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22:52 21 August 2019
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    Ronald Pofalla im Gespräch mit den Journalisten nach der NSA-Affäre (Archivbild)

    Zu unbedeutend für Pofalla? Abfuhr beim Pressegespräch zum Petersburger Dialog

    © AP Photo / Rainer Jensen
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    Paul Linke
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    Kurz vor dem Beginn des deutsch-russischen Gesprächsformats „Petersburger Dialog e.V.“, hat sich der Vorstandsvorsitzende des Vereins und ehemalige Minister für besondere Aufgaben, Ronald Pofalla (CDU), mit Journalisten getroffen. Vor verschlossenen Türen bleibt ein Sputnik-Redakteur zurück, der die Welt nicht mehr versteht.

    „Petersburger Dialog“ (PD) heißt das jährliche deutsch-russische Treffen, das, wie der Name andeutet, den Dialog und Gespräche zwischen den beiden Ländern fördern soll. Der Vorstandsvorsitzende des „Petersburger Dialog e.V.“, Ronald Pofalla (Vorstandsmitglied der Deutsche Bahn AG), hatte Medienvertreter in den „Bahntower“ am Potsdamer Platz in Berlin eingeladen, um über das bevorstehende 18. deutsch-russische Treffen am 18. und 19. Juli in Bonn zu informieren. Vertreter der staatlichen Mediengruppe Rossija Segodnja, zu denen Sputnik und Ria Novosti gehört, erhielten keine Einladung. Auch dem Chefredakteur des TV-Senders „RT-Deutsch“, Ivan Rodionov, war nichts von einem derartigen Termin bekannt, teilte er auf Sputnik-Anfrage mit.

    „Das muss ein Versehen sein“, dachte ich. Nachdem mir auch das PD-Sekretariat keine näheren Details nennen konnte, machte ich mich am Dienstagmorgen hoffnungsvoll auf den Weg zum „Bahntower“, um als Vertreter eines in Deutschland erscheinenden staatlichen russischen Mediums am Pressegespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden des Petersburger Dialogs, dem ehemaligen Chef des Bundeskanzleramtes, vielleicht doch noch teilnehmen zu können. Im 26. Stockwerk des Hochhauses stellte sich heraus, es war kein Versehen. Ein Mitarbeiter der „Deutsche Bahn AG“ verzog seine Miene, als ich mich als Ria-Novosti-Korrespondent vorstellte und bat mich höflich, die Veranstaltung zu verlassen.

    Enttäuscht und mit einer Reihe von Fragen verließ ich das Gebäude: Wie kann es sein, dass führende deutschsprachige Nachrichtenagenturen mit einem russischen Hintergrund von einem Gespräch über  einen deutsch-russischen „Dialog“ ausgeschlossen werden? Sind wir als internationale Nachrichtenagentur, die aus 34 Ländern und in 30 Sprachen weltweit berichtet,  zu unbedeutend für Pofalla? Unweigerlich kommen einem auch verschwörungstheoretische Gedanken in den Kopf: Haben die was zu verbergen? Und wird damit der häufige Vorwurf an Pofalla bestätigt, antirussische Positionen zu vertreten?

    Erst am Sonntag betonte er gegenüber dem „Deutschlandfunk“ voller Überzeugung: Sanktionen gegen Russland seien richtig. „Und es wäre ein totales Zeichen der Schwäche, würden wir ohne irgendeine Veränderung auf der russischen Seite jetzt tatsächlich Teile von Sanktionen abbauen.“ Als einzige Partei machte er Russland für die Waffengewalt in der Ost-Ukraine verantwortlich. Putin habe es doch einfach. Es sei doch gar nicht schwer. „Er müsste doch jetzt nur mal für drei, vier, fünf Monate nachweisbar die Waffen in der Ost-Ukraine ruhen lassen, und er hat Einfluss auf die Separatisten, die immer wieder die vereinbarten Waffenruhen brechen …“, erklärte Pofalla gegenüber dem „Deutschlandfunk“. Von der ukrainischen oder gar einer europäischen Verantwortung in dem Konflikt keine Spur.

    Ich bat die Geschäftsstelle des „Petersburger Dialog“ um eine Begründung, warum russische Medien wie Sputnik und Ria-Novosti nicht zu einem solchen Pressegespräch eingeladen wurden und nach welchen Kriterien Medien und Agenturen dafür ausgewählt wurden. Der gleiche Bahn-Mitarbeiter, der mich zuvor vor die Tür gesetzt hatte, antwortete in zwei Sätzen: „Traditionell laden wir die deutschen Medien im Vorfeld des Petersburger Dialogs zu einem Pressegespräch ein, um sie über die Themen der kommenden Veranstaltung zu informieren. So ist dies auch in diesem Jahr geschehen.“

    Ich lerne, eine Nachrichtenagentur, die in Berlin sitzt und in deutscher Sprache berichtet, zählt offenbar nicht zu diesem auserwählten Kreis - die französische „Agence France-Presse“ (AFP), die über das Treffen im „Bahntower“ schrieb, offenbar schon. Damit blieben auch meine Fragen unbeantwortet, ob Herr Pofalla als Vorstandsvorsitzender des Petersburger Dialogs nicht eine gewisse Pflicht oder Notwendigkeit sehe, den „Dialog“ - auch außerhalb des Treffens - mit russischen Medienvertretern zu führen und ob nicht die Gefahr besteht, dass durch den Ausschluss von Medienvertretern russischer Agenturen bei derartigen Veranstaltungen eine ausgewogene Berichterstattung gefährdet sein könnte.

    Mit einer derartigen Einstellung rückt ein echter Dialog in weite Ferne. Hoffentlich ist es nur der falsche Eindruck eines unbedeutenden deutsch-russischen Journalisten einer unbedeutenden Nachrichtenagentur eines unbedeutenden Landes.

    * - Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Pressefreiheit, Petersburger Dialog, CDU, Ronald Pofalla