfen.

    In den ersten drei Monaten blieb Huawei nicht einfach weiterhin auf Platz zwei auf dem Markt, sondern näherte sich direkt dem Spitzenreiter an. Auf Samsung entfallen 23,1 Prozent auf dem Markt, Huawei baute seinen Anteil von 11,8 auf 19 Prozent aus. Apple verzeichnete übrigens einen Rückgang von 15,7 auf 11,7 Prozent.

    Auf dem schwere Zeiten durchlebenden Smartphone-Markt (allgemeiner Rückgang der Verkaufszahlen – 6,6 Prozent) ist Huawei der einzige Akteur, der ein Wachstum von 50,3 Prozent im Jahresausdruck zeigte, wobei 59,1 Mio. Smartphones verkauft wurden.

    In dieser Situation versetzen Probleme mit Google einen extrem schweren Schlag auf das Huawei-Geschäft. Bereits in der nächsten Zukunft könnte es zum massiven Verzicht auf chinesische Smartphones (nicht nur Huawei, sondern auch Xiaomi, das auf dem vierten Platz in der Welt liegt – wegen der sich vertiefenden chinesisch-amerikanischen Auseinandersetzungen) und Wechsel zu Konkurrenten geben.

    Mit dem Schlag gegen Huawei löst Washington nicht nur politische Aufgaben, sondern leistet auch große Unterstützung für das US-Geschäft. Es handelt sich in der erster Linie natürlich um Apple, das mit Verbesserung der Finanzkennzahlen und in der Zukunft mit der Rückkehr auf Platz zwei auf dem globalen Markt rechnen kann.

    Zugleich wurde der Mythos über OS Android als Bollwerk der Software, die frei von Einschränkungen und Hindernissen ist, zerstört. Der jetzige Beschluss von Google bestätigte prosaische Realität.

    Nun bleibt es nur zu beobachten, wie Huawei den Ausschluss aus dem weltweit wichtigsten OS für Smartphones überwinden wird. Auch wenn das chinesische Unternehmen zu einem eigenen OS greift, wird es die Probleme mit den gefragten Google-Diensten nicht lösen.

    Bekannt ist, dass der Internetriese Google in Peking fast nicht tätig ist. Der Grund ist, dass der US-Konzern die frühere Runde des Kampfes verloren hat.

    Google stieg auf den chinesischen Markt Mitte der Nulljahre ein. Nach einigen Jahren kontrollierte die Firma mehr als ein Drittel des Suchmaschinenmarkts des Landes, erfüllte fleißig die Forderungen bezüglich der Zensur gemäß den lokalen Gesetzen.

    In der zweiten Jahreshälfte 2009 gab es innerhalb mehrerer Monate zahlreiche Cyberangriffe auf US-Unternehmen, darunter solche bekannte wie Yahoo, Morgan Stanley, Adobe Systems u.a. Diese Ereignisse blieben in der Geschichte als Operation Aurora. Das Geschehene wurde Hackern vorgeworfen, die angeblich mit chinesischen Behörden und Militärs in Verbindung standen.

    Google, das ebenfalls betroffen wurde (während der Untersuchung wurde die Vermutung geäußert, dass Böswillige den Zugang zu Gmail-Accounts chinesischer Dissidenten bekommen wollten), veröffentlichte Anfang 2010 Informationen über Cyberangriffe und kündigte an, es werde sich nicht mehr an die Zensur-Politik auf dem chinesischen Markt halten.

    Darauf folgten öffentliche Klärungen der Beziehungen zwischen Peking und Google, die Amerikaner fürchteten sich nicht, auf Konfrontation zu gehen und erlaubten sich ziemlich harte Aktionen. Letzten Endes wurden die wichtigsten Produkte und Dienste (Gmail, YouTube, Karten u.a.) in China blockiert, das Unternehmen stieg aus dem Markt aus.

    Bemerkenswert ist, dass Google damals, in der ersten Hälfte der 2010er-Jahre aktiv romantische Ideen eines direkten Zusammenhangs zwischen Fortschritt und Freiheit vertrat. Anschaulich ist in diesem Sinne das bekannte Interview vom damaligen Vorstandschef Eric Schmidt im Jahr 2012, wo er den Zusammenbruch des Großen Firewall von China und sogar des politischen Regimes im Lande unter einem ununterbrochenen Druck der technologischen Innovationen prognostizierte.

    Anscheinend glaubte Google, dass Peking im Ergebnis aufgibt und zurückkommt.

    Doch die Realität erwies sich als absolut anders. Auf die 2010er-Jahre entfiel der riesige technologische Durchbruch Chinas, dessen Hauptsymbol gerade Huawei wurde, das im Rekordtempo die Welt eroberte.

    Damit sind in aktuellen Google-Handlungen nicht nur erzwungene Maßnahmen unter Druck der eigenen Regierung, sondern auch das Streben zu erkennen, sich an China für die eigene Dummheit zu rächen, als die Korporation den weltweit größten Internetmarkt verlor.

    Allerdings kann nun die Rhetorik von Google über Freiheit, Demokratie und Unzulässigkeit von Zensur wohl niemanden mehr täuschen.

    Es bestehen auch keine Zweifel daran, dass es erst der Beginn des Prozesses ist, der im Ergebnis zur Teilung des nur kurz bestehenden globalen Systems in Welt-Wirtschaften führen wird.

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