03:09 16 Dezember 2019
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    Geheimes Treffen: Schmiedet US-Elite an neuer Weltwirtschaftskrise?

    © REUTERS / Damir Sagolj
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    In den USA berichten Medien über ein geheimes Treffen zwischen hochrangigen Beamten des US-Finanzministeriums und des Federal Reserve System (US-Notenbank), in dessen Mittelpunkt das Thema „toxische Schulden“ gestanden haben soll. Dadurch könnte eine neue Weltfinanzkrise ausgelöst werden, die mit der in den Jahren 2008 und 2009 vergleichbar wäre.

    Nach Angaben der Online-Zeitung “TheStreet.com” fand das besagte Treffen am 30. Mai statt, und seine Teilnehmer sprachen dabei „über einen wesentlichen Zuwachs korporativer Schulden in den vergangenen zehn Jahren“. Dieser Trend lasse sich größtenteils auf die Aktivitäten von Unternehmen mit schlechter Kreditwürdigkeit zurückführen.

    „Eine wirtschaftliche Talfahrt würde wahrscheinlich zur massenhaften Senkung der Bonitätsbewertungen und zu Zahlungsausfällen führen, und das könnte die Finanzmärkte negativ beeinflussen.“

    Das Problem der Behörden, die die Verantwortung für die Vorbeugung gegen neue Krisen tragen, besteht darin, dass es sich in vielerlei Hinsicht bereits um eine Vorkrisensituation handelt. Sollten Unternehmen massenweise pleitegehen, ließe sich diese Krise nur sehr schwer stoppen – und die Folgen wären noch verheerender als vor zehn bzw. elf Jahren. Denn diesmal würde es sich nicht um Privatpersonen mit Finanzschwierigkeiten, sondern um Unternehmen handeln. Sie müssten ihr Personal entlassen. In diesem Fall würde die Arbeitslosigkeit steigen, was wiederum Probleme für Rentenfonds und andere Finanzstrukturen bedeuten würde, die in der Hoffnung auf größere Profite Unternehmen mit Ramschstatus mit Krediten versorgten.

    In Bezug auf die Zahlen sieht die Situation wie folgt aus: Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf die Fed anführte, betrug das Verhältnis der korporativen Schulden zum Bruttoinlandsprodukt Ende des vorigen Jahres 73,1 Prozent – etwas weniger als die rekordmäßigen 73,7 Prozent im Jahr 2009. „Dabei hat sich die Summe der korporativen Schulden mit einer BBB-Bonität (die niedrigste Glaubwürdigkeit auf dem Investitionsniveau) seit der vorigen Krise mehr als verdoppelt.“

    Die Schulden haben allgemein ein kritisches Niveau erreicht, wobei die Qualität dieser Schulden hoffnungslos schlecht ist. Sollte sich die US-Wirtschaft aus irgendwelchen Gründen (damit werden üblicherweise Präsident Trump und seine endlosen Handelskriege gemeint) schlechter fühlen, wird dieses ganze Schulden-Kartenhaus einstürzen – und der gesamten Wirtschaft schwer schaden.

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    Nicht nur Journalisten, sondern auch Investoren schlagen Alarm. Eine sehr negative Prognose bezüglich der „Junk-Schulden“ gab Scott Mather von der Pacific Investment Management Company (PIMCO) ab, einer der weltweit größten Investitionsfonds (verwaltet Aktiva für mehr als 1,3 Billionen Dollar), die sich auf Schuldverschreibungen und andere Schuldpapiere spezialisiert haben

    Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg schrieb: „Wir haben wahrscheinlich den riskantesten Kreditmarkt seit jeher.“

    Mather stufte den aktuellen Sachverhalt als Vorkrisensituation ein. „Wir sehen das am Wachstum der korporativen Kredite, an der Senkung der Qualität der Kredite und an der Lockerung der Standards für die Kreditierung“, betonte er und ergänzte, dass ähnliche Bedingungen auch in den Jahren 2005 und 2006 entstanden waren – im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise 2008.

    Das Problem ist, dass es in der aktuellen Situation keine einfachen Lösungen gibt: Wenn man Banken, Rentenfonds, Investitionsfonds und andere potenzielle Kreditgeber von Unternehmen mit schlechter Bonitätsbewertung zwingen würde, ihre Standards für die Kreditvergabe unverzüglich zu erhöhen, würde man die Krise sofort provozieren, weil diese korporativen Kreditnehmer generell nicht in der Lage sind, ohne permanente Refinanzierung ihrer Schulden zu überleben.

    Selbst wenn man die aktuelle Situation so belässt, wie sie ist, wird sie trotzdem früher oder später böse enden: Irgendwann wird der natürliche Wirtschaftszyklus zur Neige gehen, und es kommt zur Kettenreaktion, bei der viele Unternehmen insolvent werden. Mehr noch: Wenn aktuell nichts geschieht, werden ineffiziente Unternehmen Kreditressourcen auf sich ziehen, die unter normalen Umständen an effizientere Unternehmen gehen würden. Dieses Problem wird im Kontext der Versuche der Trump-Administration zur Reindustrialisierung  der USA umso offensichtlicher: Denn wer will denn beispielsweise „langweilige“ Hersteller von Elektrohaushaltsgeräten kreditieren, die eine geringe Rendite versprechen, wenn man in der Hoffnung auf hohe Rendite ein „attraktives“ Startup finanzieren kann, das aber auch unrentabel werden kann (UBER als Beispiel)?

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    Hinzu kommt noch ein Problem: Selbst wenn man die künstliche Kreditunterstützung von ineffizienten Unternehmen mit niedriger Bonitätsbewertung als eine Art „soziales Projekt“ betrachtet, ruft seine Nützlichkeit große Fragen hervor. Nach Einschätzung der Experten von der Beratungsfirma Experian sind fast 25 Prozent der Amerikaner bereit, sich zu verschulden, um ihre dringenden Bedürfnisse (beispielsweise Lebensmittel) zu finanzieren. Es sei eine aus der Sicht der Wirtschaftstheorie paradoxe Situation entstanden: Die Kreditunterstützung des ineffizienten korporativen Sektors, die eigentlich den Wohlstand der Gesellschaft fördern sollte, doch das passiere nicht. Mehr noch: Es gebe Kennzahlen, die die Anfälligkeit des typischen Verbrauchers gegen wirtschaftliche Schocks zeigen, so die Experian-Experten.

    In diesem Kontext entsteht der Eindruck, dass die Eile, mit der Trump seine Handelskriege gegen China, die EU und sogar gegen Indien und Mexiko führt, sich auf innenwirtschaftliche Gründe zurückführen lässt: Er will (so ist nun einmal die traditionelle Strategie der  Amerikaner), dass die Wirtschaften der geopolitischen Konkurrenten schneller zusammenbrechen als die systematischen Risiken die US-Wirtschaft crashen lassen.

    Möglicherweise wird ihm das auch gelingen, aber das Problem ist, dass früher alle solchen Erfolge der USA möglich wurden, weil ihre Konkurrenten miteinander stritten. Diesmal ist alles umgekehrt: Trump tut gerade alles dafür, dass eine große antiamerikanische Koalition entsteht – von Caracas bis Teheran, von Brüssel bis Hongkong.

    Es wird möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Situation entstehen, in der Washington nicht die Möglichkeit bekommt, die gesamte Welt in Flammen zu setzen, um seine eigenen Probleme in den Griff zu bekommen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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