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02:48 16 Oktober 2019
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    Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock

    Wird Annalena Baerbock die nächste Kanzlerin?

    © AFP 2019 / dpa / Jan Woitas
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    Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock profiliert sich im Blick auf die Groko-Krise immer mehr als eine regierungsfähige Politikerin. Die markante Anti-AKK-Bewegung schließt eine Nicht-Union-Kanzlerin ebenso nicht mehr aus. Sollten die Volksparteien sich nicht zusammenreißen, hätte sie gute Chancen auf die Kanzlerschaft. Ein Kommentar.

    Die von den Eliten einst umworbene CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist als Kanzlerkandidatin vorläufig gescheitert. Kaum jemand nimmt sie wohl noch als adäquaten Merkel-Ersatz wahr. Mit ihrer skurrilen Forderung nach „Abschreckung“ gegen die Blogger stößt die Frau nun bei der Jugend auf Ablehnung, im  Bürgertum längst wohl auf Desinteresse. Knapp zwei Drittel der Deutschen halten sie laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid nicht für die Richtige, um ihre Partei in die Zukunft zu führen. Demnach trauen 62 Prozent der Befragten der Saarländerin nicht zu, die Union wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Geschweige denn von der Kanzlerschaft.

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    Nun demonstrieren auch die Wirtschaftsleute für sie nichts Weiteres als Befremden. „Das schlechte Wahlergebnis bei der Europawahl kommt nicht aus heiterem Himmel, ist Folge der inhaltlichen Entkernung seit über einem Jahrzehnt“, kommentierte Familienunternehmerin Astrid Hamker im heutigen „Handelsblatt“. Martin Richenhagen, Vorstandschef eines der größten Agrartechnik-Konzerne der Welt, AGCO, kommentierte seinerseits gegenüber Gabor Steingart, er halte Annegret Kramp-Karrenbauer weder für visionär noch erwarte er von ihr unglaubliche Impulse. „Ich hatte nicht den Eindruck, als wollte sie was hören oder was lernen. Sie redet mehr, als dass sie zuhört.“ Den Aufstieg der Grünen begleitet er dabei mit Neugier. Die „interessieren sich für die Wirtschaft“, er könnte sich also einen grünen Bundeskanzler oder eine grüne Bundeskanzlerin vorstellen“. Eine wie die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock?

    Sie ist diejenige, die sich für Neuwahlen bei Scheitern der Groko ausspricht. Die Grünen seien nicht das Reserverad, das einfach so einspringe, sagte sie gegenüber ZDF-„Morgenmagazin“. In der jüngsten Insa-Umfrage kassierten die Grünen nach der Europawahl sechs Punkte mehr und kamen auf 25 Prozent, was nur ein Punkt weniger als CDU/CSU (26 Prozent) und der höchste jemals von Insa für die Grünen ermittelte Wert ist. Die Sozialdemokraten landeten dabei nach der Rücktrittsankündigung von SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles bei nur 14 Prozent.

    Ob Baerbock Kanzlerin werden möchte, will die Frau erst nach den Beratungen des Parteivorstands gefragt werden. Allerdings sagt sie schon: „Ich habe auf vieles Lust.“ Aber die Menschen würden sie nicht dafür wählen, dass sie die Kanzlerfrage stellen würden, sagt sie. Ihre Partei sei auch deswegen erfolgreich, weil sie nicht um sich selbst kreise. Die 38-jährige weiß gegen die müde wirkende Groko frisch und bevölkerungsnah aufzutreten, indem sie mehrfach betont, die Bundesregierung müsse Politik machen, anstatt um sich selbst zu kreisen. Übrigens: „Wir wollen Dinge nicht nur verwalten, wir wollen sie verändern, aber im Bundestag sind wir gerade Oppositionspartei.“ Es gehe den Grünen nicht nur um den Klimaschutz, sondern auch um Soziale Gerechtigkeit und Kinderarmut. Die Kohleausstiegsgesetze habe man schon in den Bundestag eingebracht. Man sei also kein Reserverad.

    Es gibt ja noch den Bundesvorsitzenden der Grünen, den 49-jährigen Philosophen und Schriftsteller Robert Habeck. Von den männlichen Journalisten wird er oft als charismatischer Superstar gefeiert. Klar hat er anders als Baerbock die Regierungserfahrung, weil er in Schleswig-Holstein rund sechs Jahre lang Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Energiewende war. Doch Baerbock, die Völkerrechtlerin, scheint bei manchen Auftritten ausgewogener zu sein, weiß sich zu beherrschen. Habeck dagegen ist manchmal schludrig und unkonzentriert und macht Fehler, wie etwa in einem Twitter-Video, in dem er Bayern und Thüringen offenbar abspreche, demokratisch zu sein. Es hagelte Spott und Häme, so dass Habeck sein Twitter-Profil habe löschen müssen.

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    Es gibt wohl noch einen Grund, warum die Grünen sich für Baerbock entscheiden könnten: Feminismus. Auf dem „Zukunftskongress“ der grünen Frauen im September 2018 in Leipzig wurde Feminismus als Programm gefeiert. Die grünen Frauen wollen also den feministischen Aufbruch in der Gesellschaft nicht verpassen und in die Partei holen. Kurz vor dem Frauentag im März richtete die Grünen-Chefin Baerbock einen Appell an alle Frauen. Sie forderte ein feministisches Jahrzehnt - im Jahr 2030 soll die Hälfte der Macht den Frauen gehören. Ob sie erst den persönlichen Machtanspruch vorantreiben würde?

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Volksparteien, Machtkampf, EU-Wahlen 2019, Bündnis 90/Die Grünen, Die Grünen, Deutschland, CDU, Bundeskanzlerin, Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer