16:26 15 Dezember 2019
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    Herbert Raymond McMaster bei Münchner Sicherheitskonferenz 2018 (Archivbild)

    Als hätte es nie Kriegslügen gegeben – NZZ rollt Ex-Trump-Berater McMaster den roten Teppich aus

    © AP Photo / dpa / Sven Hoppe
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    Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hat ein irritierendes Interview mit dem früheren Nationalen Sicherheitsberater der USA, Herbert Raymond McMaster, geführt. Darin konnte McMaster unwidersprochen alte Lügen und Propaganda wiederholen. McMaster verteidigte den auf Lügen basierenden Irak-Krieg, genauso wie er Kriegshetze gegen den Iran von sich gab.

    Es ist bereits das zweite große Interview mit einem ehemaligen engen Berater von US-Präsident Donald Trump innerhalb kurzer Zeit, das in der NZZ in einem Stil geführt wird, mit dem früher Journalisten des SED-Zentralorgans „Neues Deutschland“ in devoter Haltung die mäandernden Antwort-Phrasen des Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik entgegennahmen und abdruckten.

    Fragen werden dann zu Suggestionssätzen oder reduzieren sich auf das Stichwortgeben. Auf offenkundige Unwahrheiten, Relativierungen und Verharmlosungen des Interview-Gastes reagieren die Journalisten nicht, sondern lassen ihn ungeschoren mit dreistesten Weißwaschungen und Einbahnstraßen-Argumentationen davonkommen. Sie lassen Herbert Raymond McMaster sogar offen Kriegshetze betreiben. In einer Sprache und imperialen Attitüde, die stellenweise derart aggressiv und unverschämt ist, dass man sich als Leser mitunter bei dem gruseligen Gefühl ertappt, den seinerzeitigen Austausch McMasters gegen einen schießwütigen Cowboy wie John Bolton dennoch als Segen für den Weltfrieden zu betrachten.

    Journalisten als Stichwortgeber für Geschichtsklitterung und Doppelstandards

    Das nimmt gleich am Beginn des Interviews mit McMasters Ausführungen zum Iran und dem Internationalen Atomabkommen (JCPOA) seinen unangenehm auffallenden Verlauf. Die beiden Fragesteller der NZZ können sich in ihrer ersten Frage wenigstens noch dazu aufraffen und McMaster an die Tatsache erinnern, dass es die USA gewesen waren, die einseitig aus diesem Abkommen ausgestiegen sind. Aber das war es dann auch schon mit Faktentreue. Zu den daraufhin folgenden abenteuerlichen Rechtfertigungen, Interpretationen und Definitionen von McMaster, die klar erkennen lassen, dass die Welt gefälligst nach der Pfeife der USA zu tanzen habe und als seien ausgerechnet die USA moralisch dazu berufen, andere Staaten zu „bestrafen“, wie sich McMaster ausdrückt, fällt den NZZ-Redakteuren tatsächlich nur die etwas sprachlos machende Frage ein: „Ist Krieg unvermeidbar?“

    Die Propagandasprache und die offenkundigen Defizite in jüngerer Geschichte beim US-General, der eigentlich promovierter Militärhistoriker ist, sind schon eine Sache für sich in diesem Interview, das eigentlich mehr einem Monolog ähnelt, der von den Interviewern artig abgenickt wird. Eigentlich braucht man bei den Tiraden McMasters nur Iran gegen USA auszutauschen, um die ganze Verlogenheit seiner Phrasen offenkundig werden zu lassen. Denn „unerklärte Kriege“, wie McMaster sie dem Iran zuschreibt, führt tatsächlich keine Nation dieses Planeten in den zurückliegenden Jahrzehnten so intensiv und so rücksichtlos weltweit wie die Vereinigten Staaten von Amerika.

    Es war der von den USA initiierte Putsch gegen den demokratisch legitimierten iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh, der 1953 das Terrorregime der Pahlavi-Dynastie wieder auf den Pfauenthron in Teheran hievte. Es war das als „Irangate“ bekannt gewordene geheime Waffengeschäft der Reagan-Administration, das nicht nur die Region am Persischen Golf destabilisierte, sondern auch Mittelamerika.

    Bekanntlich lieferten die USA 1985 und 1986, teilweise über den Umweg Israel, Waffen an den Iran, der eigentlich schon damals der Todfeind der USA war. Der Iran setzte diese Waffen im Krieg gegen den Irak ein, der unter Staatschef Saddam Hussein, damals noch mit dem offiziellen Wohlwollen der gleichen US-Regierung unter Präsident Reagan, gegen Teheran kämpfte. Washington betrieb also den perfiden Plan, sich zwei Feinde vom Hals zu halten, indem beide gegeneinander aufgehetzt wurden. Mit dem Geld aus diesen Geschäften, die gleich mehrere US-Gesetze verletzten, finanzierten die USA wiederum die rechtsgerichteten so genannten Contra-Rebellen, die gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung Nikaraguas einen Guerillakrieg führten. Kein Wort der Erinnerung dazu von den beiden NZZ-Redakteuren, die Herbert McMaster stattdessen allen Ernstes Sätze sagen lassen wie: „Wer schlägt denn die Funken, die das Pulverfass zur Explosion bringen könnten?“

    Wenig überraschend: Hemmungslose Russophobie

    Aber dieser verlogene Duktus des „Was ich selber mach und tu, das traue ich auch anderen zu“ durchzieht das gesamte Interview und wird kein einziges Mal von den beiden Redakteuren hinterfragt. Darum wird bereits mit der dritten Frage deutlich, als die NZZ zu einem ihrer Lieblingsthemen einschwenkt. Bekanntlich wird die immer noch führende, aber vom Niveau her leider verlotterte Schweizer Tageszeitung von einer schweren Russophobie geplagt. Die transatlantische Hörigkeit dieser Zeitung wird mittlerweile derart penetrant und schmerzbefreit nach außen getragen, dass es mitunter peinlich wirkt. Russland, sein Staatspräsident und seine Politik werden in der NZZ mit einer fanatischen Boshaftigkeit behandelt, gegen die antisowjetische Hetztiraden des Kalten Krieges wie nette kleine Sticheleien wirken.

    Die Redakteure fragen McMaster tatsächlich: „Mit dem JCPOA hatten Sie Russland und China an Bord. Kann man auf sie auch jetzt noch zählen? Vor allem Russland hat sich in Syrien klar auf die iranische Seite geschlagen.“ Es sind die USA, auf die man nicht mehr zählen kann, möchte man den beiden NZZ-Journalisten entgegenrufen. Genauso wie die Tatsache, dass sich Russland nicht einfach auf die iranische Seite geschlagen hat, sondern darauf pocht, dass das Völkerrecht und die Herrschaft des Rechtes in Gestalt internationaler Verträge, die dem Westen doch angeblich so wichtig sind, auch eingehalten werden. Nicht zu vergessen die dem Westen zutiefst verhasste Tatsache, dass Russland das einzige Land ist, dass völkerrechtlich korrekt in Syrien aktiv ist. Aber so denken NZZ-Redakteure eben nicht, sondern sie haben offenkundig die gleiche arrogante imperiale Weltsicht wie die gegenwärtige US-Administration und ihre Vorgänger.  

    McMaster räumt ein, dass es den USA in Wahrheit um ihre Vormachtstellung geht

    Wenigstens kommen die Leser dank dieses selbstverliebten Tunnelblicks von Interviewern und Interviewtem in den Genuss des Eingeständnisses von Herbert McMaster, dass es in Wahrheit um die verzweifelte Verteidigung der transatlantischen Dominanz in den politischen und ökonomischen Beziehungen der Staatengemeinschaft geht, die von Mächten wie China oder eben auch Russland mindestens in Frage gestellt wird. Und auch hier zucken die beiden Schweizer Qualitätsjournalisten nicht einmal mit den Augen- oder Mundwinkeln, als ausgerechnet der ehemalige Sicherheitsberater von Donald Trump sagt: „China hat sich auf wirtschaftlichem Gebiet aggressiv benommen, man könnte fast von ökonomischer Kriegführung reden.“

    Das sagt einer der wichtigsten ehemaligen Berater jenes Präsidenten, der Schritt für Schritt Freund wie Feind mit Sanktionen und Strafzöllen überzieht, wenn sie sich nicht dem ökonomischen Willen der USA unterwerfen wollen. Kein Nachhaken von den NZZ-Redakteuren, als McMaster so etwas ohne rot zu werden von sich gibt, im Angesicht des offenen Wirtschaftskrieges seines ehemaligen Chefs. Genauso wie bei der darauffolgenden Frage, bei der sich McMaster über angebliche oder tatsächliche Praktiken des Huawei-Konzerns auslässt: „Ich frage jene Regierungen, die ihre IT-Systeme Huawei anvertrauen wollen: Ist es eine rationale Erwartung, dass Peking eure Bürger besser behandeln wird als seine eigenen? Natürlich wird es das nicht tun.“

    Auch das Feindbild China wird mit verlogenen Zielen verteidigt

    Auch in diesem Moment keine Erinnerung durch die NZZ-Redakteure daran, dass die besagten Regierungen bislang jedenfalls noch nicht von Huawei derart behandelt wurden, wie sie es von den USA erleben mussten und erleben. Die USA bespitzeln bekanntlich mit ausgefeilten Spionage- und Schnüffelprogrammen der National Security Agency (NSA) wie etwa PRISM die halbe Weltbevölkerung. Sie hören Millionen Telefone ab, sogar die von Regierungschefs angeblicher Freunde. Sie lesen fast den gesamten weltweiten E-Mail-Verkehr mit. Sie betreiben nicht zuletzt Industriespionage bei angeblichen Verbündeten.

    Dennoch klingen die beiden NZZ-Redakteure mit ihren „Fragen“, als könnten sie es kaum erwarten, dass die USA gegen diese frechen Chinesen endlich mal zu Felde ziehen: „Das Wort von der Unvermeidbarkeit eines Krieges ist auch im Zusammenhang mit China oft erwähnt worden.“ Oder: „Seit einigen Jahren bereiten sich die USA auch militärisch wieder auf die Rivalität der Großmächte vor.“ Oder schließlich: „Zurück zu Chinas Expansion.“ Gar nicht auszudenken, wie das Fallbeil des NZZ-Qualitätsjournalismus herabsausen würde, sollte sich ein Medium wie Sputniknews derart propagandistisch statt journalistisch verhalten.

    Krieg scheint für die NZZ absolut normal zu sein

    Der Gipfelpunkt dieses Interviews, das mehr einer Audienz ähnelt, sind Äußerungen McMasters zu Kriegen, die von den USA angezettelt wurden, oft auf der Basis von Lügen. Auch hier leisten die NZZ-Redakteure Formulierungshilfe. Etwa wenn sie den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak, der auf Lügen basiert, und den Dauerkrieg in Afghanistan als „Missionen zur Stabilisierung“ bezeichnen.

    Was Herbert McMaster natürlich dankend aufnimmt und aus dem grausamen Vietnam-Krieg, der von den USA ebenfalls mit einer dreisten Lüge, dem so genannten Fall Tonkin, angezettelt wurde, eine „langfristige Aufstandsbekämpfung“ konstruiert. Beziehungsweise den Krieg in Afghanistan ein „Engagement“ nennt, das „absolut nachhaltig“ sei. Natürlich an diesem Punkt ohne Protest oder Nachfragen der Schweizer Qualitätsjournalisten, wie ein „nachhaltiger“ Krieg denn bitteschön aussehe.

    Doch die NZZ-Autoren befragen den General lieber noch einmal danach, ob künstliche Intelligenz „das Wesen des Krieges“ verändern wird, als wäre Krieg irgendein faszinierendes Rollenspiel und die Aufgabe von Politik und Journalisten wäre nicht, mitzuhelfen, Kriege zu verhindern, sondern sie einem Publikum als normal und unausweichlich zu präsentieren, oder wie die NZZ-Redakteure das tatsächlich formulieren: „Kann man das auch verkaufen“? Was ein gutes Stichwort ist, denn nach der Lektüre dieses Interviews fühlt man sich verkauft, für dumm verkauft. Und der Autor dieses Artikels befürchtet inzwischen, dass dies auch die Intention dieses Interviews gewesen ist.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Neue Zürcher Zeitung, Russland, China, USA, Herbert McMaster