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09:43 17 Oktober 2019
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    Crew eines US-Transportflugzeugs beim Flug über Japan (Archivbild)

    Kampf um die „Weltinsel“: USA müssen gegen Russland und China gleichzeitig Krieg führen

    © Foto: U.S. Air Force / Tech. Sgt. Samuel Morse
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    Es sieht nach einer Kampagne aus, was da in den USA gerade läuft: Experten fordern das Pentagon auf, sich für einen Krieg gleichzeitig gegen China und Russland zu rüsten. Der Durchschnittsleser in Amerika und die Entscheider in Washington sollen richtig eingeschüchtert werden.

    Ein Professor und ein Finanzanalyst versuchen dem Publikum zwei ziemlich unangenehme Gedanken zu vermitteln. Der erste: Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sind nicht vorbereitet auf eine russisch-chinesische Allianz, die allein aus dem Grund, dass sie existiert, eine Gefahr ist für die USA und die gesamte amerikazentrische Welt. Der zweite Gedanke: Die USA müssen baldigst damit anfangen, sich auf einen Konflikt gegen die beiden Großmächte gleichzeitig vorzubereiten.

    Denn sonst könnte es passieren, dass Washington schutzlos dasteht. Dann nämlich, wenn einer der beiden – Peking oder Moskau – durch einen Krieg die Kräfte der Vereinigten Staaten bindet, während der andere der beiden – Moskau oder Peking – dem schutzlosen Amerika den Gnadenstoß verpasst.

    Die Urheber dieser Ideen sind Professor Hal Brands, Experte für Geostrategie an der Johns Hopkins University, und der ehemalige Admiral James Stavridis, heute Finanzanalyst bei der Carlyle Group. Veröffentlicht wurde ihre Sicht auf die Lage der Vereinigten Staaten in zwei Artikeln von der Agentur „Bloomberg“.

    Diesen medialen Zwischenfall könnte man als die zu Text gewordene Endzeitstimmung zweier Experten aus Washington abtun, die innerhalb des „Blooomberg“-Teams auf gleichgesinnte Pessimisten gestoßen sind. Wäre es nicht so, dass das Gefühl vom „Niedergang Amerikas“ und dem „Tod der US-Hegemonie“ die gesamte Presse für Denkende in den USA durchzieht.

    Zwar scheint die propagandistische Welt des Medienfastfoods noch irgendwie okay zu sein: Hollywood dreht weiter Filme darüber, wie die Bomben-Demokratie alle besiegt; die Macher von PC-Spielen bringen ihren Usern bei, dass russische Kampfpiloten unschuldige Syrer töten, während Weißhelmen rückhaltlos zu glauben ist usw.

    Doch eine Ebene höher, etwa in der frischen Ausgabe der Fachzeitschrift „Foreign Policy“, herrscht eine andere Stimmung:

    „Schaut man zurück, kann man sagen, dass der Niedergang unausweichlich erscheint“, heißt es darin. Man müsse sich heute mit der „Washingtoner Wahnvorstellung“ vom Ende des vergangenen Jahrhunderts „von der ewigguten US-Hegemonie“ auseinandersetzen. Es sei an der Zeit, eine „Obduktion der US-Herrschaft der letzten Jahrzehnte“ vorzunehmen, jener Zeit, „als die US-Eliten ihr Erbe und ihren guten Namen verschwendeten“.

    Und schaut man sich die genannten Artikel an, erkennt man darin schnell einen Appell an eben diese tiefsitzende Angst der Washingtoner Politeliten: „China und Russland wollen die ‚Weltinsel‘ kontrollieren“, schreibt Stavridis. Und dies ist aus seiner Sicht eine existenzielle Bedrohung für die USA. Die „Weltinsel“ umfasst nach einer geopolitischen Theorie von Halford Mackinder: ganz Europa, ganz Asien und ganz Afrika.

    Nach einer Analyse jener Bereiche, wo China und Russland kooperieren, kommt Stavridis zu dem Schluss, das Endziel dieser Zusammenarbeit sei eine russisch-chinesische Kontrolle über Eurasien und Afrika. Was unausweichlich voraussetze, dass die USA und ihre Verbündeten an die „Peripherie der Welt“ verdrängt würden.

    Als Gegenmaßnahme schlägt Stavridis vor, alles zu tun, um Europa an die USA zu binden und es nicht zuzulassen, dass die russisch-chinesische Allianz die europäischen Länder verführe. Die USA und ihre Verbündeten „müssen tun, was möglich ist, um das vereinte Europa zu unterstützen und das Netz von Allianzen, Partnerschaften und freundschaftlichen Beziehungen entlang der gesamten Peripherie Asiens zu stärken.“

    Ein erstaunlich diplomatischer Vorschlag, den der ehemalige Admiral unterbreitet hat. Was in diesem Maßnahmenentwurf jedoch offensichtlich verschwiegen wird, ist die Anregung, die russisch-chinesische Zusammenarbeit zu vereiteln. Offen weist Stavridis auf diese Möglichkeit nicht hin, doch wirft er in seinem Artikel immer wieder dahingehende Ideen auf. Putin mache einen Fehler, wenn er mit China zusammenarbeite, schreibt er. Oder: Für China sei Sibirien das, was ein Steak für einen Hund ist.

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    Auffällig ist indes, dass es den Experten nicht in den Sinn kommt, eine wie auch immer geratene Normalisierung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington vorzuschlagen. Was sie diskutieren, sind ausschließlich Zwangsmaßnahmen. Das betrifft gleichermaßen das Verhältnis zwischen Washington und Peking wie auch zwischen Washington und Berlin, Paris und Brüssel. Das Wort „Kompromiss“ fehlt in den empfohlenen Lösungsansätzen völlig.

    Professor Brands schreibt sogar in einer militärisch hemmungslosen und direkten Art, Amerika müsse eine „richtige Kombination von Möglichkeiten und Konzepten“ erarbeiten, „um Russland und China zu besiegen, bevor sie ihre Streitkräfte entscheidend vergrößern“. In absehbarer Zukunft würden die USA in eine „angespannte und gefährliche Rivalität gleichzeitig mit China und Russland“ involviert sein.

    Das Erstarken der russisch-chinesischen Freundschaft und Zusammenarbeit wird in Washington als Anspruch auf Weltdominanz aufgefasst. Gegen diesen angeblichen Anspruch werden die USA alle Mittel der Stärke und Diplomatie einsetzen – darauf muss man vorbereitet sein. Und man muss rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen, ohne zu erwarten, dass Washington zur Vernunft und Kompromissbereitschaft kommt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Westen, Europa, Transatlantiker, NATO, Eskalation, Militarismus, Medienhetze, Hetze, Rüstung, Pentagon, Kriegsgefahr, Kriegsvorbereitungen, Krieg, Russland, China, USA