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23:56 23 Juli 2019
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    Trader bei der NYSE-Börse in New York

    Amerika bereitet Dollar auf Abwertung vor

    © REUTERS / Lucas Jackson
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    Natalja Dembinskaja
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    Der US-Dollar ist auf den niedrigsten Stand seit August des vergangenen Jahres gefallen. Am 24. Juni fiel die US-Währung auf 62,83 Rubel pro Dollar. Die Bank of America behauptet, dass es nicht der Tiefpunkt sei – bereits in der nächsten Zeit könnte Präsident Donald Trump beschließen, die US-Währung abzuwerten.

    Warum Trump keinen starken Dollar braucht – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Zu teuer

    Über die Absichten der US-Behörden, die Nationalwährung abzuwerten, wurden Investoren von einem der größten Finanzinstitutionen des Landes gewarnt – die Bank of America.

    Sobald die US-Schatzkammer die entsprechende Anordnung trifft, wird die Fed mit Währungsinterventionen beginnen – Dollar verkaufen und ausländische Währung kaufen, so Bankanalysten. Dieser Schritt wird den US-Dollar sofort abschwächen, der laut Einschätzung der Bank of America jetzt zu etwa 13 Prozent überbewertet ist.

    Laut Bank of America wird Trump den Beschluss über Währungsinterventionen unter dem Motto der Stabilisierung der Währung treffen. „Wenn der Übergang der Fed zur Senkung der Sätze nicht ausreichen wird, wird die Wahrscheinlichkeit der formellen Währungseinmischung steigen“, so Michelle Mayer und Dean Randall von der Bank of America.

    2018 wuchs die US-Wirtschaft um 2,9 Prozent, doch verlangsamte sich stark zum Jahresende. Laut IWF-Prognose wird das Tempo des BIP-Wachstums in den kommenden zwei Jahren sinken. Laut der National Association for Business Economics ist bereits 2021 eine Rezession möglich. Die Gründe sind offensichtlich – enorme Staatsschulden in Höhe von mehr als 22 Bio. Dollar, ein riesiges Haushaltsdefizit ausgelöst durch eine starke Erhöhung der Ausgaben für die Bedienung der Schulden, hinzukommend die Zuspitzung des Handelskriegs mit China.

    Laut mehreren Wirtschaftsexperten ist eine „sanfte“ Rezession auch 2020 möglich, trotz einer erwartenden Senkung der Zinssätze. Bei der Sitzung am vergangenen Mittwoch ließ die Fed die Zinssätze ohne Änderung, doch der Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass „überzeugende Argumente zugunsten einer mehr adaptiven Politik auftauchten“. Daraufhin sank der Dollar gegenüber dem Korb aus sechs Hauptwährungen.

    Powell gibt auf

    Fed steigerte im vergangenen Jahr viermal nacheinander den Zinssatz, wobei auf die Erholung der US-Währung hingewiesen wurde und keine monetären Anreize notwendig sind. Das verärgerte US-Präsident Donald Trump, der die Fed als schädliche Organisation und Hauptbedrohung für die US-Wirtschaft erklärte. Er drohte Jerome Powell mit Entlassung.

    Im März weigerte sich die Fed, die Zinssätze weiter zu erhöhen. Dennoch begnügte sich Trump nicht damit. Ihm zufolge hätte die Fed den Zinssatz im Dezember nicht gehoben, wäre der Dow-Jones-Index um einige hundert Punkte höher, und die Wirtschaft  wäre um vier bzw. fünf Prozent pro Jahr gewachsen. Er erinnerte daran, dass er immer noch über Vollmachten zur Entlassung Powells verfüge.

    „Sie verstehen gar nichts“, twitterte Trump am 11. Juni über die Fed-Führung. „Euro und andere Währungen sind gegenüber dem US-Dollar abgewertet, was die USA in eine ungünstige Lage versetzt. Der Fed-Satz ist zu hoch.“

    Wirtschaftsexperten schließen nicht aus, dass Powell unter dem Druck Trumps endgültig aufgibt. Laut Prognose von Goldman Sachs wird die Fed den Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte im Juli und um weitere 0,25 Prozentpunkte im September senken. Doch es kann auch gleich um 0,5 Prozentpunkte nach unten gehen – wenn sich die Wirtschaftssituation stark verschlechtert.

    Schwächer, noch schwächer

    Donald Trump verzichtet offen auf die Politik des starken US-Dollars, an der seine Vorgänger festhielten. Ihm zufolge stört eine zu starke Währung dem Export von US-Waren und Dienstleistungen und spitzt das Defizit des Handelsgleichgewichts zu – 2018 erreichte es präzedenzlose 621 Mrd. Dollar.

    Wenn der US-Dollar billiger wird, wird es für ausländische Käufer günstiger sein, US-Waren zu kaufen. Das würde die Produktion ankurbeln und das Defizit des Außenhandels senken.

    „Ich brauche einen starken Dollar, der jedoch für unser Land nützlich sein wird, und nicht einen Dollar, der so stark ist, dass wir keine Geschäfte mit anderen Ländern machen können“, sagte Trump im März.

    In der vergangenen Woche kritisierte Trump den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, wegen der Abschwächung des Euro-Kurses gegenüber dem Dollar.

    „Mario Draghi teilte über die Möglichkeit der zusätzlichen Stimulierung mit, was den Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar sofort nach unten bewegte und es ihnen ermöglichte, unfair einfacher mit den USA zu konkurrieren. Europäer kommen seit Jahren aus dieser Sache heil heraus – wie auch China und andere“, schrieb Trump auf Twitter.

    Trump betont ständig, dass auch China den Yuan-Kurs absichtlich unterbewertet, womit der Export billiger gemacht und das Handels-Ungleichgewicht mit den USA erhöht wird.

    Keine Besserung in Sicht

    Experten befürchten, dass die Politik des schwachen US-Dollars des US-Präsidenten Donald Trump und Finanzministers Steve Mnuchin im Ergebnis das Wirtschaftswachstum untergraben wird. Wie der Bankanalyst Dick Bove gegenüber CNBC sagte, ist diese Strategie langfristig fehlerhaft – sie steigert nur den Wert der Anleihen.

    „Ausländer werden nicht US-Schuldverschreibungen finanzieren, wenn die Politik gegen die Dollar-Stabilität gerichtet ist“, so der Experte. „Die USA hängen komplett davon ab, dass der US-Dollar als globale Reservewährung betrachtet wird“, so der Experte.

    Ausländische Kreditgeber stoßen den US-Dollar bereits im beschleunigten Tempo ab – sein Anteil an globalen Währungsreserven erreichte den niedrigsten Stand seit Beginn des Jahrhunderts. Seit der weltweiten Finanzkrise von 2008, als Zentralbanken maximale Mengen an US-Dollar hielten, machte der Rückgang sieben Prozentpunkte aus. Die weitere Abschwächung bedroht den Reservestatus des Dollars. Die Regierungen anderer Staaten werden von den US-Staatsanleihen mehr Rentabilität fordern. Das würde die Kreditzinsen steigen lassen und die Hoffnungen der Investoren auf die Wiederherstellung der US-Wirtschaft endgültig untergraben.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    US-Notenbank FED, Donald Trump, US-Dollar