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07:02 23 September 2019
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Experten sagen starke Dollar-Abwertung im zweiten Halbjahr 2019 voraus

    © Sputnik / Sergej Pyatakow
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    Experten der Saxo Bank erwarten, dass das Federal Reserve System (US-Notenbank) demnächst eine Politik zur intensiven Abwertung des Dollars ausüben wird. Dadurch könnte sich die ganze Welt „besser fühlen“, so die Analysten.

    Warum ein starker Dollar für das Weiße Haus ungünstig ist und zu welchen Instrumenten die Fed greifen könnte, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

    Kein Grund, den Dollarkurs aufrechtzuerhalten

    Eine baldige Schwächung der US-Währung deutet nämlich die jüngste Rhetorik der Fed an. Von den ziemlich aggressiven Aussagen ihrer Vertreter, die eher für die „Falken“ typisch waren bzw. sind, ist inzwischen keine Spur mehr geblieben. Die Analysten der Saxo Bank sind überzeugt, dass die Leitzinsen sogar zwei Mal gesenkt werden: im Juli und im September.

    „Das Federal Reserve System spielt Fangen mit der Wirtschaft, und wenn wir wesentliche negative Merkmale im dritten Vierteljahr sehen werden, werden die Leitzinsen über Nacht fast auf null gesenkt“, sagte der Devisen-Chefstratege der Saxo Bank, John Hardy. Nach seiner Auffassung ist sogar eine neue Quantitative Lockerung (quantitative easing – QE) nicht ausgeschlossen. „Das alles spricht von einer Schwächung des US-Dollars im zweiten Halbjahr“, schlussfolgerte er.

    2018 ließ sich in den USA ein Wirtschaftswachstum von  2,9 Prozent beobachten, dessen Tempo sich aber am Ende des Jahres wesentlich verlangsamte. Laut einer IWF-Prognose wird die Wirtschaftswachstumsdynamik in den nächsten Jahren zurückgehen. Und nach Einschätzung der National Association for Business Economics (NABE) werden die Amerikaner es gegen 2021 bereits mit einer Rezession zu tun haben. Die Gründe: die riesigen Staatsschulden (mehr als 22 Billionen Dollar), ein billionenhohes Haushaltsdefizit wegen der gestiegenen Ausgaben für die Schuldentilgung und schließlich der Handelskrieg gegen China.

    Einigen Ökonomen zufolge ist eine „sanfte“ Rezession sogar in den kommenden Monaten möglich. „Angesichts des Risikos der Wachstumsverlangsamung lassen sich offensichtlichere Merkmale für die Schwächung der US-Wirtschaft erwarten“, bestätigte man bei der Saxo Bank.

    Die Fed beschloss in einer Sitzung am vergangenen Mittwoch, die Leitzinsen vorerst nicht zu korrigieren, aber der Chef der Behörde, Jerome Powell, stellte fest, dass es inzwischen „überzeugende Argumente für eine etwas adaptivere Politik“ gebe.

    2018 hatte die US-Notenbank die Leitzinsen gleich vier Mal erhöht, und zwar unter dem Vorwand der Wirtschaftserholung, so dass monetäre Antriebe nicht nötig wären. Im März verzichtete die Behörde unter Druck seitens des Präsidenten Donald Trump auf eine weitere Erhöhung, und der nächste logische Schritt wäre eine Senkung der Leitzinsen.

    Deviseninterventionen

    Seit den mittleren 1990er-Jahren hatte Washington eine Politik des starken Dollars ausgeübt. Aber Präsident Trump ist überzeugt, dass ein starker Dollar schädlich für die US-Wirtschaft sei. Das wäre nämlich ein Hindernis für den Export von amerikanischen Waren und Dienstleistungen und würde nur das Handelsdefizit noch größer machen, das im vorigen Jahr den beispiellosen Stand von 621 Milliarden Dollar erreichte.

    Experten der Bank of America vermuten, dass sich Trump für Deviseninterventionen entscheiden könnte – unter dem Motto „Die Wirtschaft muss stabilisiert werden!“ „Sollte der Übergang der Fed zur Senkung der Leitzinsen nicht genügen, würde die Wahrscheinlichkeit einer formellen Deviseneinmischung wachsen“, sagte dazu die Ökonomin Michelle Meyer von der Bank of America.

    Eine ähnliche Auffassung zeigten auch die Kollegen von der Citigroup.

    Die Prognosen der amerikanischen Analysten gehen bereits in Erfüllung. Erst in der vorigen Woche teilte Trump via Twitter mit, dass die USA „in das große Devisenspiel einsteigen sollten, das China und Europa führen“.

    „China und Europa manipulieren intensiv mit Devisen, indem sie Gelder in ihre Wirtschaften pumpen, um mit den USA zu konkurrieren“, so der US-Staatschef. „Wir müssen ihnen entsprechen – oder einfach die Dummen bleiben, die nichts tun und nur höflich zusehen, wie andere Länder diese Spiele spielen – wie sie das schon seit vielen Jahren tun!“

    ​Aber Trumps Politik zur Abwertung des Dollars könnte am Ende das Wirtschaftswachstum behindern. Laut Experten wäre eine solche Strategie längerfristig falsch, weil dadurch nur die Schuldenbedienung teurer würde. Ausländer würden dann keine US-Staatsanleihen kaufen, wenn Washington die Stabilität des Dollars behindern sollte. Dabei hängen die USA voll und ganz davon ab, dass der Dollar als globale Reservewährung gilt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Abwertung, Währung, US-Dollar