06:49 16 Juni 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) und die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

    Die Lotsin im Trümmerfeld – Wie die Union nach der Ära Merkel um ihre Existenz kämpft

    © AFP 2019 / Odd Andersen
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    Willy Wimmer
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    Mit aufgestautem Vergnügen stürzt sich die deutsche Presse auf die CDU/CSU. Es geht um eine Frage, die sich nach der derzeitigen politischen Entwicklung nicht mehr stellt und aller Wahrscheinlichkeit nach nie mehr stellen wird. Dafür hat die verantwortungslose Politik der noch amtierenden Bundeskanzlerin gesorgt.

    Diejenigen und nicht nur aus der deutschen Presse, die dabei mitgemacht haben, werden sich natürlich nicht das eigene Grab graben und sich mit ihrer eigenen Haltung in den letzten Jahren beschäftigen. „Wir schaffen das“, war der kollektive Aufschrei derjenigen, die die Folgen ihres eigenen Tuns nicht bedenken können und nicht bedenken wollen. Nach Merkel wird man sich mit der Frage beschäftigen, was von Deutschland noch übrigbleiben wird. Die Frage wird den einen oder anderen in Deutschland umtreiben, allerdings nicht diejenigen, die am deutschen Volk vorbei die verhängnisvolle Politik zur Beseitigung eines verantwortlich und eigenständig agierenden deutschen Staates insinuiert haben.

    Wir kennen das aus der jüngeren Geschichte. Die eigene Verantwortung und der eigene Beitrag der Leitmedien wird in Watte gepackt und ein anderer Grund gesucht, sich einer Spitzenfigur zu entledigen. Ein führender deutscher Mediengewaltiger ließ sich im Zusammenhang mit einem ehemals führenden „grünen Khmer“ vor Jahr und Tag eindeutig dazu vernehmen. Wenn man der Ansicht in den großen Medienhäusern sei, dass die Zeit für ein Spitzenamt vorbei sei, würden die Schubladen geöffnet. Dann gebe es nur noch den Wettbewerb unter den Medienhäusern, wer den Fangschuss gesetzt habe. Bei Herrn Christian Wulff war das seinerzeit als Bundespräsident eindeutig. Jetzt dürfte es einen Wettbewerb geben. Den hat man sich nicht geleistet, als es darum ging, Deutschland nicht auf die schiefe Bahn geraten zu lassen. Man hat alles mitgemacht und bejubelt, von der Energiewende bis hin zu den völkerrechtswidrigen und gegen das Grundgesetz gerichteten Kriegseinsätzen.

    Jetzt geht es nur noch darum, das „Kind in den Brunnen zu befördern“ und es selbst nicht gewesen zu sein.

    Das gibt auch eine neue Funktion für die angesagteste Parteivorsitzende der CDU, Frau Kramp-Karrenbauer. Jetzt geht es angeblich um ihre Chancen als Kanzlerkandidatin. Die Vorsitzende der CDU kann einem leid tun.

    Jetzt bereits kommen die „grünen Khmer“ mit ihren Koalitionsmöglichkeiten hoch. Es gab schon einmal im Bundestag eine rechnerische Mehrheit für eine gegen die CDU/CSU gerichtete Koalition. Das Los wurde interessanterweise nicht gezogen. Das wird es nicht mehr geben, sicher. Es geht aber nicht nur um Koalitionsberechnungen. Die heutige Diskussion über eine CDU-Nachfolge für Frau Dr. Merkel erweckt den Anschein, es handele sich um eine „vorweggenommene“ Phantom-Diskussion. Nach dem Weggang von Frau Dr. Merkel wird aus objektiven Gründen „klar Schiff“ gemacht, und alle diejenigen, die mitgemacht haben, aber Frau Dr. Merkel nicht ins politische Nirwana begleiten wollen, werden am lautesten schreien. Dann werden die noch verbleibenden Wahlbürger nicht mit dem Finger auf Frau Dr. Merkel zeigen, sondern auf die Partei, die sich nach den stalinistischen Grundsätzen des „demokratischen Zentralismus“ in die Besinnungslosigkeit hat führen lassen. Die Folgen für CDU/CSU sind dann eindeutig, und man wird sich fragen, wie lange sie noch auf den Wahlzetteln stehen werden.

    Als Bismarck ging, wurde das Lotsenbild berühmt. Um im Bild des großen Deutschen zu bleiben, werden wir dann einen Rettungsring in einem Trümmerfeld vorfinden, wenn Frau Dr. Merkel gehen muss.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Migrationskrise, Migrationspolitik, Flüchtlingskrise, Otto von Bismarck, CDU/CSU, Deutschland, CDU, Angela Merkel