23:06 20 November 2019
SNA Radio
    Goldbarren russischer Produktion

    Russlands Strategie ist goldrichtig – weitere folgen

    © Sputnik / Pawel Lissizyn
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    41594
    Abonnieren

    Russland häuft beharrlich Gold an und stößt den US-Dollar aus den Reserven ab. Diese Strategie wurde zunächst als zweifelhaft bezeichnet. Jetzt, da der Goldpreis auf den höchsten Wert seit sechs Jahren geklettert ist, ist klar, dass Moskau alles richtiggemacht hat, schreibt Bloomberg.

    Auch andere Zentralbanken gehen so vor. Der Status des US-Dollars als zuverlässige Aktiva ist ins Wanken geraten.

    Alles richtiggemacht

    Nach der Einführung der Sanktionen änderte Russland die Struktur seiner internationalen Reserven. Jetzt verfügt die Zentralbank über 2190 Tonnen Gold – im Wert von rund 90 Milliarden Dollar. Das ist eine Rekordmenge in der gesamten postsowjetischen Geschichte. In den vergangenen zehn Jahren ist der Goldanteil an den Währungsreserven von 3,5 auf 18,6 Prozent gestiegen, während der Anteil des Dollars fast um ein Drittel zurückging – auf 21,9 Prozent.

    Die Unberechenbarkeit der Trump-Administration, der große Appetit der Fed auf Anleihen und geopolitische Instabilität lassen Gold attraktiver als US-Staatsanleihen erscheinen.

    Noch 2010 lagen die Einlagen der russischen Zentralbank in den Treasuries bei mehr als 176 Milliarden Dollar. Seit 2014, im Zuge des wachsenden Sanktionsdrucks Washingtons, baute die Zentralbank das Portfolio der US-Aktiva ab, zu Beginn 2019 waren es nur 14 Milliarden Dollar.

    „Russland hat der ganzen Welt gezeigt, dass das Land mit einer großen Wirtschaft und den fünftgrößten Gold- und Währungsreserven den größten Teil der Dollar-Aktiva loswerden und sich dabei gut fühlen kann“, so Bloomberg.

    Dem Beispiel folgen

    Dem russischen Beispiel folgen die Zentralbanken anderer Länder und kaufen aktiver Gold. Nach Angaben des World Gold Council ist der Anteil von Gold bei den Zentralbanken im vergangenen Jahr um 651 Tonnen gestiegen – das ist der höchste Wert seit 1971, als die USA auf den Goldstandard verzichteten.

    Der Zentralbank Russlands, die fast die Hälfte des gesamten Goldes kaufte, folgt an zweiter Stelle China, das über Goldvorräte in Höhe von 1853 Tonnen im Wert von 76 Milliarden Dollar verfügt. Ende des vergangenen Jahres baute Peking nach einer mehr als zweijährigen Pause den Goldankauf stark aus, was zum Wachstum des Goldpreises auf den höchsten Stand seit sechs Monaten führte – 1300 Dollar pro Unze.

    Ein weiterer großer Goldkäufer ist die Türkei – im vergangenen Jahr erhöhte sie ihre Goldvorräte um 51,5 Tonnen. Diesem Klub will sich nun auch Indien anschließen, das im vergangenen Jahr fast 42 Tonnen Gold kaufte und die Vorräte auf den Rekordstand von 600,4 Tonnen brachte.

    Der Grund des hohen Interesses am Gold ist das Streben, die Reserven zu diversifizieren und vom US-Dollar weniger abhängig werden, so Analysten. Gold wird immer wichtiger als Absicherung gegen die Zahlungsunfähigkeit der USA. China und Russland verstehen sehr gut, dass es den USA sehr schwer fallen wird, ihre Schuldverpflichtungen zu tilgen, und der Kauf von US-Staatsanleihen keinen Sinn hat.

    „Russland und andere Zentralbanken wissen genau, dass sie ihre Gold- und Währungsreserven wegen der kommenden Dollarkrise erhöhen müssen“, meint Peter Schiff, Chef von Euro Pacific Capital.

    Gold ist extrem teuer geworden

    Russlands Strategie zum Goldankauf wurde von mehreren Experten als Fehler bezeichnet. „Die Welt“ schrieb noch vor vier Jahren, dass Putin sein Land in den Abgrund der Goldreserven getrieben habe. Seit 2013 erlebte das Gold mehrere Abstürze. Wie im Sommer 2018, als der Goldpreis innerhalb eines Monats von 1260 auf 1170 Dollar pro Unze fiel.

    Im März 2019 sanken die Goldpreise von 1324 auf 1285 Dollar, was den Wert der russischen Reserven stark traf. Später gaben Beobachter zu, dass sich Russland als pragmatischer Investor verhält und kaltblütig an der Börse gewinnbringende Ware kauft, die von anderen aktiv verkauft wird.

    Im Mai erwarb Russland weitere sechs Tonnen Gold (200.000 Unzen). Dieser Kauf fand kurz vor der Rallye im Juni statt – der Goldpreis stieg auf den höchsten Wert seit sechs Jahren von 1280 auf 1400 Dollar. In dieser Woche kostete eine Unze Gold an der Londoner Börse mehr als 1428 Dollar.

    Der Hauptgrund sind die sich zugespitzten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Ein weiterer Faktor ist die niedrige Einträglichkeit der US-Staatsanleihen. Das weist gewöhnlich auf die Annäherung einer Finanzkrise hin, so dass Investoren sichere Aktiva kaufen, vor allem Gold. Zudem ist der Dollar-Kurs auf den niedrigsten Wert seit drei Monaten gefallen. In Zukunft kann die US-Währung eine weitere Senkung wegen der Politik des Fed erwarten, der die Zinsen senken will.

    Experten zufolge wird der Goldpreis weiter steigen. „Die bei fast null liegende Rentabilität würde die Nachfrage nach Wertpapieren in US-Dollar abschwächen und kann die Gold-Nachfrage erhöhen“, so die Prognose von Goldman Sachs. „Die Senkung des Zinssatzes durch die Fed würde garantiert steigende Goldpreise auslösen.“

    Nach Einschätzungen der britischen Firma Standard Chartered kann der Goldpreis bereits im vierten Quartal dieses Jahres auf 1450 Dollar pro Unze steigen. Laut Prognose der Consultingfirma Metal Focus würde der größere Appetit der Goldkäufer die Nachfrage 2019 auf das höchste Niveau seit vier Jahren bringen.

    Laut Goldman-Sachs-Prognose wird die Goldförderung in den nächsten Jahren sinken. Einem der größten Goldförderer, Goldcorp, zufolge wird die Goldproduktion zum Jahr 2022 auf das Niveau vom Beginn des 21. Jahrhunderts sinken. Laut dem United States Geological Survey wären die Goldvorräte in der Welt beim aktuellen Fördertempo bereits 2034 ausgeschöpft. „In dieser Situation ist die Erhöhung der Goldvorräte durch die russische Zentralbank eine äußerst erfolgreiche Strategie“, so Bloomberg.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Staatsanleihen, USA, Russland, Goldreserven, Goldvorräte, Goldpreis, Gold