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17:31 21 September 2019
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    US-Dollar-Banknote (Archiv)

    One-Way-Ticket: Verliert US-Dollar den Status als Reservewährung?

    © AP Photo / LM Otero
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    Der US-Dollar wird seinen Status als globale Reservewährung verlieren, und zwar schon in absehbarer Zeit, prognostizieren Experten der Investitionsbank JP Morgan Chase. Die Zentralbanken vieler Länder stoßen ihre Dollarreserven im großen Stil ab. Und die Kreditpolitik der Vereinigten Staaten könnte den Dollar endgültig zu Grabe tragen.

    Warum die führenden Finanzinstitutionen der Welt so skeptisch gegenüber der US-Währung sind, erklärt RIA Novosti in diesem Beitrag.

    Stärke des Dollar im Verfall

    Laut dem jüngsten Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) entfallen 62 Prozent aller Devisenreserven der Welt auf den US-Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Reserven in Euro, Yen und Yuan zusammen.

    Wie allerdings der Chefökonom von JP Morgan Chase, Jim Glassman, feststellte, lässt sich die Kumulation des Dollars im Ausland auf Handelsungleichgewichte zurückführen und ist zudem ein Instrument zum Schutz gegen ungeordnete Marktbedingungen – das zeugt aber keineswegs von Vertrauen in die US-Währung.

    „Dysbalancen im Handel tragen zur Festigung der Währungen von Entwicklungsländern bei, wobei der Export aus diesen Ländern teurer wird. Damit das nicht passiert, reinvestieren Entwicklungsmärkte ihre Überschüsse in Dollar-Aktiva wie Schuldverschreibungen, die in Dollar bewertet und auf US-Märkten gehandelt werden“, so der Experte.

    Demonstrant bei einer Protestaktion gegen die IWF-Politik in Buenos Aires (Archivbild)
    © AFP 2019 / EITAN ABRAMOVICH
    Er verwies zugleich darauf, dass keine einzige Währung ewig Reservewährung gewesen sei. Und der Dollar dominiert nach seinen Worten schon seit fast 100 Jahren. Es gelte zwar, der Dollar hätte das britische Pfund als globale Reservewährung nach der Unterzeichnung des Bretton-Woods-Abkommens abgelöst, aber das stimme nicht ganz. Das britische Pfund sei schon zuvor wesentlich schwächer geworden, betonte Glassman.

    Asiatische Gefahr

    Das Erstarken des Dollars war mit der Bildung des Federal Reserve System (US-Notenbank) verbunden, das zur Etablierung von reiferen Kapitalmärkten beitrug und die nationale Geld- bzw. Kreditpolitik koordinierte. Und das sind die beiden Stützen für jeden Staat mit einer Reservewährung.

    Am Ende gewann der Dollar dank der Stärke der US-Wirtschaft diesen Status, aber die aktuelle Situation ist alles andere als günstig für die Festigung oder wenigstens Aufrechterhaltung seiner Positionen. Die Führungsrolle der US-Währung werde neben der chaotischen Politik Präsident Trumps auch durch die intensive wirtschaftliche Entwicklung asiatischer Länder beeinträchtigt.

    Laut Glassman rückt gerade Asien allmählich in den Mittelpunkt des Wirtschaftswachstums, vor allem China, dessen Anteil am globalen BIP sich in den letzten 70 Jahren vervierfacht hat und inzwischen bei knapp 20 Prozent liegt (auf die USA entfallen 24 Prozent).

    „Damit wird in der Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten ein Übergang von der Dominanz der USA und des Dollars zu einem System zu beobachten sein, in dem Asien mächtiger wird. Im Devisenraum bedeutet das, dass der Dollar voraussichtlich billiger gegenüber dem Korb anderer Währungen wird, auch gegenüber dem Dollar“, so der Branchenkenner.

    Auf Rekordtief geschrumpft

    Die Angaben über die Devisenreserven der Zentralbanken zeugen von einer langfristigen Schwächung der Rolle des US-Dollars. 2018 ist sein Anteil an den globalen Reserven laut der Europäischen Zentralbank auf 61,7 Prozent geschrumpft – das niedrigste Niveau seit 20 Jahren.

    Zwar bleibe der Dollar immer noch die globale Reservewährung, so die EZB. Aber seine Führungsrolle stehe mittlerweile auf der Kippe – seit der Weltfinanzkrise 2008 sei der Dollar-Anteil um sieben Prozentpunkte zurückgegangen.

    Im vorigen Jahr verkauften vor allem die Schwellenländer die US-Staatsanleihen. Allen voran Russland, das nach einer neuen Runde von US-Sanktionen 100 Milliarden Dollar veräußerte und knapp 90 Milliarden in Euro und Yuan kaufte.

    Auch Länder wie Argentinien, China, Hongkong, Indien, Indonesien, Thailand und die Türkei verkauften US-Staatsanleihen im Wert von nahezu 200 Milliarden Dollar. Einige von ihnen brauchten Dollar in bar, um ihre eigenen Währungen zu stabilisieren, andere verkauften ihre Dollar wegen Konflikten mit Washington.

    Niederlage wird eingesehen

    In Übersee räumt man mittlerweile ein, dass der Verlust des Status als Reservewährung große Probleme für Washington bedeuten würde. „Der aktuelle Status des Dollars als wichtigste Reservewährung gestattet uns, unsere Wirtschaft vor äußeren Erschütterungen zu bewahren“, sagte die Vizepräsidentin der Federal Reserve Bank of New York, Linda Goldberg, noch im Februar. „Der Verlust der Führungsrolle auf den Weltmärkten würde negative Folgen haben, vor allem für den Emittenten, also für die USA.“

    Vorerst sehen die Positionen des Dollars gar nicht so schlecht aus. Wie Ulf Lindahl, der Chef von A.G. Bisset Associates, neulich feststellte, liegt der Kurs der US-Währung aktuell auf dem Rekordniveau der letzten 30 Jahre. Allerdings zeigte er sich überzeugt, dass sich die Situation demnächst verändern könnte. Laut seiner Prognose wird der Dollar in fünf Jahren etwa 40 Prozent seines Wertes gegenüber dem Euro verlieren.

    Die Experten von JP Morgan erwarten, dass der globale Niedergang schon Ende dieses Jahres einsetzen wird, und der Fed wird es nicht gelingen, diesen Trend aufzuhalten. „Am Ende des Tages kommt ein Verfall des Dollars auf uns zu, der jahrelang dauern wird. Gegen die zweite Hälfte des kommenden Jahres werden wir eine kardinale Schwächung der nationalen Währung beobachten“, sind die Analysten einer der größten Banken an der Wall Street überzeugt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Status, Reservewährung, US-Dollar, USA