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14:59 17 August 2019
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    Ölraffinerie des US-Unternehmens Parsley Energy in Texas (Archivbild)

    Ausverkauf: Schieferöl-Boom in den USA findet jähes Ende

    © REUTERS / Nick Oxford
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    Natalja Dembinskaja
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    Trotz der Voraussagen eines drohenden „Schiefertöl-Schocks“ für den Ölmarkt werden die Schieferölunternehmen rasant billiger, verlieren Investitionen. Im ersten Quartal ist der Gesamtwert der Fusionen und Übernahmen auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen.

    Wie es jetzt um die Schieferöl-Industrie bestellt ist – lesen sie in diesem Artikel.

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    Die internationale Energieagentur hat vor einigen Tagen erklärt, dass ein neuer „Schiefer-Schock“ bevorsteht. Nach IAE-Einschätzungen wird der globale Ölmarkt bereits zu Beginn des Jahres 2020 mit einem Überangebot konfrontiert werden, das mit den Jahren 2014/15 vergleichbar ist – die Förderung wird mit zwei Millionen Barrel pro Tag über der Nachfrage liegen.

    Laut Analysten von Citi Group überlässt die OPEC mit ihrer weiteren Förder-Drosselung den Markt den US-Frackern, die in den nächsten ein bzw. zwei Jahren ihren Export bedeutend ausbauen können, weil 2020 Pipelines in Betrieb genommen werden, die die größte Fracking-Region Permian mit den Küstenterminalen verbinden werden.

    Doch Analysten von Bank of America stellen sich eine unerwartete Frage – werden die Schieferölfirmen diese Pipelines befüllen können? Die Fördermenge in den USA hat Rekordzahlen erreicht – 11,5 Mio. Barrel pro Tag. Doch die Schieferölbranche stieß auf einen massiven Finanzierungsmangel. Ende 2018 mussten die meisten Unternehmen ihren Etat um Milliarden Dollar wegen des Abbaus der Investitionen kürzen.

    Nach den Boom-Jahren in der Schiefer-Industrie wurde den Investoren klar – Gewinne lassen weiter auf sich warten, die Unternehmen arbeiten weiter mit Verlusten, wobei der Geldmangel mit neuen Krediten finanziert wird. Im Laufe von zehn Jahren gaben 40 führende Branchenvertreter fast 200 Mrd. US-Dollar mehr aus, als verdient wurde.

    Nur einzelne hätten gezeigt, dass sie imstande seien, einen freien Geldstrom bzw. gute Gewinne zu generieren, so Analysten. Tausende Bohrlöcher in den Schiefervorkommen pumpen deutlich weniger Öl, als den Investoren versprochen wurde.

    Im Ergebnis wurde im vergangenen Jahr in die Branche halb so wenig wie im Vorjahr investiert. Zudem werden die Aktien der Fracker im großen Stil abgestoßen.

    Auch die Marktteilnehmer geben Probleme zu. „Die Branche zerstörte vollständig das Vertrauen der Investoren in den letzten zehn Jahren“, sagte Lee Tilman, Generaldirektor der US-Öl- und Gasfirma Marathon Oil.

    Zu Spottpreisen

    In dieser Situation sind am stärksten kleinere unabhängige Unternehmen betroffen.

    „Für große Unternehmen mit starken Bilanzberichten und hohen Bonitätsnoten ist es einfacher, Kapital heranzuziehen, doch für kleinere Produzenten, die keinen freien Geldstrom generieren, ist das sehr schwer. Investoren weigern sich, sie zu finanzieren“, so „Financial Times“.

    Dennoch gehen auch große Akteure pleite. Im Mai erklärte das US-Ölserviceunternehmen Weatherford International, es bereite sich auf ein Insolvenzverfahren vor. Die Leiter von Halcon Resources und Alta Mesa Resources stellten die Fähigkeit dieser Firmen infrage, ihre Tätigkeit fortzusetzen.

    Die Schieferölunternehmen verlieren rasant an Wert. In der letzten Marktübersicht der Fed in Dallas werden die Worte eines der Marktführer angeführt: „Vom Abbau der Marktkapitalisierung einiger Produzenten verschlägt es den Atem“.

    Im Ergebnis werden die Schieferölfirmen beinahe zu Spottpreisen verkauft. Die US-amerikanische Callon Petroleum teilte in der vergangenen Woche mit, die Firma Carrizo Oil&Gas für 3,2 Mrd. Dollar erwerben zu wollen. Das ist um ein Mehrfaches weniger, als die Firma vor fünf Jahren, während des Frackingbooms, gekostet hat. Nach Einschätzungen von Analysten ist der Gesamtwert der Deals für Fusionen und Übernahmen im Öl- und Gassektor der USA auf den Tiefstand seit zehn Jahren gesunken.

    Allerdings gab es bereits im vergangenen Jahr ein Alarmsignal für die Branche. Im Februar 2018 begann die weltweit größte Minengesellschaft, die australische BHP Billiton, mit dem Ausverkauf aller Aktiva in den Schieferbecken der USA, darunter drei im Permian Becken. Die Führung gab zu, dass die Investitionen im Wert von 20 Mrd. Dollar von 2011 bis 2017 ein „großer Fehler“ waren.

    Der Verzicht des führenden Vertreters der Rohstoffbranche auf Schieferprojekte zeigt, dass man kaum mit einem neuen Boom rechnen darf. „In der absehbaren Zukunft erwartet die Schieferölförderung in den USA eher eine Stagnation und danach ein Erlöschen“, so Analysten von Wood Mackenzie. „Die ständigen Bohrungen senken die Einträglichkeit“. Das Bohren von zunehmend tieferen Löchern, das Einpumpen von Sand und Chemikalien bringt im Ergebnis keine gleichmäßigen Ölmengen, so Experten.

    „Jedes Mal, wenn ein Loch gebohrt wird, versinken dort Milliarden. Es ist nicht erstaunlich, dass die Aktien der Schieferunternehmen an Wert verlieren“, sagte Steve Schlotterbeck, ehemaliger Generaldirektor des großen Erdgasproduzenten EQT.

    Laut Prognose der US-Investmentbank Goldman Sachs sollen die Investitionen in Schiefergas- und ölunternehmen zum Jahr 2025 ihren wirtschaftliche Sinn verlieren – alle Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Branche vor dem Aus steht.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Fracking, Schieferöl, USA