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14:24 21 Oktober 2019
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    Nato-Soldaten während Manövers Baltops 2019 in Lettland

    Nato im Osten: Auf jedem Fleckchen Erde ein Manöver

    © REUTERS / Ints Kalnins
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    Die Nato hat nahezu zeitgleich zwei große Manöver in Osteuropa gestartet: 18.000 Mann mit 2500 Technikeinheiten sind allein beim „Dragon-2019“ in Polen eingesetzt – zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Parallel dazu läuft im Baltikum das „Baltops-2019“. Das russische Gebiet Kaliningrad ist von Nato-Kräften fest umzingelt.

    Polnische Soldaten üben, was das Zeug hält, ohne Munition zu sparen. Und in ihrem Eifer schießen sie wohl etwas übers Ziel hinaus: Gleich am ersten Tag des „Dragon“-Manövers brach auf einem Übungsgelände ein Großbrand aus. Rund 100 Hektar hatte das Feuer erfasst, 30 Feuerwehrmannschaften waren zur Brandbekämpfung im Einsatz.

    Das Übungsgelände ist das größte in Polen, es befindet sich nahe der Stadt Drawsko Pomorskie, keine 100 Kilometer östlich von Stettin. Aber darauf beschränkt sich das Manöver nicht: Es findet in ganz Polen statt. Dabei befehligt eine polnische Panzerbrigade zum Beispiel einen Panzerverband aus Deutschland und mechanisierte Bataillone aus Norwegen und Slowenien.

    Das Hauptziel von „Dragon-2019“ ist laut polnischen Generälen die Stärkung der Interoperabilität, also der Fähigkeit nationaler Truppen, innerhalb eines multinationalen Verbands zu operieren. Außer den Polen sind weitere rund 3000 Soldaten am Manöver beteiligt – aus den USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Kroatien. Die Übung sei eine reine Verteidigungsmaßnahme, sagen die verantwortlichen Generäle.

    Währenddessen im benachbarten Litauen: Beim „Iron Wulf 2019“ sollen litauische Kräfte mit ihren Nato-Verbündeten in ein einheitliches Kampfsystem integriert werden – also auch wieder Interoperabilität. Wie den Soldaten in Polen, stehen auch den Soldaten in Litauen ihre Kollegen aus dem multinationalen Kampfverband der Nato zur Seite.

    Angriff vom Wasser

    Zeitgleich fährt die Nato in der Ostsee einen Großverband auf, zur gemeinsamen Marineübung der Allianz: „Baltops-2019“. Daran sind Schiffe und Flugzeuge aus 16 Bündnisländern sowie aus Finnland und Schweden beteiligt – insgesamt rund 12.000 Mann, 44 Schiffe und 40 Luftfahrzeuge.

    Bezeichnend ist, wer das Manöver führt. Es ist Vize-Admiral Andrew Lewis, Kommandeur der 2. US-Flotte – jener Flotte, die 1950 als Gegengewicht zur Sowjetunion geschaffen worden war. 2011 löste Barack Obama den Verband auf, 2018 aber ist die Flotte wieder aufgestellt worden.

    Das Pentagon macht keinen Hehl daraus, dass der Verband auf die Einhegung Russlands in der Ostsee und im Atlantik gerichtet ist. „Baltops-2019“ ist der erste Einsatz der 2. Flotte im Atlantik. Vize-Admiral Lewis befehligt das Manöver vom Kommandoschiff „USS Mount Whitney“ aus.

    Zwischenzeitlich sind die Seeleute der Nato in der südlichen Ostsee aktiv. Sie trainieren U-Boot-Jagd, Minensuche und Flugabwehr. Ein wichtiger Auftrag: die Erstürmung der Küste. Die Marineinfanteristen der Nato landen dabei direkt vor Russlands Grenzen. Was nicht ohne Zwischenfall blieb: Der Rumpf eines polnischen Landeschiffs wurde aufgerissen, als es bei der Anlandung auf ein Hindernis stieß.

    Die russische Ostseeflotte beobachtet das Manöver höchst aufmerksam: Die russischen Seestreitkräfte überwachen das Funk- und Signalumfeld im Übungsgebiet, um „Gefahren für die Navigationssicherheit ziviler Schiffe“ zu identifizieren, die mit dem Einsatz elektronischer Kampfmittel durch die Nato verbunden sein können, erklärte das russische Verteidigungsministerium.

    Und nicht nur das: Immer wieder müssen russische Abfangjäger Nato-Flugzeuge von Russlands Grenzen fernhalten. Am vergangenen Montag mussten Su-27-Piloten B-52-Bomber abfangen, die sich von der Ostsee und vom Schwarzen Meer her dem russischen Luftraum näherten.

    Laut amerikanischen Medien handelte es sich dabei um strategische Bombenflugzeuge des 5. Bombergeschwaders aus Norddakota. Eins dieser Großflugzeuge war bereits an einer Nato-Übung in der Ostsee beteiligt, zwei andere trainierten schon einmal in Rumänien.

    Eine Woche vorher hatten russische Su-27-Jäger zwei Aufklärungsjets über der Ostsee abgefangen: einen amerikanischen RC-135 und einen schwedischen „Gulfstream“.

    Indes nutzen die Jagdbomberstaffeln der russischen Marineflieger die „Baltops“-Übung dazu, die Bekämpfung von Seezielen zu trainieren. Rund ein Dutzend Su-24-Bomber haben dieser Tage einen Gegenangriff auf gegnerische Schiffe simuliert. Abfangjäger Su-27 begleiteten die Jagdbomber. Beschossen wurden ausschließlich Zielattrappen.

    Ein viel zu heißer Sommer

    Mindestens 20 Manöver will die Nato diesen Sommer in Europa abhalten. Die meisten davon finden im Juni statt:

    auf dem Balkan übt die operative Nato-Reserve: „Naples Reserve 2019“;

    • in Polen übt die Very High Readiness Force der Nato: „Noble Jump-2019”;
    • in Spanien üben die EloKa-Truppen der Nato: „Ramstein Guard 6“;
    • im Kosovo sollen die KFOR-Kommandeure in neue Aufträge und in die neue Lage eingeführt werden;
    • in Norwegen übt die Schnelle Eingreiftruppe der Nato: „Trident Jackal-2019“;
    • in Litauen üben die regionalen Luftstreitkräfte die Zusammenarbeit: „Ramstein Alloy“;
    • in Rumänien prüft die Nato-Flugabwehr ihre Taktiken und Verfahren: „Istria-19“;
    • in Ungarn und Bulgarien sollen Spezialkräfte gemeinsam mit regulären Kräften trainieren – und es findet die Logistikübung „Saber Guardian-2019“ mit US-Beteiligung statt.

    Währenddessen verstärken die USA ihr Truppenkontingent in Polen. Letzte Woche erklärte Donald Trump, in Polen würde ein weiterer US-Stützpunkt aufgebaut. Dann werden insgesamt 4500 amerikanische Soldaten auf polnischem Boden stationiert sein. Hinzu kommt, dass die USA ein Kampfdrohnengeschwader nach Polen verlegen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Osteuropa, Polen, NATO