06:07 09 Dezember 2019
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    Verladung der Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 in Deutschland (Archiv)

    Noch viele Fragen offen: Geht Nord Stream 2 noch dieses Jahr in Betrieb?

    © Foto : Nord Stream 2/Axel Schmidt
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    Ob es dem russischen Energieriesen Gazprom und seinen europäischen Partnern gefällt oder nicht, aber das Thema der russischen Gaslieferungen nach Europa im kommenden Jahr ist sowohl in der EU als auch außerhalb der Union wieder in den Vordergrund gerückt.

    Die Gründe sind nicht neu: Es gibt Probleme sowohl mit der Verlängerung des Gastransitvertrages mit der Ukraine, die von Anfang an inakzeptable Bedingungen an Moskau stellt, als auch mit dem Pipelinebau in der Ostsee. Dort erfand Dänemark bis zuletzt ständig neue Einwände gegen das Gasleitungs-Projekt.

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    Die Gründe sind im Allgemeinen nachvollziehbar: Gegen Nord Stream 2 tritt unverhohlen das Land mit der, bekanntlich, „stärksten und demokratischsten“ Wirtschaft hervor. Gleichzeitig führt dieses Land aktuell viele Wirtschaftskriege gegen ganz verschiedene Länder – von China bis Mexiko. Dabei haben die USA den aussichtsreichsten und für sie wichtigsten LNG-Absatzmarkt im Asien-Pazifik-Raum endgültig verloren, und zwar sowohl taktisch (China hat am 1. Juni Gegensanktionen verhängt und die Importzölle für amerikanisches Flüssiggas auf 25 Prozent angehoben) als auch strategisch:

    Präsident Xi Jinping hat im Rahmen seines jüngsten Russland-Besuchs Abkommen unterzeichnet, denen zufolge russische Lieferanten zu den chinesischen Verteilungsnetzen zugelassen werden. Wenn sich Moskau und Peking darauf endgültig einigen, können sich die LNG-Lieferanten aus Übersee den chinesischen Markt für immer abschminken. Das bedeutet aber, dass Washington zunehmend verschärft um den europäischen Markt kämpfen wird.

    Auch die taktischen bzw. kurzfristigen Ziele sind verständlich: Alle möglichen Gaslieferungen (nicht nur, aber vor allem aus Russland) in die EU-Länder müssen minimiert werden, um die Bahn für amerikanisches Flüssiggas frei zu machen.

    Auch die Instrumente sind durchaus typisch für die amerikanische „Wirtschaftsstrategie“: Wenn man den Gegner nicht mit wirtschaftlichen Methoden besiegen kann, so wird der freie Wettbewerb torpediert. Die Länder, die mit dem Nord-Stream-2-Projekt auf diese oder jene Weise in Verbindung stehen, werden unter politischen Druck gesetzt, wie das Beispiel Dänemark deutlich zeigt.

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    Wie Gazprom-Chef Alexej Miller am vergangenen Freitag auf dem Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum erklärte, könnte der dänische Abschnitt der Ostsee-Pipeline binnen höchstens fünf Wochen gebaut werden, egal wo genau sie verlegt werden sollte. Dennoch ist offensichtlich: Es besteht die Gefahr von neuen Verzögerungen der Bauarbeiten. Laut Branchenkennern könnte Nord Stream 2 dann spätestens im ersten Halbjahr 2020 in Betrieb genommen werden (planmäßig sollte das noch vor der Jahreswende passieren). Aber wenn man die absolute Verhandlungsunfähigkeit der Ukraine bedenkt, könnten diese wenigen Monate die europäische Energiewirtschaft ziemlich teuer zu stehen kommen.

    Es bestehen keine Zweifel, dass die wahnsinnige Idee Kiews, die dreiseitigen Transitverhandlungen im Russland-Ukraine-EU-Format zum Scheitern zu bringen, mit Kopenhagens Verzögerung des Pipelinebaus in der Ostsee synchronisiert ist. Indem die früheren ukrainischen Machthaber von Anfang an inakzeptable Bedingungen (und zwar sowohl für Russland als auch für die EU) stellten (der Nord-Stream-2-Bau sollte de facto eingestellt werden, und Moskau sollte garantieren, dass durch die Ukraine eine riesige Menge des Brennstoffs nach dem Prinzip „pump or pay“ befördert wird), zeigten sie sich im Grunde bereit, Milliarden Dollar für den Gastransit in den Wind zu schreiben, nur um ihren „Bossen“ in Übersee einen Gefallen zu tun. Der neue ukrainische Präsident Wladimir Selenski umgeht das heikle Thema Gas vorerst.

    Was die weitere Entwicklung dieser Situation angeht, so werden die Ukraine und Dänemark höchstwahrscheinlich unter Druck gesetzt, damit sie der Ostsee-Pipeline doch zustimmen. Das wird übrigens nicht Russland tun.

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    Mit der Ukraine ist die Situation etwas schwieriger: Das Land hat im Grunde schon unter Präsident Poroschenko seine Souveränität freiwillig aufgegeben, und die Entscheidung über die Verlängerung des Transitvertrags mit Russland wird nicht in Kiew getroffen. Man sollte sich im Klaren sein: Wenn Kiew den Befehl bekommt, aus energetischer Sicht zu „sterben“, dann wird es diesen Befehl auch erfüllen. Denn die Ukrainer streben so eifrig nach den westlichen „demokratischen Werten“, dass selbst die Untergrabung ihrer eigenen Wirtschaft ihren Machthabern kein allzu hoher Preis zu sein scheint.

    Ölförderung im Schiefervorkommen Bakken in North Dakota (Archiv)
    © AFP 2019 / Getty Images/Andrew Burton

    Aber selbst dann würde die Krise auf dem europäischen Energiemarkt höchstens ein halbes Jahr dauern. Zudem könnte sich die Alte Welt darauf im Voraus vorbereiten: So wurde aus den europäischen Gasdepots im letzten Winter nicht der ganze Brennstoff ausgepumpt (weil der Winter eben nicht besonders kalt war). Und man könnte diese Behälter noch in diesem Jahr mit Gas füllen – und dann dürfte es Anfang 2020 keine großen Probleme geben. Es gibt auch andere Wege zur Senkung der potenziellen Risiken: Schließlich haben nicht nur die USA Flüssiggas.

    Deshalb bleibt die Gazprom-Führung gelassen: Die Situation bleibt immerhin unter Kontrolle. Ein halbes Jahr Gespräche von der „Unzuverlässigkeit der russischen Gaslieferungen“ und „Molekülen der amerikanischen Freiheit“ können die Russen und ihre europäischen Partner schon ertragen. Und dabei geht es nicht darum, dass „die Russen schon wieder alle ausgetrickst haben“, sondern darum, dass Europa aktuell viel mehr am russischen Pipelinegas interessiert ist als Russland an den Lieferungen nach Europa.

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    Tags:
    Kontrolle, Probleme, Krise, Souveränität, Petro Poroschenko, Erdgas, Gas, Wladimir Selenski, Energiewirtschaft, Pipeline, Alexej Miller, Druck, Wettbewerb, EU-Länder, Gaslieferungen, Gasmarkt, Markt, Asien, Abkommen, Lieferung, Xi Jinping, Wirtschaftssanktionen, Gegensanktionen, Russland-Sanktionen, US-Sanktionen, Sanktionen, Flüssiggas, LNG, USA, Mexiko, China, Wirtschaftskrieg, Nord Stream 2, Nord Stream 2, Nord Stream 2 AG, Pipeline-Projekt Nord Stream 2, Gasleitung, Dänemark, Ostsee, Pipelinebau, Ukraine, Gastransit, Partner, Betrieb, Fragen, EU, EU, Europa, Gazprom, Russland, Russland